Den Traum auf (den) Plan bringen
14.09.2012 | 18:50 | STEPHANIE DIRNBACHER (Die Presse)
Serie Hausbau, Teil V. Kreativität, Rechtswissen und Einfühlungsvermögen - welche Qualitäten man bei einem Planer suchen sollte, und womit man bei der Umsetzung eines Neubaus rechnen muss.

Schlechte Planung, falsche Umsetzung, Baumängel und Kostenexplosion – bevor das eigene Traumhaus steht, kann so einiges schieflaufen. Eine der wichtigsten Fragen ist daher: Wem soll man den Bau des Wunschobjekts anvertrauen? Wer schafft es, die individuellen Vorstellungen perfekt umzusetzen? Braucht man unbedingt einen Architekten oder kann ein Baumeister dasselbe – und das womöglich günstiger – vollbringen? Hier gehen die Meinungen von Architekten und Baumeistern naturgemäß auseinander. „Es kann durchaus auch ein Baumeister ein Haus planen“, meint Baumeister Erich Lux. Er schränkt aber gleichzeitig ein, dass dies auch eine Frage des architektonischen Anspruchs des Bauherren sei. Wie viele andere Bauunternehmen bietet seine Firma nicht nur die Ausführung, sondern auch die Planung von Häusern an. Lux sieht es als Vorteil, „wenn alles in einer Hand ist“ – vorausgesetzt, man vertraut dem Baumeister. „Manchmal wünschen sich die Bauherren aber, dass planende und ausführende Tätigkeit getrennt sind“, erklärt er.
Diese Trennung gibt es, wenn man einen Architekten beauftragt: Der Architekt entwirft das Haus, der Baumeister und die übrigen Professionisten bauen es.
Kreativität punktet
Für Architekt Heinz Lutter ist die Hausplanung Sache des Architekten. „Ein Baumeister kann zwar gut bauen, aber nicht so gut planen“, meint er. Für ihn umfasst eine entsprechende Vorarbeit viele Kriterien, die nur Architekten erfüllen können: „Es geht um die Auseinandersetzung mit der Umgebung, um Kreativität und um die Kunst, Räume zu komponieren“, schildert er. „Außerdem muss man die Bauordnungen kennen und die Anforderungen des Bauherrn optimal umsetzen können.“
Die Aufgaben eines Architekten gehen darüber aber noch hinaus. „Der Architekt ist quasi der Anwalt des Bauherrn“, stellt Georg Pendl, Präsident der Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten, klar. „Er macht die Planung, die Baueinreichung, die Ausschreibungen für die Professionisten und die Vergabe, gestaltet die Verträge und kontrolliert die Mengen und Abrechnungen.“ Laut Rechtsanwalt Herbert Gartner ist es sinnvoll, den Architekten auch mit der örtlichen Bauaufsicht – das heißt, mit der Kontrolle über die Ausführung nach Plan – zu betrauen. „Das kostet ein bisschen mehr, zahlt sich aber aus“, weiß Gartner aus Erfahrung. Wenn nämlich ein Professionist etwas verbockt, kann der Bauherr nicht nur ihn zur Verantwortung ziehen – auch der Architekt haftet zusätzlich. Das ist vor allem dann ein Segen, wenn die Firma, die den Fehler gemacht hat, insolvent und daher nicht mehr greifbar ist. Aber Achtung: Laut Gartner schließen Architekten im Kleingedruckten ihre Haftung für leichte Fahrlässigkeit manchmal aus.
Konfliktpotenzial vermeiden
Neben dem Kleingedruckten sollte man beim Vertragsabschluss mit dem Architekten auf die Kosten achten: „Detaillierte Kosten vereinbaren und keine Verweise auf irgendwelche Honorarrichtlinien akzeptieren“, lautet Gartners Rat. Der Rechtsanwalt weiß, dass es bei den meisten Reibereien auf dem Bau um Geld geht.
Das zweite große Konfliktpotenzial seien Fehler in der Bauaufsicht. Wie oft ein guter Bauleiter auf der Baustelle anwesend sein muss, hängt laut Pendl von der jeweiligen Bauphase ab, „es sollte aber schon mehrmals die Woche sein“.
Um den richtigen Architekten zu finden, gibt es viele verschiedene Wege. „Man kann im Internet suchen, sich das Verzeichnis von der Bundeskammer durchsehen oder bei Gebäuden, die einem gefallen, nach dem Planer fragen“, sagt Pendl. Ein Blick auf Referenzprojekte verrät, ob der Stil des Architekten den eigenen Vorstellungen entspricht.
Am wichtigsten ist jedoch, dass die Chemie passt. „Wenn man gemeinsam ein Haus plant, ist das nicht wie ein Autokauf – es ist ein Prozess“, betont Lutter. Der Architekt muss die Wünsche des Bauherrn verstehen und umsetzen können. Dazu ist es unerlässlich, dass man nicht nur die persönlichen Vorstellungen vom Traumhaus, sondern auch den Budgetrahmen klar und deutlich kommuniziert. „Beim Architekten bekommt man genau das, was man will, aber man muss es sagen“, so Lutter. Auf der anderen Seite müsse auch der Architekt ehrlich offenlegen, was umsetzbar ist und was nicht.
Auch genug Zeit einplanen
Selbst wenn man den Bau des Eigenheims vertrauensvoll in die Hände eines Profis legt, kann man sich nicht untätig zurücklehnen. „Der Zeitaufwand wird von den meisten unterschätzt“, weiß Lux. Denn: „Man muss sicher einige Stunden pro Woche investieren.“ Am intensivsten ist dabei die Planungsphase, die allerdings auch über eine erfolgreiche Umsetzung und die Kosten entscheidet. Der Immobiliensachverständige Herwig Holler rät Bauherren, die Pläne stets auf Kostenwahrheit hin zu prüfen. „Baukostenüberschreitung beginnt auf dem Papier“, warnt Holler. Bis man mit einem einreichfähigen Entwurf rechnen kann, würde es laut Lutter durchschnittlich zehn bis 15 Besprechungen dauern. „Danach gibt es nur mehr Entscheidungssitzungen“, versichert der Architekt.
Wer nur wenig Zeitaufwand in den Hausbau investieren möchte, sollte sich die Fertighausvariante überlegen, die meist auch günstiger als die individuelle Bauweise ist. Dafür braucht man lediglich ein Fundament, auf dem das Fertighaus in nur wenigen Tagen errichtet werden kann. Für Lux überwiegen trotzdem die Vorteile des Baus mit einem Baumeister oder Architekten, denn so kann man „das Haus exakt an die Bedürfnisse der Bewohner anpassen“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2012)




