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Logistikimmobilien: vom Buhmann zum Boom

11.10.2017 | 13:18 |   (DiePresse.com)

Befeuert von einer guten Konjunktur, vom Wandel im Handel und von knappen Objektangeboten für institutionelle Investoren sind Logistikimmobilien einer der Top-Trends in der Immobilienwirtschaft.

Symbolbild
Symbolbild / Bild: (c) DB Schenker (Maximilian Mx Floegel) 

Schon letztes Jahr waren Rekordwerte zu verzeichnen, heuer werden diese abermals getoppt: Logistikimmobilien sind in ganz Europa nachgefragter denn je, selbst sinkende Renditen bremsen diesen Trend nicht ein. In Deutschland etwa wurde heuer schon um 145 Prozent mehr in Logistikimmobilien investiert als Vergleichszeitraum 2016. 6,67 Milliarden Euro flossen laut BNP Paribas Real Estate in diese Assetklasse.

"Der Leerstand bei Logistikimmobilien sinkt weiter und befindet sich europaweit unter 5 Prozent, die Mietpreise ziehen an und die Assetklasse Logistik ist der neue Investorenliebling – das hat die Expo Real, die wichtigste Gewerbeimmobilienmesse letzte Woche in München gezeigt", resümiert Andreas Liebsch, Geschäftsführer des österreichischen Logistik- und Gewerbeimmobiliendevelopers GO ASSET.

Handel im Wandel – die Logistik auch

Wie sehr sich der Handel aktuell verändert, zeigen neuartige Konzepte von Retailern wie etwa Lidl, die sich auf der Expo Real als Partner von Kommunen positionierten. Mit flexiblen und individualisierten Filialkonzepten will Lidl die Innenstädte erobern, kurze Wege von neuen lokalen Logistikzentren sollen gemeinsam mit den Kommunen geplant werden. Zugleich sorgt der steigende Online-Handel für erhöhte Nachfrage nach Distributionsflächen. Der Milliarden-Umsätze verbuchende russische Online-Händler Ulmart nutzte die Messe zum ersten Mal um seine logistische Infrastruktur weiter auszubauen. Derzeit verfügt das Unternehmen über drei suburbane Fulfillment-Center, 32 urbane Fulfillment-Centers und über 400 Pick-up Points – und deckt damit den europäischen Bereich Russlands ab. Beim Beratungsunternehmen Colliers International rechnet
man damit, dass Amazon in naher Zukunft zusätzlich 1,2 Millionen Quadratmeter Distributionsfläche benötigen werde und der Handelsgigant Alibaba seine Flächen in Europa bzw. entlang der Schienenverbindung der „neuen Seidenstraße“ dramatisch erweitert.

 Neue Immobilienformate entstehen

Darüber hinaus werden City-Logistik-Einheiten entstehen. Auch sie sind für Investoren interessant. Das Beratungshaus CBRE spricht von einem konservativen Risiko-Rendite-Profil und überschaubaren Risiken. "Aufgrund der Grundstücksknappheit werden wir in europäischen Städten zudem neuartige Projektentwicklungen beobachten können", glaubt Liebsch. "Es werden gemischt genutzte Immobilien entwickelt werden, die etwa Wohnen, Retail und City-Logistikflächen für die letzte Meile kombinieren."


"Vor wenigen Jahren galten Logistik-Immobilien als langweilig, nun sind sie auf der Expo Real eines der heißesten Themen gewesen", fasst Andreas Liebsch zusammen. Sowohl globale Investoren wie CIC China Investment Corporation, Blackstone, Goodman Group als auch Handelsunternehmen, eigene Fonds und Logistikbetreiber suchen nach guten Produkten, die auch zunehmend mehr spekulativ gebaut werden. Der Boom dürfte noch länger anhaltend, glaubt Liebsch, und verweist auf eine aktuelle Untersuchung von Cushman & Wakefield bei der 53 Prozent von 122 analysierten Logistikmärkte als unterbewertet eingestuft wurden.