Artikel drucken Drucken Artikel kommentieren Kommentare Artikel senden Senden

Hinter Schloss und Riegel

29.06.2012 | 18:48 |  ERICH EBENKOFLER (Die Presse)

Die Einbruchsraten im Privatbereich sind seit dem Rekordjahr 2009 stark zurückgegangen. Ein Grund, sich in Sicherheit zu wiegen, ist das aber nicht. Experten raten zu Maßnahmen wie dem Einbau einer Sicherheitstür.

Es soll schnell gehen und möglichst ohne allzu großen Lärm – dann ist es ganz nach dem Geschmack von Einbrechern. Lediglich 15 Sekunden brauchen die Profis unter ihnen laut Expertenangaben, um sich durch eine ganz normale Tür Zutritt zu einer Wohnung zu verschaffen.

An Brisanz gewinnt diese Erkenntnis regelmäßig während der Urlaubszeit, wenn sich für potenzielle Einbrecher das Risiko reduziert, bei einem Einbruch „in Personenkontakt zu geraten“, wie sich Thomas Keppler vom Beratungszentrum Kriminalprävention in der Wiener Wasagasse ausdrückt. 15.616 Anzeigen im Häuser- und Wohnungsbereich verzeichnet die Statistik des Bundeskriminalamts für das Jahr 2011 – das bedeutet zwar einen Rückgang um 0,8 Prozent im Vergleich zum Jahr davor (15.747), aber mit durchschnittlich rund 40 Einbrüchen pro Tag stagniert die Rate auf hohem Niveau.

 

Widerstand schreckt ab

Türen gehören – abgesehen von Fenstern im Erdgeschossbereich – zu den besonderen Schwachstellen von Wohnungen. Und da der öffentlichen Hand nicht zuletzt aus Imagegründen an entsprechenden Präventionsmaßnahmen gelegen ist, fördert etwa die Stadt Wien den Einbau einer Sicherheitstür derzeit mit bis zu 400 Euro. Bei Doppeltüren, wie sie in Altbauten oft zu finden sind, sind es sogar bis zu 800 Euro. Bei Preisen ab 2000 Euro sind solche finanziellen Zuschüsse für Eigentümer durchaus ein substanzieller Anreiz, in ihre Wohnungssicherheit zu investieren. Wobei der Begriff „Sicherheit“ ein relativer ist, betont Gabi Schön von der Abteilung Technische Entwicklung beim Sicherheitstürenhersteller Riha. „Selbst die stärkste Tür gibt bei entsprechender ,Bearbeitung' irgendwann nach. Daher spricht man bei ÖNORM-zertifizierten (B5338) Türen auch richtigerweise von ,einbruchshemmenden Türen'.“ Solche Türen gibt es in sechs Widerstandsklassen und mit entsprechenden Anforderungen: Ein Zertifikat gibt es nur, wenn die Tür im Einbruchstest mindestens fünf Minuten standhält. Das klingt nach wenig, der Abschreckungseffekt ist aber groß, erklärt Martin Mayrhofer, Sprecher von EVVA Sicherheitstechnologie. „Studien haben gezeigt, dass die meisten Einbrecher aus Angst vor Entdeckung spätestens nach drei bis fünf Minuten aufgeben.“

Experten wie Schön empfehlen Privaten in der Regel Widerstandsklasse 3: „Diese sind ein guter Kompromiss zwischen Sicherheit und finanzieller Aufwendung und halten auch einer Brechstange stand.“ Bis zu zehn Minuten vermag laut Schön die Widerstandsklasse 4 standzuhalten – selbst wenn die Türen mit Brecheisen, Hacke, Stemmeisen oder Meißel bearbeitet werden.

Besonders Sicherheitsbewusste sollten aber mit dem Austausch bis zum Herbst warten. Dann nämlich sollten die ersten „Mercedesse der Türen“ (Schön) auf den Markt kommen. Dabei handelt es sich um einbruchhemmende Türen, die vom Verband der Sicherheitsunternehmen Österreichs (VSÖ) geprüft wurden. „Diese müssen einer Richtlinie entsprechen, die Anfang des Jahres vom VSÖ erarbeitet wurde und auf zwei Täter ausgelegt ist. Die Erfahrungen zeigen nämlich, dass in der Regel mehrere Täter gemeinsam auf eine Tür einwirken, um die Einbruchszeit zu verkürzen“, erklärt Schön. Präventionsexperte Keppler verweist hingegen auf Erfahrungen, nach denen Wohnungsmieter in Gegensatz zu Eigentümern solche finanziellen Aufwendungen oft scheuen. Ihnen rät er dann zumindest zu einem Balkenriegel oder zu einem Sicherheitsschloss. „Am besten gleich beides zusammen.“ Solche Schlösser sollten laut Mayerhofer aus einer Dreierkombination bestehen: „Einem Sicherheitszylinder aus Hartmetall, einem Schutzbeschlag und einem massiven Einsteckschloss.“ Den Einbau könne man, etwas handwerkliches Geschick vorausgesetzt, auch selbst vornehmen. Nicht immer hat ein Schlosstausch aber auch Sinn: „Bei einer schwachen, schlecht verankerten Tür nützt das beste Schloss nichts“, gibt Mayerhofer zu bedenken. Der letzte Schrei in diesem Segment sind übrigens elektronische Zylinder. Diese auf der sogenannten iButton-Technologie basierenden Schlösser lassen sich so programmieren, dass etwa eine Putzfrau mit ihrem elektronischen Schlüssel nur zu einer bestimmten Zeit Zutritt zur Wohnung hat.

 

Prävention durch soziale Kontakte

Kriminalberater Keppler verweist allerdings darauf, dass selbst die am besten gesicherte Wohnung nichts nützt, wenn einige einfache Verhaltensregeln nicht befolgt werden: „Wer etwa am Flughafen sein Gepäck mit gut sichtbarer Adressplakette herumstehen lässt, kann leicht zur Beute von Einbrechern werden. Und bei gekippten Fenstern wird sich sogar die Versicherung oft weigern, den Schaden zu ersetzen.“ Bei den gängigen Fehlern – übervollen Briefkästen oder Zeitungen vor der Wohnungstür – hätten die Bürger hingegen dazugelernt: „Die meisten sorgen inzwischen dafür, dass sich ein Nachbar darum kümmert.“ Solche sozialen Kontakte, betont Keppler, seien durch nichts zu ersetzen: „Ein aufmerksamer Nachbar ist die beste Präventionsmaßnahme überhaupt.“

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.bmi.gv.at/praevention

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2012)