Technik: Licht aus, Alarm an, Rollläden runter
07.09.2012 | 18:48 | von wolfgang pozsogar (Die Presse)
Moderne Bus-Systeme, die alle elektrischen Anlagen im Haus steuern können, bringen nicht nur mehr Komfort. Die Technologie hilft auch, Energie effizient einzusetzen.

Die Elektroinstallation der Zukunft gibt es schon seit mehr als einem Jahrzehnt: Bus-Systeme, die sämtliche elektrisch betriebenen Einrichtungen – von der Wohnzimmerbeleuchtung über die Jalousie und die Alarmanlage bis zur Heizung – über ein gemeinsames System steuern. Anfangs wurde diese Technik primär als Komforteinrichtung für das anspruchsvolle Eigenheim gesehen. Heute ist sie State of the Art für den modernen Haushalt.
Anstatt etwa am Abend von Schalter zu Schalter zu laufen, um das Licht der jeweiligen Stimmung anzupassen, lässt sich bei der Bus-Technologie mit einem einzigen Knopfdruck jede programmierte Beleuchtung abrufen – selbst wenn ein halbes Dutzend Leuchten innen und außen vom Haus an den Lichtspielen beteiligt sind. Ebenso können beispielsweise beim Weggehen mit einem Knopfdruck sämtliche Beleuchtungskörper abgedreht, die Rollläden geschlossen, die Heizung heruntergefahren und die Alarmanlage aktiviert werden.
Datenfluss im Schalter
Möglich wird das, weil jede einzelne Komponente der Elektroinstallation mit einer kleinen intelligenten Einheit versehen und an eine durchgehende Datenleitung angeschlossen ist. Für Schaltvorgänge wird nicht mehr der Stromkreis im Schalter geschlossen, sondern ein Befehl über eine Datenleitung etwa an den Chip in der Lampe der Deckenleuchte oder beim Motor der Jalousie geschickt, und erst dort erfolgt das Schließen der Stromverbindung.
Die Schalter sind also frei programmierbare Befehlstasten, womit sich von überall im Haus alles schalten und steuern lässt. Ebenso können verschiedene Sensoren an die Datenleitung angeschlossen werden, um etwa temperatur- und zeitgesteuert die Heizung zu betreiben oder bei Sonneneinstrahlung und bestimmten Innentemperaturen automatisch den Sonnenschutz zu aktivieren.
Vierstellige Investition
Diese Möglichkeiten moderner Haustechnik begeistern immer mehr Menschen. Der Marktanalytiker Kreutzer Fischer & Partner nennt in einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Analyse für KNX-Bus-Systeme einen Zuwachs im Privatkundenbereich von 16 Prozent. Immerhin in 1200 Häusern, so schätzt Andreas Kreutzer, wurde im Vorjahr eine solche moderne Form der Elektroinstallation realisiert. Noch wenige Jahre davor lag die Zahl der Häuser nicht einmal bei der Hälfte.
In den nächsten Jahren könnten die Wachstumsraten noch deutlich steigen. Denn immer mehr Technik zieht in unsere Häuser ein und will geschaltet und gesteuert werden. Jalousien, Rollläden, Heizung, Belüftung, Beleuchtung, Fotovoltaik- und Alarmanlage über ein gemeinsames System zu steuern bringt den Bewohnern nicht nur mehr Komfort, sondern auch mehr Effizienz, versprechen die Proponenten dieser neuen Technik.
„Ein Bus-System für ein Einfamilienhaus erfordert etwa 5000 bis 6000 Euro zusätzliche Investitionen in die Elektroinstallation. Aber bei einem klug konzipierten System erspart sich der Kunde über die Lebenszeit wesentlich mehr, weil er die Energie viel effizienter einsetzen kann“, stellt der Wiener Elektrikermeister Gottfried Rotter die Kosten-Nutzen-Rechnung an. Noch mehr wird das gegen Ende des Jahrzehnts gelten, wenn Smart Meter den Stromzähler ablösen. Denn dann sollte die Elektroinstallation eines Hauses genug eigene Intelligenz besitzen, um die Billigstromangebote zum Beispiel für den Betrieb des Geschirrspülers oder das Aufladen des Elektroautos zu nutzen.
Ausbildung für die Gewerke
Ein Hindernis bei der schnellen Verbreitung von Bus-Systemen war bislang, dass nur relativ wenige Elektriker ausreichend viel Know-how für diese doch komplexe Technologie besaßen. Die Industrie hat in den letzten Jahren allerdings einiges in die Ausbildung und Wissensvermittlung investiert.
Zudem bieten Elektriker seit Kurzem ebenfalls eine Lösung: Auf der Internetseite www.e-marke.at lassen sich über ein Suchsystem für dieses Spezialgebiet ausgebildete Fachfirmen finden. Sie bieten im ersten Jahr außerdem ein Rundumservice. Funktioniert etwa die ans Bus-System angeschlossene Heizung nicht, muss lediglich der Elektriker gerufen werden. Er sorgt dafür, dass alles wieder läuft und zieht gegebenenfalls von sich aus einen Installateur bei: „Damit wollen wir im Interesse des Kunden verhindern, dass sich die verschiedenen Gewerke die Schuld an technischen Problemen zuspielen“, erklärt Rotter, der auch Geschäftsführer dieser neuen E-Marke ist.
Funk und Automatik
Angeboten werden mittlerweile mehrere Bus-Systeme. Am weitesten verbreitet ist KNX, eine aus der Gebäudeleittechnik kommende Technologie. Weit über 150 große Unternehmen von ABB über Gorenje und Siemens bis zu Zumtobel arbeiten in der KNX-Organisation zusammen, die von Brüssel aus weltweit einheitliche Standards sichern soll: „Über genormte Schnittstellen können deshalb Komponenten verschiedenster Hersteller an das KNX-Bus-System angeschlossen werden“, erläutert Ernst Windhager, Sprecher der KNX-Austria und bei Siemens für den Vertrieb von Installationstechnik verantwortlich.
Eaton, ebenfalls ein großer Anbieter im Bereich Gebäudeautomatisierung, hat für den Privatanwender ein eigenes System auf Funkbasis entwickelt: „Wir haben uns entschlossen, für den Residential-Bereich ein maßgeschneidertes und weniger komplexes System anzubieten, das sich auch nachträglich problemlos installieren lässt“, erzählt Erich Schuller, Produktmanager bei Eaton.
Schwerpunkte dieser Technologie sind Komfort-, Energie- und Sicherheitsmanagement in den eigenen vier Wänden. Auch fremde Komponenten ließen sich, so Schuller, in den Eaton-Homemanager integrieren: „Die Intelligenz liegt in unserem System, über einen Aktor lassen sich daher andere Geräte vom Jalousienmotor bis zum Heizkessel problemlos schalten.“
Programm und Schabernack
Ein Umprogrammieren der Funktionen ist für den Experten bei der Bus-Technologie jederzeit problemlos möglich. Damit sind auch nachträgliche Änderungen und Erweiterungen einfach durchführbar. So bequem das sein mag, birgt das auch ein Risiko: Mit dem Zugangscode ausgestattet könnten technisch besonders gewiefte Jugendliche ihren Eltern etlichen Schabernack spielen. Mit dem Knopfdruck fürs gemütliche Stimmungslicht etwa schalten sich dann sämtliche Beleuchtungskörper aus, die Rollläden gehen runter und die Alarmsirene heult los – alles nur eine Frage des Programmierens.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2012)













