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Bauphysik: Die Lärmschlucker

05.10.2012 | 20:26 |  PATRICK BALDIA (Die Presse)

Lärm von der Straße oder vom Nachbarn kann aufs Gemüt schlagen. Wie man sich schützen oder andere schonen kann.

Laerm

Musikern hört man gern zu – vorausgesetzt, sie üben ihre Kunst auf Bühnen oder in eigens dafür vorgesehenen Räumlichkeiten aus. Der eifrige Tubaspieler im zweiten Stock eines mehrgeschossigen Wohnhauses wird sich nur wenige Freunde machen. Aber nicht nur Musiker strapazieren die Nerven ihrer Nachbarn, auch durchschnittliche Heimkinoanlagen, die heute schon erschwinglich sind, können ihnen das Leben erschweren. Wer Rücksicht auf seine Mitmenschen nehmen oder sich vor deren Lärm schützen möchte, kann sich durch eine Reihe von Maßnahmen Abhilfe verschaffen, abhängig von der Art des Schalls.

Für Herbert Harnis, zuständig für Technische Beratung bei Isover Austria, empfiehlt es sich, einen Bauphysiker heranzuziehen. „Auch wenn das Kosten verursacht“, meint er. Wichtig sei es, vorab zu wissen, woher der Schall überhaupt komme. Aufgabe des Bauphysikers sei es auch, die tatsächliche Lautstärke zu messen. In die gleiche Kerbe schlägt Thomas Jakits, Leiter Anwendungstechnik bei Rigips. Er erklärt, dass bereits eine Lautstärke von 50 Dezibel ausreicht, um die Konzentrationsfähigkeit einzuschränken oder jemanden aufzuwecken. Zur Veranschaulichung: Ein leises Radio oder ein Gespräch bei Zimmerlautstärke verzeichnen in der Regel zwischen 40 und 50 Dezibel. Eine Autohupe verursacht 90 Dezibel, eine Kreissäge bereits 100 Dezibel.

 

Gesetzlich geregelt

Raumakustik wird durch eine eigene ÖNORM streng reglementiert, die auch in der Baugesetzgebung festgeschrieben ist. Tatsache ist, dass Lärm nicht gleich Lärm ist oder – besser gesagt – Schall nicht gleich Schall. So genannter Trittschall entsteht etwa durch Gehen, das Verrücken von Möbelstücken oder eine eingeschaltete Waschmaschine. Spezielle Bodenmatten oder Teppiche können eine wirksame Maßnahme sein. Zu beachten ist, dass Trittschall nicht dort entsteht, wo etwa die Waschmaschine steht, sondern in den Räumen darunter. Gespräche, Musik hören oder Fernsehen sind wiederum die Quelle für Luftschall. Hier verbreiten sich die Schallwellen über die Raumluft oder dringen durch eine Wand ins Nebenzimmer. Wie laut dieser Schall wahrgenommen wird, hängt von der Beschaffenheit des Mauerwerks ab. Bei einer einfachen, harten Wand wird es kaum zu einer Schallabschwächung kommen, wie Jakits erklärt. Effizienter sind spezielle Schallschutzsysteme, bei denen Platten auf Konstruktionen an bestehenden Wänden angebracht werden. Die Hohlräume zwischen Platte und Wand werden mit lockeren Faserdämmstoffen gefüllt, die den Lärm schlucken. „Beispielsweise eignet sich hier Mineralwolle“, erklärt Jakits.

Lärmschutz soll auch eine Rigips-System aus zwei Gipskartonplatten bieten, die mit einem speziellen Akustikkleber zusammengefügt sind. Diese Klebeschicht wirkt dämpfend. Ein wichtiger Schutz vor Lärm – zumindest vor solchem von außen – stellen auch effiziente Fenstersysteme dar.

 

Schall sucht sich viele Wege

Berücksichtigt werden müssten zwei Faktoren: Zum einen müsse der Rahmen langlebig und luftdicht sein. „Schall sucht sich einen Weg durch Ecken und kleine Spalten, weshalb Fenster auch sorgfältig eingebaut werden müssen“, so Thomas Stracke, Produktentwickler bei Gaulhofer. Gleichzeitig sollte auch das Glas einen entsprechenden Schalldämmwert aufweisen. Besonders effektiv wären mehrfach verglaste Fenster, das geht bis zu dreifachen Verglasungen. Schutz sollen auch unterschiedlich starke Scheiben, die in verschiedenen Abständen zueinander angebracht sind, bieten.

 

Problemfall Musikstudio

Knifflig ist, Studios oder Proberäume für Musiker abzudichten. Dass sich solche Räume meist in Kellern befinden, ist kein Zufall. „In der Mitte eines Gebäudes ist eine Abdichtung nahezu unmöglich“, so Harnis. Er empfiehlt, Proberäume mit Trockenbau-Konstruktionen, Anti-Schwingungs- und Schallabsorptionsmatten abzudichten. Allerdings räumt er ein, dass hier die Raumoptik etwas auf der Strecke bleibe – mit ein Grund, weshalb künftige Rockstars doch eher die Kellerräumlichkeiten dem eigenen Wohnzimmer vorziehen sollten.

Wenn es laut wird

Trittschall kann man am besten durch spezielle Bodenmatten oder Teppiche reduzieren. BeiLuftschall kommt es auf die Beschaffenheit des Mauerwerks an, ob Lärm durchdringt. Dämmstoffe schaffen Abhilfe. Fenster mit dichten Rahmen und dämmendem Glas können gegen Geräusche von außen schützen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2012)