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Wandpflanzen: Sattes Grün statt kahler Mauern

23.11.2012 | 18:50 |  MARIUS KLAR (Die Presse)

Nachhaltigkeitstrend lässt Produkte wachsen – begrünte Wände lassen sich auch in Räumen realisieren: zur Abtrennung, Gestaltung, für besseres Raumklima.

Florawall

Die Idee dreier Herren, die vor drei Jahren geboren wurde, war simpel und lautete: vertikale Begrünung für drinnen. Zum ersten Mal konnten in allen Räumen im Nu mit Pflanzen begrünte Innenwände aufgestellt werden, platzsparend und gesundheitsfördernd. Den Erfindern brachte das gleicheine Nominierung für den Nachhaltigkeitspreis „Blue Award“ ein, auchweil sie ein neues System aus wasserspeichernden Vliesen verwenden und komplett ohne schimmelanfällige Erde auskommen.

Das Ergebnis steht nun etwa im Schauraum eines Büromöbelherstellers in Wien und lässt sich sehen, riechen und angreifen – eine Wand aus lebenden Pflanzen mit unterschiedlichen Grüntönen mitten in einer Bürolandschaft. Dabei kann die sogenannte Florawall in Büros, Hotellobbys, Meetingräumen oder auch Wohnzimmern stehen. Auch in Einkaufszentren wird sie eingesetzt. Die junge Idee ist nur ein Beispiel für eine ganze Reihe von Produkten und Dienstleistungen (siehe Kasten unten), die erst durch den Nachhaltigkeitstrend möglich wurden. Marek Kocher – neben Patrik Bobko und Bernhard Karollus einer der drei Gründer von Florawall – wollte das „Thema Nachhaltigkeit auch optisch nach außen darstellen“.

Die Auswirkungen von Pflanzen auf die Innenraumluft-Qualität sind bereits wissenschaftlich erforscht und nicht so klein: Zum einen reduziert der fotosynthetische Prozess die CO2-Konzentration in den Räumen, verbessertund stabilisiert die Raumfeuchtigkeit. Jeder, der in einem Großraumbüro arbeitet, weiß, was das wert ist. Außerdem absorbieren Pflanzen auch Schadstoffe wie Nikotin oder Formaldehyd, bieten Schallschutz oder können Konzentrationsschwächen vorbeugen. Die Liste ist lang und macht klarer, was das ominöse „Sick Building Syndrom“ alles sein kann. Nach Schätzungen der WHO sind 20 Prozent von Krankheitsursachen in Gebäuden zu finden – was für die Immobilienbranche noch eine enorme Herausforderung sein wird. In der Zwischenzeit kann man sich mit anderen Mitteln behelfen. Vertikale Kleingärten können zudem als „lebende Gemälde“ fungieren, eine Wohnung upgraden, Bühnen gestalten, bei Events sinnvolle Abtrennungen schaffen. Die Kosten liegen bei 1000 Euro/m2 für eine eingebaute Wand oder 150 Euro Miete pro Tag.

Die Innovation des neuen Produkts liegt in der Hydrokultur. „Nein, das sind nicht diese braunen Kugerln. Hydrokultur bedeutet Pflanzenzucht, -haltung und -pflege ohne Erde mittels Wasserkultur“, erklärt Patrik Bobko, „Erfinder“ der Florawall. Die Pflanzen werden dabei in speziellen Vliesen gehalten, das ermöglicht auch die Schlankheit der grünen Wand und es braucht keine Erde. Diese könne modrig riechen, was in manchen Büros schon zu allem anderen als zu einer Motivationssteigerung geführt habe. Außerdem: „Erde schimmelt und sondert konstant beträchtliche Mengen Pilzsporen an die Umgebungsluft ab“, sagt Bobko.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.florawall.at

Nachhaltig ausgezeichnet: Dämmstoffe & Lebenszyklusdaten

Immer mehr Produkte für die Bau- und Immobilienbranche werden ressourcenschonend konzipiert. Einige Beispiele von Nominierungen für den Nachhaltigkeitspreis von Confare, den „Blue Award“:

Schafwolle als Dämmmaterial: Wolle wird jetzt nicht nur für Kleidung verwendet, sondern auch als Dämmstoff. Der „Gebäude-Pullover“ aus 100 Prozent oberösterreichischer Schafwolle zwischen den Wänden sorgt für gute Dämmwerte und reguliert die Feuchtigkeit.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.isolena.at

Baukasten für Sanierungen: Der modulare Systembaukasten aus Stahlelementen bietet Architekten und Planern Lösungsmöglichkeiten bei der denkmalgerechten Sanierung, Erhaltung oder flexiblen Umnutzung alter Bausubstanz.

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www.janson.com

Licht – oder nicht: Lumi-Motion von Philips ist ein für Kommunen entwickeltes System zur Straßenbeleuchtung. Bisher brannte diese die ganze Nacht durch. Ein intelligentes System reduziert die Beleuchtung, wenn niemand Straßen oder Gehwege benützt: Licht, nur dort, wann und wo es benötigt wird.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.philips.com

Komplexitätsvereinfacher: Bei einem Gebäude und dessen Management fallen große Datenmengen an. „Epiqr“ ist eine Software, die ein Ergebnis jahrelanger europäischer und auch nationaler Forschungsarbeit gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut darstellt. Am Ende steht eine spezielle Lösung zur Bewirtschaftung von Immobilien, die sich an Gebäudelebenszyklen orientiert.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.calcon.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2012)