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Kinos: Täglich grüßt der Bauarbeiter

11.12.2012 | 18:15 |  KARIN SCHUH (Die Presse)

Das englischsprachige Haydn-Kino auf der Mariahilfer Straße hat seinen Umbau - mit Verzögerung - abgeschlossen und nimmt am Mittwoch den Normalbetrieb auf. Beim Metro und Stadtkino heißt es aber noch warten.

Kinos Taeglich gruesst Bauarbeiter

Wien. In Wien dürfte es fast schon eine Sensation sein, wenn Bauarbeiten auch wirklich zu dem geplanten Zeitpunkt abgeschlossen sind. Warum sollte das bei den Wiener Kinos auch anders sein? Hauptsache fertig, könnte man meinen. Während das Metro und das Stadtkino darauf noch (länger) warten, darf Christian Dörfler am Mitwoch die Bauarbeiten in seinem Kino als abgeschlossen betrachten. Dann nämlich wird das englischsprachige Haydn-Kino auf der Mariahilfer Straße seinen Betrieb ohne Baustellenlärm wieder aufnehmen.

„Das Kino war nie zu, wir hatten auch während des Umbaus normalen Betrieb. Aber es war mühsam. Ich war der Puffer zwischen den Gästen, die unzufrieden waren, weil es laut und staubig war und den Handwerkern, die nicht ungestört arbeiten konnten“, sagt Dörfler. Den Betrieb während der Arbeiten einzustellen hätte er sich nicht leisten können. Immerhin hat das Haydn-Kino, das seit 1918 besteht, nun nicht nur einen (vierten) Saal mehr, sondern auch die bereits bestehenden Säle wurden auf den neuesten technischen Stand gebracht und das Foyer, die Kassenhalle, der Buffet-Bereich sowie Ein- und Ausgang erneuert. „Der SaalA ist mit der 48-Frame-Technik ausgestattet. Seit 1920 werden Filme mit 24 Bildern pro Sekunde gemacht, jetzt macht man 48 Bilder pro Sekunde. Das Bild ist heller und klarer, verliert aber ein bisschen an Kino-Flair“, so Dörfler. Ab heute kann die neue Technik mit dem Film „The Hobbit“ begutachtet werden. Vier Monate später als geplant. 13 statt der geplanten neun Monate dauerten die Arbeiten im Haydn.

 

Metro dauert, Stadtkino ebenso

Immerhin: Im Vergleich zu anderen Wiener Kinos ist das richtig flott. Das Metro-Kino etwa, das zu einem neuen Filmkulturzentrum des Filmarchivs Austria umgebaut wird, wollte man eigentlich schon bei der heurigen Viennale im Oktober und November bespielen. Obwohl das Kino bereits seit 9.Jänner geschlossen ist, konnten die Bauarbeiten erst jetzt aufgenommen werden. Schuld daran war das Finanzministerium, genau genommen die Baumaßnahmen des gegenüberliegenden Ministeriums. Zwei Baustellen gleichzeitig gingen sich in der engen Johannesgasse einfach nicht aus. Jetzt will man den Rückbau des Kinosaals in seine ursprüngliche Form sowie die Errichtung eines multifunktionellen Veranstaltungssaals in der Beletage aber angehen. Als neues Eröffnungsziel hat man beim Filmarchiv die Viennale angepeilt – die Viennale 2013 wohlgemerkt.

Ebenfalls dauern wird auch der geplante Umzug des Stadtkinos vom Schwarzenbergplatz ins Künstlerhaus am Karlsplatz. Im Gespräch ist der Umzug schon länger, immerhin wäre dieser wesentlich günstiger als eine Sanierung des Kinos. Wann es so weit sein wird, wird aber noch nicht verraten. Zuletzt war von einem auf 20 Jahre befristeten Mietvertrag mit der Stadt Wien die Rede.

Stadtkino-Direktor Claus Philipp wollte sich gestern, Dienstag, noch nicht dazu äußern. Nur so viel: „Da wird es bald Näheres dazu geben, die Sache wird konkreter.“ Heute, Mittwoch, wolle er mehr dazu sagen. Bleibt nur zu hoffen, dass der dann verkündete Termin auch eingehalten wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.12.2012)