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Virtuell planen: Per Mausklick das Sofa an die Wand rücken

14.02.2018 | 10:19 |  Von Michael Loibner (Die Presse)

Wie sieht die noch ungebaute Wohnung aus? Wie wirkt die Tapete im Abendlicht? Worauf bei diversen Tools zu achten ist.

Wie wirkt die Lampe beim Sitzen? VR-Brille als Einrichtungstool.
Wie wirkt die Lampe beim Sitzen? VR-Brille als Einrichtungstool. / Bild: (c) APA/AFP/GABRIEL BOUYS (GABRIEL BOUYS) 

Passt das Regal besser an die Wand oder als Raumtrenner? Hat die Couch in der Ecke Platz? Wer seine Wohnung neu einrichtet oder vor einem Umzug steht, kommt oft ins Grübeln. Virtuelle Raum- und Einrichtungsplaner – Programme und Apps, bei denen man den Grundriss von Zimmer oder Haus auf dem Bildschirm nach und nach mit Möbeln bestückt – können Abhilfe schaffen.

Größeres Vorstellungsvermögen

Zu den bekanntesten Gratis-Tools gehören der von Nutzern für seine Benutzerfreundlichkeit gelobte, in der kostenlosen Version jedoch funktionseingeschränkte „Room Sketcher“, der zum Erfahrungsaustausch in eine Community eingebundene „Room Styler“, der detaillierte „Floorplanner“ und zahlreiche weitere wie „Houseplanner“, „Sweet Home 3D“ oder „Roomeon“. Bei fast allen lassen sich auch Boden oder Tapete wählen, manche überraschen mit Gimmicks wie der Darstellung des Raums bei unterschiedlichem Sonnenstand. Mit zweieinhalb Millionen Nutzern eines der meistverwendeten Produkte stammt aus Österreich: „Roomle“ wurde von der Linzer Netural GmbH entworfen, ist mehrfach ausgezeichnet und bildet die Hintergrundtechnologie für die Planer etlicher Einrichtungs- und Möbelhäuser. Letztere bieten im Rahmen ihrer Internetauftritte die Möglichkeit, das virtuelle Heim mit ihren Produkten auszustatten. Kaum ein großes Interior-Design-Unternehmen, das dieses Service nicht hat. Schon vor dem Erwerb zu sehen, wie sich Schrank oder Esszimmertisch in den eigenen vier Wänden machen wird, ist verlockend. Man klickt daher nicht „anonymes“ Mobiliar ins virtuelle Wohnzimmer, sondern konkrete Markenmöbel der Partnerunternehmen. „Roomle“-Marketingexpertin Brita Piovesan: „Gefällt es, kann man Kasten oder Tisch auch gleich kaufen, indem man auf die Seite des Herstellers geleitet wird.“ Möbelhäuser aus Österreich, Deutschland und Schweden sind dabei.

Mit der 3-D-Darstellung des eingerichteten Zimmers ist es aber nicht getan. Ausgestattet mit einer Virtual-Reality-Brille ermöglichen manche Programme, wie bei einem Computerspiel durch das neu möblierte Heim zu navigieren. Noch lebendiger wird das künftige Zuhause mit Augmented Reality: Dabei geht man tatsächlich durch das Zimmer und lässt sich in der Brille die Einrichtung einblenden. Bei jedem Schritt passt sich die Perspektive an. Diese aufwendige Möglichkeit haben aber nur wenige Anwendungen bereits implementiert.

„Solche Visualisierungen kann man auch für noch nicht gebaute Wohnungen verwenden, wobei die Baupläne als Basis dienen“, sagt der Wiener Architekt Thomas Hayde. Für Bauträger und Makler ist das ein gefragtes Marketinginstrument, weiß Oswald Schwarz, Head of Business Development beim Wiener Software-Entwickler Realonaut. Dessen virtuelle 360-Grad-Rundgänge durch zum Verkauf oder zur Vermietung stehende Wohnungen sind etwa in die Raiffeisen-Immo-Plattform integriert.

Thomas Hoppe, Architekt und Vorsitzender des Ausschusses für Wissenstransfer in der Kammer der ZiviltechnikerInnen, mahnt jedoch zur Vorsicht: „Wer gut planen kann und weiß, was er will, wird brauchbare Ergebnisse erzielen, die Beratung durch Fachleute fehlt jedoch.“ Ob die vom Programm vorgeschlagene Sitzlandschaft ins Wohnzimmer passe, sehe man, „aber ob sie weich und gemütlich ist, kann man virtuell wohl kaum erfahren.“

TIPPS

Baumärkte, Küchen- oder Bädereinrichter bieten oft Raumplanungstools mit ihren Produkten online an. Ist man unsicher, welchen Hersteller man möchte, kann man die Planer mehrerer Spezialanbieter ausprobieren.

Manche der kostenlosen Webraumplaner erlauben es nicht, das Aussehen des virtuell eingerichteten Zimmers ohne Registrierung abzuspeichern. Behelfen kann man sich, indem man Screenshots anfertigt und diese als Grafikdatei ablegt. Bei firmeneigenen Tools ist das Speichern meist kein Problem.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.01.2018)