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Im Zweifel für die Schwellenländer

03.08.2012 | 18:51 |  WALTER SENK (Die Presse)

Die aufstrebenden Metropolen Asiens laufen den westlichen Industriestandorten zunehmend den Rang ab. Am höchsten in der Gunst der Investoren steht Hongkong.

Die weltweit größten Unternehmen entscheiden sich vermehrt für eine Niederlassung in den boomenden Metropolen Asiens und unterstreichen damit das zunehmende ökonomische Gewicht der Region im weltweiten Wirtschaftsgefüge. Dies geht aus einer Untersuchung von CBRE hervor. Die Studie „Business Footprints“ analysiert die Präsenz der 280 größten Unternehmen in 232Städten weltweit. „Standortentscheidungen werden in den meisten Fällen von klassischen strategischen Abwägungen bestimmt“, erklärt dazu Andreas Ridder, Geschäftsführer CB Richard Ellis Österreich: „Hierzu gehören neben Kostensenkungsperspektiven der Zugang zu qualifizierten Fachkräften, neuen Märkten sowie die Wachstumsaussichten.“

Da ein Großteil des zukünftigen Wachstums in den Schwellenländern, insbesondere in Asien, stattfinden wird, spiegelt sich dies auch im Standort-Ranking der Städte. Hongkong ist laut der Studie jene Stadt, in der die meisten der untersuchten Unternehmen, nämlich 191, über eine Niederlassung verfügen. Auf Hongkong folgen Singapur mit 189 bzw. 67,5 Prozent und Tokio mit einem Anteil von 179 Unternehmen, was 63,9 Prozent entspricht. An vierter Stelle liegt London, dann folgt wieder eine asiatische Stadt, nämlich Shanghai. Auch Moskau und Peking sind bereits in die Top Ten aufgerückt.

 

Brückenkopf Hongkong

Die Kombination aus rapidem Wirtschaftswachstum in der Volksrepublik China, schnellem Zugang zu den anderen Volkswirtschaften Asiens und die Tatsache, dass sich Asien am schnellsten von der Wirtschaftskrise erholte, hat es Hongkong ermöglicht, sich als Brückenkopf zwischen den asiatischen und westlichen Volkswirtschaften zu positionieren.

„Hongkong nimmt beim Zugang zum chinesischen Markt eine Schlüsselposition ein. Zudem profitiert die Stadt von der zunehmenden Liberalisierung der chinesischen Finanzmärkte. Hongkong hat aufgrund der Lage, fehlenden Beschränkungen bei ausländischer Eigentümerschaft von Unternehmen und einer mehrsprachigen Arbeitnehmerschaft eine einzigartige Position, von der aus Unternehmen global operieren können“, so Ridder.

Zugleich hat die Stadt die drittniedrigste Steuerbelastung weltweit: Die Steuern für Unternehmen betragen maximal 16,5 Prozent, die für Personen maximal 15 Prozent, auf Umsatz- oder Mehrwertsteuer wird gänzlich verzichtet. London ist laut Studie die einzige Stadt der westlichen Welt, die unter den Top fünf rangiert, New York folgt überhaupt erst auf dem elften Platz. Auch wenn nur an fünfter bzw. elfter Stelle, im Bereich Banken und Finanzindustrie sind London und New York weiterhin die absoluten Leader: 92 Prozent der berücksichtigten Bank- und Finanzunternehmen verfügen hier über eine Präsenz.

New York City hat mit rund 37 Millionen Quadratmetern den größten Gewerbeimmobilienmarkt der Welt. Londons Markt liegt mit 25 Millionen Quadratmetern weit abgeschlagen. Die Größe des Marktes allein macht einen Finanzplatz nicht aus, denn die Unternehmen benötigen auch die entsprechenden Mitarbeiter. In diesem Punkt hat London die Nase vorne, betont Bürgermeister Boris Johnson: „325.000 Personen sind im Finanzsektor beschäftigt, während es in New York City, trotz Wall Street, nur 319.000 sind.“

 

New York günstiger als London

New Yorks Vizebürgermeister Robert K. Steel kontert mit dem Verweis auf die günstigeren Mietpreise in seiner Stadt. „Die Mieten bei uns sind mit durchschnittlich 706 Dollar pro Quadratmeter und Jahr weitaus erschwinglicher, als in London, wo der Durchschnittspreis bei rund 920 Dollar liegt.“ Wenn es aber um die Anzahl der internationalen Unternehmen geht, die seit dem Jahr 2003 diesseits und jenseits des Atlantiks ihre Hauptquartiere errichtet haben, so hat London die weitaus bessere Bilanz. Während es in New York lediglich 33 internationale Unternehmen waren, zog es 189 Firmen an die Themse. Was aber auch daran liegen könnte, dass London als einziger wirklich attraktiver Standort in England für internationale Firmen gilt.

Auf einen Blick

Im Wettbewerb der Firmenstandort-Metropolen ist Asien mittlerweile führend. Laut einer aktuellen CBRE-Studie belegen Hongkong, Singapur und Tokio im Ranking die ersten drei Plätze. Von den europäischen Städten kann nur London auf Platz vier mithalten, abgeschlagen auf dem elften Platz rangiert New York. Das dynamische Wirtschaftswachstum und geringere Steuerbelastungen in Asien haben die Entwicklung befeuert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2012)