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CEE: Risiko- oder Zukunftsmarkt?

12.10.2012 | 18:38 |  TANJA RUDOLF (Die Presse)

Experten waren sich auf der Expo Real in München uneinig über Chancen in Osteuropa. Eine Zusammenfassung der Immobilienmesse.

Risiko oder Zukunftsmarkt

Netzwerken und die direkte Kommunikation mit den Ausstellervertretern standen beim Fachpublikum der diesjährigen Gewerbeimmobilienmesse Expo Real, die vom 8. bis 10.Oktober in München stattfand, im Mittelpunkt. Insgesamt waren bei der 15.Ausgabe der dreitägigen Veranstaltung die westeuropäischen Länder aufgrund der anhaltend schwachen Situation in Osteuropa im Fokus der zahlreichen Diskussionen.

Einige wichtige Player haben sich aus der CEE-Region zurückgezogen – das betraf nicht nur Entwickler, sondern auch die auf der Messe vertretenen Banken. Anders als im Vorjahr sind diese wieder aktiv auf der Suche nach neuen Partnern und Investitionsmöglichkeiten. Themen wie die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Immobilienbranche standen bei einigen Branchenvertretern auf dem Diskussions-Tablet.

 

Vorsicht als Gebot der Stunde

Eine aktuelle Studie des Immobiliendienstleisters CBRE – die auf der Expo Real präsentiert wurde – sagt, dass die Eurokrise große Vorsicht bei Immobilieninvestitionen bewirke, was zu einem „starken Fokus auf Investitionen in größere Kernmärkte“ führe, die als „sichere Häfen“ – wie etwa Deutschland – angesehen werden. Die Investitionstätigkeit auf den mittel- und osteuropäischen Märkten ist nach Angaben von CBRE „stark geschrumpft“ und im Vergleich zu den vergangenen sechs Monaten um mehr als die Hälfte zurückgegangen, wobei sich die Investitionen nun auf Polen und die Tschechische Republik konzentrieren.

„Trotz aller Bedenken zählt Osteuropa zu den Zukunftsmärkten“, sagt Alfons Metzger von der gleichnamigen Realitätengruppe. In den Stadtzentren von Warschau oder Budapest bestehe hoher Bedarf, Gebäude zu sanieren. „Nur leider werden momentan weltweit Immobilien nicht richtig bewertet“, erklärt Metzger, der darüber hinaus Kritik an der Globalisierung übt. Dass lediglich die Finanzmärkte von ihr profitieren wirke sich naturgemäß auch auf die Immobilienwirtschaft aus. Der Experte befürchtet, dass in utopische Höhen steigende Immobilienpreise vermehrt auftreten werden.

„Andere Spielregeln als noch vor einigen Jahren“ bestehen für Markus Neurauter, Geschäftsführer Raiffeisen Evolution. Er merkt an, dass „kein Speed“ auf den internationalen Immobilienmärkten vorhanden ist. Für Neurauter gelte jedenfalls, „nicht mehr in CEE zu investieren“. Zum Verkauf steht aktuell das von Raiffeisen Evolution entwickelte Einkaufszentrum Floreasca City Center in Bukarest – Vorgespräche mit einem amerikanischen Investor sind zurzeit im Gang.

 

Ungarn: Top oder Flop?

Von ungarischen Projekten rät Neurauter ab, da sich viele Investoren wegen der schwierigen politischen Situation zurückhalten. Über durchaus „gute Erfahrungen“ mit Ungarn weiß jedoch Gerhard Haumer, seit Juni neues Mitglied der Porreal-Geschäftsführung, zu berichten. In Budapest gibt es für den Immobilienmanager einen hohen Bestand zu betreuen. Polen und Russland zählen vergleichsweise zu den Positivbeispielen aus dem osteuropäischen Raum: Immerhin wurden laut CBRE 83Prozent der Investments in den beiden Ländern vorgenommen.

Eine andere Sichtweise auf die osteuropäischen Märkte haben einige Vertreter der heimischen und internationalen Logistik-Industrie, die sich in München erstmals gebündelt präsentiert. „Traditionell steht für uns der deutschsprachige Wirtschaftsraum im Vordergrund“, äußert sich Josef Heißenberger, Vorstand Lkw Walter Internationale Transportorganisation AG zu seiner Messeteilnahme. Als „eher uninteressant“ für das Logistik-Unternehmen bezeichnet er die CEE-Region. Die hauptsächlich aus Frankreich, Italien und Deutschland stammende Klientel nutzt vor allem „Wien als Drehscheibe für Waren“. Heißenberger bestätigt, dass es generell schwieriger geworden ist, Immobilienprojekte zu finanzieren.

Expo Real

Von den rund 38.000 Teilnehmern auf der Expo Real entfallen 18.900 auf Fachbesucher und 19.100 auf Ausstellervertreter. Die Top Ten unter den insgesamt 71 Besucherländern sind: Deutschland, Großbritannien, Österreich, Niederlande, Polen, Frankreich, Schweiz, Tschechische Republik, Russische Föderation und die USA.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2012)