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New York City: Mit Ausblick und Einparkhilfe

08.02.2013 | 18:24 |  SABINE MEZLER-ANDELBERG (Die Presse)

Wer sich hier wirklich Exklusives in den angesagten Gegenden leisten möchte, muss nicht nur finanziell äußerst unabhängig sein, sondern auch die Mitbewohner überzeugen.

Location, Location, Location“ heißen die berühmten drei Zauberworte des Immobiliengeschäfts in New York City, und so wundert es nicht, dass der von der Stadt ausgewiesene teuerste Immobilienverkauf der ersten Februarwoche auch die klingende Adresse Park Avenue 823 aufweist. 12,9 Millionen US-Dollar ließ sich der Käufer die Etage im achten Stock des eleganten Vorkriegsgebäudes kosten, dafür waren auf knapp 400 Quadratmetern fünf Zimmer und viereinhalb Bäder inklusive – eine Terrasse gibt es um den Preis in der Lage allerdings noch nicht.

 

Alte Prestigelagen, neue Hotspots

„Die Upper East und Upper West Side, TriBeCa, The Village und Chelsea sind natürlich immer noch die gefragtesten Lagen in Manhattan“, weiß Anthony Hitt, COO des Engel-&-Völkers-Büros in New York City. Allerdings seien auch mehr und mehr Gegenden wie Williamsburg, Brooklyn und auch Long Island City oder sogar Queens auf dem Weg, sich als Standorte für Luxusimmobilien zu etablieren.

„Immer mehr Kunden schätzen es, einen spektakulären Blick auf die Stadt zu haben, aber gern ohne den dazugehörenden Lärm“, erläutert Hitt. Und so seien diese Gegenden, die vor einiger Zeit noch vor allem Käufer anzogen, die sich die Lage am Central Park nicht leisten konnten, mittlerweile höchst attraktive Standorte auch für diejenigen geworden, die nicht auf ein paar Millionen mehr oder weniger schauen müssen.

Nach der Lage heißen die Kriterien für diese Käufer zunächst Platz, dann Höhe und damit verbunden die Aussicht. Und absolutes Kriterium für Top-Objekte – oder, wie Hitt es nennt, „Über-Luxury“ – ist natürlich ein Außenbereich: Wer in New York City auf der eigenen Dachterrasse sitzt, hat es wirklich geschafft und kann mit einem Lächeln am Doorman vorbeischreiten, der in dieser Liga genauso zu Grundausstattung gehört wie der Parking-Attendant, der Parkplatzbedienstete.

 

Problem: Reich und zu berühmt

Zu haben ist solcher Luxus von 5000 bis 6000 US-Dollar aufwärts, pro Quadratfuß, versteht sich, nicht -meter; um auf diesen zu kommen, braucht es grob den Faktor zehn (exakt entspricht ein Quadratfuß 0,092 m2), mit 50.000 Dollar wäre man also im absoluten Spitzenfeld dabei.

Wenn es ohne Außenbereich denkbar ist, lässt sich auch für 3000 Dollar schon etwas Repräsentatives wie die erwähnte Etage an der Park Avenue erwerben, unter 1000Dollar ist im Luxussegment aber nichts zu bekommen. Und selbst wenn das Geld vorhanden ist, heißt das noch lange nicht, dass das Objekt der Begierde auch zu bekommen ist: Die New Yorker Eigentümergemeinschaften sind für ihre Boards berüchtigt, die die Bewerber um Wohnungen in ihren „Cooperatives“ prüfen und ohne Angabe von Gründen oder Ansehen der Person abweisen können. Und dabei hilft ein großer Name oft weniger, als er schadet: „Manchmal wollen die Bewohner solcher Häuser vor allem ihre Privatsphäre schützen“, weiß Hitt, „und dann ist eine Berühmtheit, die nur unnötige Aufmerksamkeit anzieht, absolut unerwünscht.“

Nicht nur unerwünscht, sondern in vielen Fällen aus den unterschiedlichsten rechtlichen Gründen verboten sind die Vermietungen solcher noblen Objekte. Was vor allem Firmen, die Mitarbeiter für einen begrenzten Zeitraum an den Hudson River holen wollen, vor Probleme stellt. Denn ein entsprechendes Hotelzimmer für sechs Monate ist selbst für einen sehr geschätzten Manager bei den örtlichen Preisen kaum leistbar.

 

Neuer Trend: „Condotels“

Der Immobilienmarkt reagiert auf diese speziellen Nachfrage seit einiger Zeit mit sogenannten „Condotels“: ältere Hotelgebäude, die aufgekauft, nach dem Modell der Boarding Houses zu luxuriösen, möblierten Apartments umgebaut und dann an Firmen verkauft werden.

Erst im Jänner hat zu diesem Zweck das Beekman Tower Hotel für 82 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt, wie die „New York Times“ berichtet. „Von solchen Objekten werden wir hier in Zukunft noch viele sehen“, ist auch Hitt überzeugt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2013)