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Aktien auf Erholungskurs

17.08.2012 | 18:30 |  BEATE LAMMER (Die Presse)

Weltweit profitieren die Immobilienaktien von der guten Konsumnachfrage und der Flucht der Anleger in "sichere" Werte. Die Österreicher hinken jedoch ein wenig hinterher.

Aktien Erholungskurs

Als am 6. August die Ergebniszahlen der Immofinanz für das abgelaufene Geschäftsjahr – es endete im April – präsentiert wurden, ließ das die Anleger eher kalt. An diesem Tag bewegte sich der Kurs kaum. Seit einem Jahr haben Aktionäre des heimischen Marktführers aber Kursgewinne von 15 Prozent eingefahren. Damit hielt sich das Papier deutlich besser als der gesamte Wiener Leitindex ATX, der seit einem Jahr leicht nachgibt, und auch besser als die meisten anderen heimischen Immobilienaktien. Nur die S-Immo legt seit einem Jahr eine ähnlich gute Performance hin.

Die Immofinanz hat, wie berichtet, im Geschäftsjahr 2011/12 ihr Betriebsergebnis (EBIT) um 63 Prozent auf 691 Millionen Euro gesteigert. Zum einen lief das Vermietungsgeschäft gut, zum anderen wurden Häuser aufgewertet. Firmenchef Eduard Zehetner kündigte die Ausschüttung einer Dividende in der bereits versprochenen Höhe von 15 Cent je Aktie an, womit das Unternehmen zusammen mit der Post zu den dividendenstärksten Titeln im ATX zählt.Langfristige Investoren dürften weniger Freude mit der Aktie haben: Vor Ausbruch der Finanzkrise kostete das Papier zwölf Euro. Dann stürzte es– durch die Krise und den Skandal um intransparente Finanztransaktionen des damaligen Managements– ab. Inzwischen ist die Immofinanz über den Berg, von ihrer einstigen Größe ist sie aber weit entfernt. Zuletzt kostete die Aktie 2,7 Euro. Das ist etwa halb so viel wie der Immobilienwert pro Aktie.

 

Krise noch nicht überwunden

Damit teilt die Immofinanz das Schicksal der anderen heimischen Immobilienwerte: Sie alle notieren weit unter ihren einstigen Höchstständen und ihrem Nettovermögenswert. Der Immobilien-ATX (IATX), der die Wertentwicklung von Immofinanz, CA Immo, Conwert, S-Immo und des Hotelentwicklers Warimpex widerspiegelt, hatte im Jahr 2007 ein Allzeithoch von 393 Punkten erreicht. Infolge der Finanzkrise stürzte er auf 41 Zähler ab, inzwischen sind es wieder 150 Punkte. Doch seit einem Jahr bewegt er sich kaum. Die Skandale um die damalige Immofinanz und Meinl European Land (heute: Atrium) würden noch immer nachwirken, meint Alfred Reisenberger von der Wiener Privatbank. Internationale Investoren betrachten den kleinen österreichischen Markt mit Skepsis. Im Gegensatz dazu performen viele ausländische Unternehmen sehr positiv: Der MSCI World Real Estate Index, der die Kursentwicklung der größten börsenotierten Immobilienunternehmen der Welt abbildet, kletterte in einem Jahr um 17 Prozent. Für Anleger aus der Eurozone bedeutet das Gewinne von 35 Prozent, da ihre Währung stark nachgegeben hat. Zu den größten Unternehmen in diesem Index zählt etwa die auf Einkaufszentren spezialisierte US-amerikanische Simon Property Group, mit deren Papier Anleger aus der Eurozone in einem Jahr 58 Prozent verdienen konnten. Die American Tower, die Funktürme betreibt, legte um 61 Prozent auf Eurobasis zu. Dagegen macht sich die Performance der auf Shopping Center spezialisierten Unibail-Rodamco, Eigentümerin der Wiener Shopping City Süd, schwach aus. Die Aktie stieg „nur“ um 15 Prozent.

 

Deutsche profitieren von Flucht in reale Werte

Dagegen konnten Anleger mit vielen kleineren deutschen Firmen, etwa der Deutsche Wohnen oder der GSW, zuletzt hohe Gewinne einfahren. Das hänge jedoch vor allem mit deren Wohnschwerpunkt zusammen, erklärt Erste-Analyst Günther Artner. Aus Angst vor Geldentwertung stürzen sich Anleger auf Wohnimmobilien, kaufen Wohnungen, Zinshäuser– oder Aktien von Wohnimmobilienfirmen.

Die österreichischen Gesellschaften sind dagegen außerdem stark im Bürobereich tätig. Das treffe derzeit auch auf die Conwert zu, die zwar ein Wohnbauentwickler sei, aber seit der Übernahme der Eco Business auf vielen Gewerbeimmobilien sitze. Da die Büronachfrage stark mit der Konjunktur schwankt und Anleger eine Konjunkturabschwächung fürchten, scheinen ihnen die österreichischen Papiere derzeit oft nicht so attraktiv.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2012)