Keine Immobilienblase, nur hohe Preise
02.10.2012 | 18:17 | (Die Presse)
Wer Rendite will, sollte sich keine Wohnung als Anlageobjekt zulegen. Wer sich eine ein Immobilie zulegt, um sie zu vermieten, bekommt kaum noch drei Prozent. Doch die Alternativen sind rar.

Wien/B.l. In kaum einer europäischen Großstadt sind die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren so stark angestiegen wie in Wien. Die Mieten konnten damit nicht Schritt halten. Die Folge: Wer sich eine Wohnung zulegt, um sie zu vermieten, bekommt kaum noch drei Prozent Rendite (Nettomieterträge des ersten Jahres am Kaufpreis). In guten Lagen ist es oft noch weniger. Berücksichtigt man Steuern und Spesen, rechnet sich dieses Geschäft nicht mehr. Viele sprechen bereits von einer „Blase“.
Eine Ansicht, die UniCredit-Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer nicht teilt. Tatsächlich seien die Wohnungspreise in zentralen Lagen teilweise extrem stark angestiegen. Doch gebe es Unterschiede zu den Blasen, die sich etwa in Spanien oder auf dem US-Häusermarkt vor der Krise gebildet hatten. „Dass die Leute Immobilien kaufen, ist nicht schuldengetrieben“, stellt der Experte fest. Bei den Erwerbern handle es sich oft um Anleger, die mit sehr hohem Eigenkapitalanteil kaufen. Kaum jemand verschulde sich, um eine Wohnung zu erwerben, sie nach ein paar Jahren gewinnbringend zu verkaufen und mit der Differenz die Schulden zurückzuzahlen.
Kaum Alternativen
„Die Immobiliensituation in Österreich ist jedenfalls nicht ökonomisch gefährlich“, sagt Bruckbauer. Die einzelnen Anleger tragen allerdings das Risiko, dass sich ihr Investment nicht rechnet. Doch die meisten Immobilienkäufer sind ohnehin nicht auf hohe Rendite aus und wollen primär ihr Geld in Sicherheit bringen. Zumal die Alternativen nicht berauschend sind: Die Sparbuchzinsen können mit der Inflation nicht Schritt halten.
Aus dem gleichen Grund sieht Bruckbauer bei Anleihen von Unternehmen, die sich derzeit billig verschulden können, keine Blase. Es gehe nämlich nicht nur um die Frage, ob das Risiko richtig eingepreist sei, sondern auch darum, welche Alternativen es gebe.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2012)















