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Schladming-Dachstein: Investoren im WM-Fieber

04.01.2013 | 15:48 |  von Elke Jauk-Offner (Die Presse)

Die alpine Ski-WM 2013 hat einen Investitionsschub in der Region ausgelöst. Vor allem die Hotellerie wartet mit einigen größeren Projekten auf.

Für die Ski-WM braucht Schladming Platz. Zuletzt wurde ein altes Postamtsgebäude samt Wohnungen dem Erdboden gleichgemacht. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Rathaus entsteht nämlich der Zeremonienplatz – die sogenannte „Medal Plaza“. Abgerissen wurde Ende Oktober auch der erst im Vorjahr errichtete Loop, die Betonspange rund um das Schladminger Planai-Stadion – weil sie Tribünenplätzen im Weg stand. Ansonsten sind im steirische Mekka des Wintersports wenige Wochen vor der Ankunft des ganz großen Skizirkus aber noch letzte Aufbauarbeiten im Gange. In Sachen Infrastruktur ist aufgerüstet worden, der Bahnhof runderneuert, es gibt die neue Talstation „Planet Planai“, ein erweitertes Zielstadion und neue Bergbahnen. Zudem sollen den WM-Gästen rund 1200 neue Gästebetten zur Verfügung stehen.

Hohe Erwartungen

„Es herrscht rege Bautätigkeit und auch eine gewisse Nervosität“, berichtet Gerhard Zechmann von Remax Immobilien. Insgesamt werden in der Region Schladming-Dachstein rund 400 Millionen Euro an Investitionen getätigt, die eine Hälfte von privaten Investoren, die andere vom Bund. Wobei man sich einiges davon erwartet: Laut einer vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Studie soll der weltweite Imagegewinn durch die Ski-WM 44.000 zusätzliche Nächtigungen, sechs Millionen Euro Umsatzplus sowie eine gesteigerte Wertschöpfung von 4,3 Millionen Euro pro Jahr bringen.

Hermann Gruber, Tourismuschef der Region Schladming-Dachstein, sieht denn auch entsprechend optimistisch in die Zukunft: „Über die letzten zehn Jahre haben wir ein jährliches Nächtigungsplus von durchschnittlich 2,7 Prozent verzeichnet. Der WM-bedingte Zuwachs wird in den kommenden Jahren zusätzlich 1,8 Prozent betragen.“ Im Jahr 2011 verzeichnete die Urlaubsregion in Summe rund 2,2 Millionen Nächtigungen.

Doch wie wirkt sich diese Euphorie auf den lokalen Immobilienmarkt aus? „Explodiert sind die Preise auf keinen Fall“, winkt Zechmann ab, „sie entwickeln sich moderat, es ist nur eine geringfügige Preissteigerung spürbar.“ Zwischen 2500 und 4500 Euro pro Quadratmeter sind aktuell für Wohnungen in Schladming durchschnittlich zu bezahlen, für ein Penthouse muss man tiefer in die Tasche greifen. Häuser gebe es hingegen fast keine mehr auf dem Markt, berichtet Zechmann, und falls doch, würden nicht selten „Liebhaberpreise“ gezahlt.

Neue Hotels

Und wo befinden sich die begehrten Plätze? „Eine gute Lage ist jene, in der man die Planai zu Fuß schnell erreichen kann“, bringt es der Immobilienexperte auf den Punkt. Zu den Hauptprofiteuren der Ski-WM zählt freilich die Hotellerie. Die Falkensteiner-Gruppe hat erst vor Kurzem ein Hotel der Kategorie Vierstern-Superior mit den Kernattributen „Sport, Spa, Style“ eröffnet – gleich neben dem neuen Schladming Congress, auf jenem Areal, auf dem früher die Dachstein-Tauern-Halle stand. Eine Investorengruppe rund um die Planai-Bahnen gründete dafür die Planai Hotelerrichtungs- und -betriebsgesellschaft. Mit an Bord als Investoren sind die Baufirma Granit aus Graz, die Besitzer der Hohenhaustenne in Schladming – Hermann und Sepp Egger sowie Christian Steiner – sowie die Falkensteiner Michaeler Tourism Group. Das 22-Millionen-Euro-Projekt, das in seiner architektonischen Form einem Ypsilon gleicht, hat vier Stockwerke und verfügt über 130 Zimmer mit insgesamt 300 Betten. Mit gerade einmal neun Monaten Bauzeit vom Abriss der Halle bis zum Opening vor Weihnachte wurde das Projekt in Rekordzeit verwirklicht.

Das Haus trägt außen die Handschrift des Architekten Sepp Hohensinn, Innenarchitekt Arkan Zeytinoglu setzt auf alpinen Lifestyle: „Die Einrichtung der Hotelzimmer spiegelt die landschaftlichen Akzente wider. Es dominiert die natürliche Kraft von Materialien wie Fichtenholz, Loden, Leder, Leinen, Wolle und Fell.“ Direkt gegenüber der Planai-Talstation entsteht auf dem Hechlplatz das Hotel Planai – dort setzt man auf skandinavischen Charme. Das Drei-Sterne-Haus verfügt über 90 Zimmer und 380 Gästebetten und wird auch mehrere Geschäfte beheimaten. Investoren und Bauträger sind die Familien Rölle und Nielsen mit der Gesellschaft NR Hotels, Betreiber ist Skandinaviens größter Skireiseveranstalter SkiTravelGroup. Als Hoteldirektorin ist die gebürtige Schwedin Carina Hartweger bestellt worden, die seit vielen Jahren im Tourismus der Region tätig ist.

Hüttendorf & Blockhäuser

Mitten im Skigebiet von Schladming, oberhalb der Gondelbahn Golden Jet, wurde Mitte Dezember ein exklusives Hüttendorf mit 250 Betten und Schwimmteich fertiggestellt. Die zehn XXL-Hütten mit jeweils einer Größe von 250 Quadratmetern und sechs Schlafzimmern befinden sich direkt an der Piste. Darüber hinaus wurde das Arx Genusshotel auf dem Rohrmooser Plateau von einer Pension in ein Vier-Sterne-Haus umgewandelt und das Feriendorf Seebacher am Talbach um Appartements und Blockhäuser erweitert.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.huettendorf-schladming.com
www.falkensteiner.com/de/hotel/schladming
www.hotel-planai.at
www.arx-genusshotel.at