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Pop-up-Stores: „Das Wichtigste ist die richtige Location“

02.06.2017 | 15:14 |  Von Michael Loibner (Die Presse)

Ein temporäres Geschäftslokal kann als pfiffiges Marketinginstrument genutzt werden. Was man dabei beachten sollte.

Ein auffälliges Design zieht Kundenblicke an. Im Bild: Ein Store für pflanzliche Milchprodukte in der Mariahilfer Straße.
Ein auffälliges Design zieht Kundenblicke an. Im Bild: Ein Store für pflanzliche Milchprodukte in der Mariahilfer Straße. / Bild: (c) B. Schramm yoya 

Für einige sind sie das Geschäftskonzept der Zukunft schlechthin, andere hingegen warnen vor überzogenen Hoffnungen auf den großen finanziellen Gewinn. Die Rede ist von Pop-up-Stores. Das sind nur einige Wochen, manchmal sogar nur einige Tage lang existierende Läden, die bieder und unscheinbar daherkommen können oder auch als grell inszenierte Events. Genauso plötzlich, wie sie auftauchen („pop up“), verschwinden sie auch wieder. Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt: Namhafte Marken nutzen sie zum Lagerabverkauf, große Unternehmen zum Bewerben neuer Produktlinien, findige Geister zum Austesten neuer Geschäftsideen oder Gastro-Experten zum Setzen temporärer, kulinarischer Highlights. Die Liste ist erweiterbar.

Jedem seinen Store

„Das Wichtigste für den Erfolg eines solchen Stores ist die richtige Location“, sagt einer, der es wissen muss: David Bock ist Gründer der Wiener Agentur Pop It Up, die potenziellen Store-Gründern sämtliche Planungsarbeiten abnimmt. „Für Geschäftsräume in Starkfrequenzlagen in der City muss man freilich bis zu 300 Euro pro Quadratmeter und Monat an Miete hinlegen. Hat man sein Lokal abseits davon, ist die Miete günstiger, doch bedarf es einer entsprechenden Bewerbung.“ Pop-up-Stores erreichen ihr Publikum gern auf sozialen Plattformen im Internet, nutzen aber auch den Umstand, dass Zeitungen darüber berichten – zumindest solange dieses Konzept noch als trendig und ungewöhnlich gilt.
Und wie findet man das perfekte Geschäftslokal? Wer keine Agentur beauftragen will, kann sich zum Beispiel auf Online-Marktplätzen umsehen. Die Wiener Plattform Nextsalesroom.com hat sich auf Geschäftsflächen für Pop-up-Stores spezialisiert und bietet derzeit mehr als 100 geeignete Räumlichkeiten in ganz Österreich an. Oder man macht es wie die Agenturen: „Wir klappern die Stadt nach leer stehenden Flächen – von Verkaufsräumen bis hin zu Lagerhallen – ab, suchen uns die Adressen der betreffenden Hausverwaltungen heraus und treten mit diesen in Kontakt“, schildert Bock.
Auch bei Immobilienmaklern kann man fündig werden, muss jedoch Provisionen einkalkulieren. Eine weitere Möglichkeit ist die Kontaktaufnahme mit Einkaufszentren. „Wir halten dafür bewusst Platz frei, das ist Teil unseres Vermietungskonzepts“, erklärt Verena Wegscheider, Public-Relations-Expertin der Spar European Shopping Centers GmbH (SES) in Salzburg, die in ihren 18 österreichischen Häusern im Vorjahr mehr als 1000 temporäre Läden zu Gast hatte. Für SES-Geschäftsführer Marcus Wild handelt es sich um eine Win-win-Situation: „Start-ups nutzen die hohe Kundenfrequenz in Einkaufszentren, um ihre Waren anzubieten, im Gegenzug freuen wir uns über innovative Produkte, die neues Publikum ansprechen.“
Wer saisonale Erzeugnisse vertreiben will, kann sich beispielsweise im Winter in einen Eissalon einmieten oder vorübergehend in einem bestehenden Shop mit ein paar Regalen und einem Verkaufstisch an der Kundenfrequenz mitnaschen. „Idealerweise ergänzen sich die Angebote, sprechen also ähnliche Käuferschichten an“, weiß Katherine Dolan vom Verein Arche Noah, der im April und Mai für einige Wochen in einem Pop-up-Store an der Rechten Wienzeile Biopflanzen vertrieben hat.
„Eine weitere große Herausforderung ist, alles so vorzubereiten, dass in der kurzen Lebenszeit des Shops alles perfekt funktioniert“, meint Nico Freimond von Naked Kitchen. Das Kollektiv macht mit Dinner-Projekten an außergewöhnlichen Orten von sich reden, etwa in einem Tresorraum oder in einer Zugremise. „Insbesondere für Gastro-Vorhaben benötigt man natürlich auch Genehmigungen, man muss also die Vorschriften kennen und alle behördlichen Auflagen erfüllen.“

Eine Frage der Kosten

Agenturen kümmern sich auch um diese Fragen, „werden aber eher von Großunternehmen gebucht, die sich mit solchen Dingen nicht befassen wollen“, sagt Bock. „Wer seine selbst gestrickten Hauben in einem Pop-up-Store verkaufen will, ist besser beraten, wenn er auch den Store selbst abwickelt.“ Denn die Agenturen wollen natürlich verdienen, und letztlich ist es eine Frage der Kosten, ob sich so ein Store tatsächlich lohnt. Bock rät zu sorgfältigem Abwägen, Freimond sogar ab: „Für uns etwa sind die Pop-up-Events eine reizvolle Challenge, das Geld verdienen wir aber mit anderen Leistungen wie etwa unserem Catering-Service.“
Inaina Shevchenko, Brand Managerin bei Mona Naturprodukte GmbH, macht die Frage, ob sich etwas verdienen lässt, von der jeweiligen Branche abhängig. Mona betreibt noch bis 10. Juni einen Pop-up-Store für Joya (pflanzliche Milchprodukte) in der Mariahilfer Straße. „In diesem Geschäft steht weniger der Verkauf als vielmehr die Produktpräsentation im Vordergrund“, sagt sie.