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Holz – worin Wien künftig wohnt

23.03.2012 | 11:03 |  Von Magdalena Klemun (Die Presse)

In der Donaustadt entsteht bis zum Frühjahr 2013 mit sieben Geschoßen Österreichs höchster Holzwohnbau, weitere städtische Projekte sollen folgen. Nur: Den hölzernen Trend hätte Wien früher haben können.

Holz worin Wien kuenftig

Wien. Es sprießt in Wien, nicht nur im Frühlingserwachen: Städtischer Wohnbau geht vermehrt den hölzernen Weg – bis zum Frühjahr 2013 führt dieser erstmals sieben Geschoße in die Höhe. In der Wagramer Straße in Donaustadt entsteht Österreichs höchster Wohnbau in Holzbauweise. Die von der Stadt Wien geförderten 101 Wohnungen vergibt das Wiener Wohnservice und der Bauträger, die Wohngenossenschaft „Familie“ – wenige sind noch zu haben.

Möglich macht den Bau eine von der TU Graz und der Firma Binderholz vorangetriebene Technik, bei der massive Holzelemente kreuzweise verleimt werden. Eine Schicht blockiert so die Ausdehnung der anderen – was ein altes Defizit hölzernen Hochbaus ausgleicht: Formstabilität. Kein Wunder also, dass Holz, das während seines Wachstums CO2 absorbiert, und anders als Beton in der Produktion wenig energieintensiv ist, im Trend liegt: Insgesamt sind in der Stadt derzeit 40 Holzbauprojekte in Planung, im Bau oder jüngst fertig worden. Die größte Baustelle ist im Sonnwendviertel beim Hauptbahnhof mit 419 Wohnungen. Der Einsatz von Holz wird dabei von der Stadt Wien forciert – die Aufträge für die Projekte Wagramer Straße und Breitenfurter Straße (56 Wohnungen, Abschluss Sommer 2012) wurden mittels Wettbewerb vergeben, im Fall Wagramer Straße schießt die Stadt 6,3 Mio. Euro zu den Gesamtkosten von 15 Mio. Euro zu.

Auch private Investoren

Ob Holz teurer kommt als konventionelle Technik, wird im Büro von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig nicht eindeutig beantwortet: „Die Kosten liegen jedenfalls im Rahmen“, so Sprecherin Christiane Daxböck. Alexandra Bauer von der österreichischen Umweltberatung kann sich sogar vorstellen, dass Holzbau längerfristig besonders günstig wird: „Viele Teile werden in den Werken vorgefertigt, die Bauzeit ist daher kurz, außerdem dämmt Holz extrem gut und ist weitaus leichter als Stahlbeton.“

Nicht nur kommunale Bauträger setzen in Wien übrigens auf Holz: Aus einer Kooperation der Firma Conwert mit dem Holzhausspezialisten Griffner gingen zwei Wohnbauten in Hütteldorf und am Alsergrund hervor. Conwert-Sprecher Clemens Billek: „Es gibt eine enorme Nachfrage, das ist ein Trend der letzten zwei, drei Jahre.“

Früh dran ist die Politik mit dem Schwerpunkt Holz nicht. „Die Schweizer sind uns beim Holzbau weit voraus, sie hatten früher die gesetzlichen Grundlagen“, so Kurt Zweifel, Sprecher von proHolz Austria, der Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Holzwirtschaft. Konkret erlaubt die Wiener Bauordnung Holzbau bis zu sieben Geschoßen erst seit 2008. „Die Technik kommt aus Österreich, aber da tut sie sich besonders schwer“, so Helmut Spiehs von Binderholz Bausysteme, „die strengen Brandschutzregulierungen müssen sich erst dem technischen Wandel anpassen.“ Beim Bau in der Wagramer Straße werden über den Holzwänden zum Brandschutz Rigipsplatten montiert – der Bewohner sieht die hölzerne Hülle des Wohnraums nicht. Ohne die Platten, wie es etwa in Deutschland erlaubt sei, könne Holzbau längerfristig wirtschaftlicher und ansprechender werden, so Spiehs.