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Goldene Gewerbe-Dachl

13.04.2012 | 18:10 |  PETRA RAMSAUER (Die Presse)

In Deutschland bringt die Vermietung von Gewerbedachflächen für Fotovoltaikanlagen gute Renditen. In Österreich rechnet sich eher die Eigeninvestition.

Der Fotovoltaik-Boom in unserem Nachbarland Deutschland brachte neue Geschäftszweige zum Blühen: etwa die Vermietung von Dächern großer Gewerbebetriebe für die Installation von Fotovoltaikanlagen durch Investoren. Die Förderungen für Sonnenstrom waren hoch, die Anlagen wurden günstiger, nur eines wurde zunehmend rar: geeignete Objekte. Besonders große Dächer mit guter Ausrichtung nach Süden waren vor allem im Sonnenfreistaat Bayern Mangelware. „Dach-Scouts“ und Dachvermietungsbörsen boomten. Selbst jetzt noch, trotz anstehender Kürzungen bei der Förderung von Einspeisetarifen, scheint der Markt weiter zu bestehen. Nach wie vor werben deutsche Unternehmen wie „Solar Energy Consult“ mit Renditen von bis zu 7,5 Prozent über 20 Jahre, die eine Dachflächenvermietung bringen kann. Mit dem Zusatznutzen, dass die Anlage nach der vorgesehenen Vermietungsdauer meist in den Besitz des Gebäudeeigentümers übergeht.

Das Potenzial ist enorm, auch in Österreich. Allein Wiens Dächer bieten ein Kraftwerkspotenzial von 29 Millionen Quadratmetern. Gewerbliche Immobilien haben zudem den Vorteil der Größe der Fläche, sind deshalb besonders interessant.

 

Magere Renditen

Doch lässt sich das deutsche Modell so einfach auf den österreichischen Markt übertragen? Selbst die Anbieter können eine gewisse Skepsis nicht verhehlen: „Eine solche Überlegung macht durchaus Sinn für jemanden, der ein großes Gebäude besitzt. Durch die Vermietung des Daches kann man aus einem sonst ungenutzten Gebäudebestandteil einen Nutzen ziehen“, sagt Stephan Traussnig, Vertriebsleiter der Kärntner PVI GmbH, die auf die Installation von Fotovoltaikanlagen auf Dachflächen von Gewerbebetrieben spezialisiert ist und auch Vermietungen anbietet. „Ein solches Geschäftsmodell kann aber nur funktionieren, wenn der Investor eine entsprechende Rendite bekommt. Wie viel dann dem Gebäudebesitzer bleibt, hängt von den Einspeisetarifen ab, und diese sinken“, so der Experte, der keine falsche Erwartung wecken will.

Meist bleibe dem Vermieter ein prozentueller Anteil des Stromerlöses, nach Abzug der Kosten für Wartung und Instandsetzung sei dieser aber eher überschaubar. Robert Willfurth, Geschäftsführer der Weinviertler Firma Sonnenstrom limited, die ebenfalls Dachvermietungen anbietet, beziffert diesen Anteil mit bis zu sechs Prozent. Das Problem in Österreich sei dabei aber die mangelnde Investitionssicherheit: „Man muss das Projekt einreichen, weiß aber nicht, wie hoch die Förderung durch den Einspeisetarif sein wird. Das ist in Deutschland und Italien anders, weshalb dort solche Geschäftsmodelle besser funktionieren.“ Unter diesen Umständen sei es oft sinnvoller, eine PV-Anlage gleich selbst zu installieren, statt die Dachfläche zu vermieten. Ähnlich sieht es auch Traussnig. Er verweist darauf, dass eine 100-kW-peak-Anlage, die jährlich mindestens 100.000 Kilowattstunden Strom produziert, bereits unter 200.000 Euro zu haben ist.

 

Förderungsverzicht hat auch Vorteile

Besitzer von Anlagen in der Größenordnung von 20 kW-peak bis 500 kW-peak können in Österreich derzeit mit einem Fördertarif zwischen 18 und 23 Cent rechnen. Wird diese Förderung in Anspruch genommen, müssen über dreizehn Jahre die gesamten Erträge ins Stromnetz eingespeist werden, erst danach kann der Strom vom Eigentümer selbst genützt werden. Zuweilen sei es daher sogar am klügsten, auf diese Förderung überhaupt zu verzichten, meint Willfurth mit Verweis auf das Beispiel eines Autohauses im Waldviertel. „Durch den Verzicht auf jegliche Förderung bei der Installation ihrer PV-Dachanlage können die Eigentümer des Gewerbebetriebs den Strom jederzeit selbst nutzen und decken damit mittlerweile die Hälfte ihres Verbrauchs ab. In etwa zehn Jahren wird sich die Investition amortisiert haben“, so der Experte. Außerdem sei in einem solchen Fall die Investition steuerlich voll absetzbar.

 

Gut fürs Image

Doch Profit ist nicht alles: „Ob ein Betrieb seine Dachflächen vermietet oder die Anlage gleich selbst baut – in jedem Fall winkt ein beträchtlicher Image-Gewinn“, meint Hubert Fechner, Leiter des Studienganges „Erneuerbare Energiesysteme“ an der FH Technikum Wien. Reich werde man mit Fotovoltaik in Österreich sowieso nicht, und ob eine Dachvermietung an einen Investor überhaupt sinnvoll sei, „muss sehr scharf kalkuliert werden“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2012)