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Die Fassade lebt, die Wand wandert

20.04.2012 | 18:30 |   (Die Presse)

Die IBA Internationale Bauausstellung zeigt in Hamburg Wohnhäuser der Zukunft. Flexible Wände. Wärme durch Algen. Baustoffe mit textilen Eigenschaften.

Man darf sich das Ganze nicht etwa grün und schleimig vorstellen, sondern licht und hell: das weltweit erste Haus mit einer Fassade, in der Algen leben. Vor Kurzem wurde der smarte Bau namens BIQ in Hamburg erstmals der Weltöffentlichkeit gezeigt.

Südost- und südwestseitig – wegen des Sonnenlichts für die Fotosynthese – sind in die Glaspaneele, die diesen Bau bekleiden, Mikroalgen eingesetzt. Sie vermehren sich darin und erzeugen Wärme, sorgen für Licht und Schatten. Die Bioreaktorfassade ist erstens das Resultat des Term-Projekts (Technologien zur Erschließung der Ressource Mikroalgen), an dem mehrere deutsche Universitäten und Unternehmen mitgearbeitet haben, und zweitens ein gestalterisches Element des Entwurfs des Grazer Architekturbüros Splitterwerk. Der Rahmen, in dem das clevere Haus mit der Algenfassade Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist ein experimenteller: Beispiele für „Smart Material Houses“ entstehen im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg im Rahmen der großen, mehrjährigen „IBA Internationale Bauausstellung“, die eine ganze Reihe von nachhaltigen, smarten und technisch innovativen Wohnbauten für die Zukunft durchexerziert.

 

Vier Modelle fürs Wohnen

Unter den Objekten auf den Elbinseln findet sich unter anderem ein „Hybrid House“, das als das modernste Gebäude Deutschlands gehandelt wird. Die Wände dieses von Nägeli Architekten geplanten Objekts lassen sich leicht verschieben, sodass sich immer neue Wohneinheiten darin erzeugen lassen. Einbaumöbel können schnell in ihrer Funktion mutieren. Umhüllt wird das flexible Raumsystem von einer Fassade mit größeren Glasflächen. Der nachhaltige Ansatz ist allen Projekten gemein, die auf dem Areal Platz gefunden haben. Auch dem „Soft House“, das sich durch weiche, textile Fassadenelemente auszeichnet, dessen Entwurf von Kennedy & Violich Architecture stammt. Es gehört in die Kategorie der „Smart Material Houses“, der auch das Algenhaus zugeordnet ist.

Weil innovatives Bauen nicht nur nachhaltig, sondern auch preiswert sein soll, hat man bei dieser „Bauausstellung in der Bauausstellung“ einen Sektor mit „Smart Pize Houses“ geschaffen. Zuletzt wird bei diesem IBA-Projekt auch mit dem Bauplatz selbst experimentiert – mit Architektur, die dem Wasser Land abtrotzt. Der Auftrag an ein „WaterHouse“ ging an Schenk + Waiblinger Architekten.

Diese vier Experimentierfelder sind nur ein kleiner Teil der IBA Hamburg, die mit vielen Veranstaltungen und Initiativen Antworten auf das Wohnen im 21. Jahrhundert liefert. Bis 2013 werden einige Bauideen umgesetzt sein. mad

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2012)