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Käufer wollen für Nachhaltigkeit zahlen

18.05.2012 | 18:35 |   (Die Presse)

Auch Private legen Wert auf „Nachhaltigkeit“. Das zeigen eine Karmasin-Studie im Auftrag der Beratungsfirma Wiko und Befragungen auf Immobilien.net.

Nachhaltigkeit ist in. Fast jede Gewerbeimmobilie, die derzeit fertiggestellt wird, verfügt über irgendein Zertifikat oder Gütesiegel, das sie als besonders „nachhaltig“ und „ökologisch“ ausweist. Die Mieter legen Wert auf niedrigere Betriebskosten, die Vermieter erwarten, im Gegenzug dafür eine höhere Miete ausverhandeln zu können. Die Investoren hoffen, dass sie den Wert des Gebäudes so erhalten und es später besser verkaufen können.

Bei Wohnimmobilien ist das noch nicht ganz so. Zwar gaben bei einer Karmasin-Umfrage mehr als zwei Drittel der befragten Österreicher an, dass sie beim Wohnen Wert auf Nachhaltigkeit legten, zugleich sagten 80 Prozent, dass ihr Domizil über keinen Energieausweis verfüge oder sie zumindest nichts davon wüssten. „Viele können mit den Angaben im Energieausweis auch nichts anfangen, da dieser nur Auskunft über die Energieeffizienz des Gebäudes gibt“, erklärte Alexander Ertler, Geschäftsführer von Immobilien.net, kürzlich vor Journalisten in Wien. Wie es in der einzelnen Wohnung ausschaue und welche Auswirkungen das eigene Nutzerverhalten auf die Betriebskosten hat, das geht aus den Zahlen nicht hervor.

 

Gesundheit schlägt Lage

Dabei haben die Befragten konkrete Vorstellungen, welche Aspekte von „Nachhaltigkeit“ ihnen wichtig sind. 38 Prozent geht es um eine geringere finanzielle Gesamtbelastung, also niedrigere Betriebs- und Energiekosten. Doch an zweiter Stelle kommt schon die Gesundheit. 35 Prozent aller Befragten und 31 Prozent der Wohnungssuchenden legen großen Wert darauf, dass ihr Domizil frei von Schimmel und Schadstoffen ist. „Damit schlägt Gesundheit die Lage“, stellt Marktforscherin Sophie Karmasin fest. Diese ist für 31 Prozent ein wichtiges Kriterium, gefolgt von Garten oder Balkon, Helligkeit, Lärmfreiheit, Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel und Parkplatz.

Für eine nachhaltige Immobilie würden die Befragten sogar tiefer in die Tasche greifen. 28 Prozent würden um zwei bis fünf Prozent mehr Miete oder Kaufpreis in Kauf nehmen, ein Drittel noch mehr. Ob sie das dann auch tun, sei allerdings fraglich, sagt Ertler. Vor allem im geschützten Altbau seien höhere Mieten nur schwer durchsetzbar. Bei den Kaufpreisen sei das anders: Die sind in den vergangenen Jahren extrem stark gestiegen. „Es wird auch viel Mist gekauft“, sagt Ertler.

Er rät Käufern, bei der Nachhaltigkeit nicht zu sparen. Bei den hohen Preisen komme es auf die zwei bis fünf Prozent mehr nicht an. Doch sei dann eher garantiert, dass die Immobilie sich nicht als Fehlinvestition herausstelle. b.l.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2012)