Artikel drucken Drucken Artikel kommentieren Kommentare Artikel senden Senden

„Kraftwerk“ für Fassade der Technischen Universität

29.05.2012 | 18:15 |   (Die Presse)

Die Sanierung des Chemiehochhauses der Technischen Universität soll ein Öko-Vorzeigeprojekt werden. Publizisten und Informatiker erhalten mehr Platz Das Gebäude erhält die größte Fotovoltaikanlage Österreichs.

Wien/Stu. Derzeit läuft die Sanierung des ehemaligen Chemiehochhauses und des Audimax der Technischen Universität Wien (TU) am Getreidemarkt. Nun wurde von TU-Rektorin Sabine Seidler, Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und der BIG (Bundesimmobiliengesellschaft) die nächste Sanierungsetappe eingeleitet.

Mit der Renovierung des Chemiehochhauses will die TU nun auch einen ökologischen Meilenstein setzen. Das Gebäude erhält die größte Fotovoltaikanlage Österreichs, die in eine Fassade integriert ist. Durch den gewonnenen Strom soll der Verbrauch der technischen Gebäudeausstattung, also Computerserver, Küche, Beleuchtung etc., abgedeckt werden. Zusätzlich wird die Passivhausbauweise für Hochhäuser weiter entwickelt („Plus-Energie-Haus“). Das betrifft Dichtheit, Nachtlüftung des Gebäudes, einen optimierten Stromverbrauch, optimierte Wärme- und Feuchterückgewinnung. Diese Sanierung ist gleichzeitig ein TU-Forschungsprojekt, das neben der technischen auch die wirtschaftliche Machbarkeit von „Plus-Energie-Hochhäusern“ zeigen soll.

Seit dem Frühjahr wird gebaut. Ende 2013 sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein. Wobei die Arbeiten von der Bundesimmobiliengesellschaft durchgeführt werden, da die Technische Universität das Gebäude nur gemietet hat. Investiert werden für diese Sanierungsarbeiten rund 25Millionen Euro. In das Chemiehochhaus soll dann die Maschinenbaufakultät einziehen, für die Büro- und Lehrräume geschaffen werden. Die bisherigen Großlabors werden an den neuen Standort „Science Center“ am Arsenal verlegt.

Gleichzeitig wird die Struktur des Gebäudes neu geplant und adaptiert. Dadurch soll der nutzbare Raum innerhalb des Hochhauses um rund 1400 Quadratmeter steigen – ohne dass es zu einem Zubau kommt. Nach der Fertigstellung wird das Gebäude dann Platz für rund 800 Studenten und TU-Mitarbeiter bieten.

Hintergrund dieses Projektes ist nicht nur das Faktum, dass das Chemiehochhaus schwer sanierungsbedürftig ist. Mit dem Projekt „TU Univercity 2015“ führt die TU eine Standortverdichtung der über viele Stadtteile verstreuten Einrichtungen durch. Dabei kommt es zu einer Konzentration von jeweils zwei der acht Fakultäten an einem der vier innerstädtischen Standorte Karlsplatz, Freihaus, Getreidemarkt, Gusshausstraße/Favoritenstraße und dem neuen Laborstandort beim Arsenal. Bis 2015 (in diesem Jahr feiert die TU ihr 200-jähriges Bestehen) sollen diese Restrukturierungen, inklusive sämtlicher Sanierungsarbeiten, abgeschlossen sein.

 

Neubau für Publizistik und Informatik

Neuigkeiten gibt es auch an einer anderen universitären Front. Ab dem nächsten Studienjahr ist das Pendeln zwischen mehreren Standorten für die Publizistik und Informatik vorbei. Nach rund zwei Jahren Bauzeit ist das neue Gebäude in der Währinger Straße29 fertiggestellt. Das Institut wurde bereits Mitte März der Universität Wien übergeben, derzeit läuft die Einrichtungsphase. Kostenpunkt für das 11.000 Quadratmeter große Gebäude: rund 25 Millionen Euro. Im Juli bzw. August sollen die Institute dann übersiedeln, um im Studienjahr 2012/2013 ihren Vollbetrieb aufnehmen zu können. Das neue Gebäude verfügt über sieben Geschoße. Darin sind enthalten: Büroarbeitsplätze, Arbeitsbereiche und Kommunikationszonen für Studierende, drei Hörsäle (einer mit 200 Plätzen bzw. zwei mit 50 Plätzen), zwölf Seminarräume (für 20 bis 49 Personen), sechs PC-Schulungsräume und sieben EDV-Forschungslabors.

Berechnungen gehen davon aus, dass sich täglich zwischen 1800 und 2000 Personen in dem neuen Institutsgebäude aufhalten werden. Immerhin sind derzeit rund 5000 Studenten im Fach Publizistik inskribiert, 1800 studieren aktuell Informatik. Die Bibliothek beider Institute umfasst rund 300.000 Bücher. Als Erholungs- und Rückzugsfläche gibt es in der Währinger Straße 29 einen (teilweise) begrünten Innenhof mit zahlreichen Sitzgelegenheiten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.05.2012)