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Apartments: Man braucht nur mehr einzuziehen

04.01.2013 | 15:46 |  Von Patrick Baldia (Die Presse)

Bereits eingerichtete und aufwendig gestaltete Wohnungen sprechen eine exklusive Klientel meist von auswärts an. Eine Nische, die gerade mitten in der Stadt wächst.

Ob ein fehlendes Händchen fürs geschmackssichere Interieur oder schlichtweg Zeitmangel – Gründe gibt es zur Genüge, wieso bereits komplett eingerichtete Objekte unter Wohnungskäufern gefragt sind. Dementsprechend interessant schätzen Experten diesen an Bedeutung gewinnenden Nischenmarkt ein. Um Wohnungen aus der Konserve handelt es sich dabei freilich nicht, denn wie Experten bestätigen, sind stilsicher möblierte Objekte vor allem im Topsegment, in dem bekanntlich auch bei der Ausstattung höchst ungern Kompromisse gemacht werden, ein Thema.

„Emotion und Auge spielen immer eine große Rolle beim Immobilienkauf“, sagt Bernhard Reikersdorfer, Geschäftsführer von Remax Österreich. Viele Kunden hätten einfach keine Vorstellung davon, wie eine Wohnung eingerichtet werden könne. „Wir hören sehr oft Fragen wie diese: Wo passt hier das Schlafzimmer rein?“, schildert Reikersdorfer. In die gleiche Kerbe schlägt auch ÖRAG-Vorstand Stefan Brezovich: „Nicht jeder Mensch hat ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen.“ Hinzu komme der Aspekt, dass bei bereits möblierten Wohnungen ein unmittelbarer Bezug möglich ist. „Einrichten kostet neben Geld auch viel Zeit“, meint Brezovich. Vor allem schöne Einrichtungsstücke würden mehrmonatige Lieferfristen haben, das wollen und können manche Kunden nicht abwarten. Bei allen Argumenten, die für den Verkauf von bereits möblierten und vielleicht sogar von bekannten Interieurdesignern gestalteten Wohnungen sprechen, betont Brezovich, dass sich die Vorgangsweise nicht zur Beschönigung von Nachteilen eigne. „Ein unvorteilhafter Ausblick aus einer Wohnung wird durch einen attraktiven Vorhang auch nicht besser“, bekräftigt er.

Interessant für Anleger

Schwer sei es vor allem, den Geschmack von bestimmten Zielgruppen punktgenau zu treffen. Dementsprechend empfiehlt Reikersdorfer einen „modernen und zweckmäßigen Stil“. Dies mache ein Objekt vor allem für Anleger interessant, die es später weitervermieten möchten. „Für eine eingerichtete Wohnung können bis zu zehn Prozent mehr verlangt werden“, so der Remax-Österreich-Geschäftsführer.

Bei JP Immobilien hat man schon länger gute Erfahrungen mit dem Verkauf möblierter Wohnungen gemacht. Konkret wurden vor vier Jahren mehrere kleinere Wohnungen der obersten Kategorie in einem Objekt am Naschmarkt an den Kunden gebracht. Interessenten habe es zur Genüge gegeben, berichtet Geschäftsführer Martin Müller, der von einer „kleinen und sehr speziellen Zielgruppe“ spricht. Damals hätten vor allem Österreicher aus den Bundesländern sowie Auslandsösterreicher zugeschlagen, die einen exklusiven Zweitwohnsitz in Wien gesucht haben – und das in der Nähe von gastronomischen und kulturellen Highlights. „Dieses Konzept funktioniert aber nur in urbanen und zentrumsnahen Lagen“, bringt es Müller auf den Punkt.

Für den JP-Immobilien-Geschäftsführer sind bereits möblierte Eigentumswohnungen eine „interessante Nische“, ein „großer neuer Markt“ hingegen noch nicht. „Im oberen Segment haben die Käufer einen sehr speziellen Geschmack und haben deshalb in der Regel auch ihre eigenen Interieurdesigner“, meint Müller. Nichtsdestotrotz plane man weiterhin, gezielt diese Nische zu bedienen – etwa mit dem Projekt Palais Herzmansky in der Lindengasse im siebenten Wiener Gemeindebezirk. Dort sollen sowohl sanierte „leere“ als auch bereits möblierte Objekte zum Verkauf stehen. In spätestens sechs Wochen soll eine Musterwohnung – laut Immobilien-Experten ein Trend sowohl bei Neubauten als auch bei sanierten Immobilien – fertiggestellt werden.

Serviced Apartments

„An der Einrichtung wird nicht gespart“, betont Müller auch im Zusammenhang mit einer anderen, ähnlichen von JP Immobilien bedienten Nische – den Serviced Apartments. Das Produkt sei nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil jede Wohnung für sich ein von externen Inneneinrichtern gestaltetes Unikat sei. Vor allem Ausländer, die mitten unter Wienern in einem klassischen Zinshaus wohnen möchten, würden das Angebot zu schätzen wissen und auch bereit sein, dafür tiefer in die Tasche zu greifen. Denn angesichts der überdurchschnittlichen Ausstattung wären die Preise auch höher als bei der Konkurrenz.

Bereits möblierte Wohnungen wären laut Natalia Schlosser von Dr. Koch Traumrealitäten auch im Mietsegment ein Thema – vor allem für Topleute internationaler Konzerne oder höhere Diplomaten. Allerdings räumt sie ein, dass es sich dabei – wie auch im Kaufbereich – um ein Segment handle, das in ihrem Unternehmen nicht mehr als zehn Prozent der Mietkunden ausmache. „Das ist ein heikles Pflaster, denn die meisten Menschen wollen auch Mietwohnungen nach ihren eigenen Vorstellung einrichten“, sagt sie.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2013)