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Domizile mit Vorleben und eigener Energie

17.02.2017 | 14:45 |   (Die Presse)

Schätze in der Innenstadt. Was bei der Vermarktung hilfreich ist und was eher nicht.

Bild: (c) Die Presse (Clemens Fabry) 

Sie haben große Namen beherbergt, sind von berühmten Architekten gebaut worden oder haben als Filmkulissen gedient: Österreich, und vor allem Wien ist reich an Immobilien mit Geschichte(n), die dadurch zu besonderen Schätzen werden. Zumal dann, wenn die Ausstattung noch etwas vom Glanz der alten Zeiten behalten hat: Alte Kachelöfen, große Stuckarbeiten oder ein Entrée mit viel Marmor und Schmiedeeisen gehören zu den Details, die die Augen entsprechender Liebhaber zum Leuchten bringen.

„Wenn sich beispielsweise der Stil von Architekten wie Hoffmann oder Loos durch die Objekte zieht, interessiert das die Kunden sehr“, weiß Peter Marschall, Inhaber von Marschall Immobilien. Auch ein Kreuzgewölbe aus dem 15. Jahrhundert oder aufwendige Kachelöfen können durchaus gewichtige Pluspunkte beim Verkauf einer Immobilie sein, so der Makler, zu viel des Guten schlage aber auch schnell ins Gegenteil um. Dazu zählen beispielsweise denkmalgeschützte, schwere Vertäfelungen mit schwarzen Kassettendecken, wie man sie noch in manchen Häusern rund um das Rathaus findet. „Gerade High-End-Kunden sind es gewohnt, sich bis zu einem gewissen Grad in ihren Wohnungen auch selbst verwirklichen zu können“, meint der Makler, und wenn dann bei aller Liebe zu historischen Objekten das Gefühl aufkommt, wie in einem Museum zu wohnen, höre der Spaß auf. Darüber, wie weit der reine Name prominenter Vorbewohner und Architekten oder der Mantel der Geschichte ausschlaggebend für den Verkaufserfolg sind, gehen die Meinungen auseinander. „Ich habe noch nie etwas verkauft, nur weil da mal wer gewohnt hat“, sagt Marschall lachend. „Das geht in Los Angeles, wenn man sagt ,Da hat der Johnny Depp gewohnt‘, aber die Mentalität der Österreicher ist anders.“

 

Große Namen

Oder sie wird zumindest besser versteckt, wie Martin Müller, Geschäftsführer von JP Immobilien, weiß: „Die meisten tun auf jeden Fall so, als seien sie überhaupt nicht beeindruckt“, berichtet der Makler. „Aber wenn das Objekt dann gekauft ist, wird jedem erzählt, dass das mal das Palais von X oder Y war. ,Und ich wohne jetzt in seiner Wohnung und da stehen noch originale Dinge drin‘.“ Monetär lasse sich dieser Faktor allerdings nicht bemessen: „So eine Geschichte bringt sicherlich nicht 20 Prozent mehr beim Verkaufspreis, aber es macht das Projekt natürlich spannender und schärft das Interesse“, sagt Müller. So sei beim Verkauf der neuen Eigentumswohnungen im ehemaligen Kutscherhof im 13. Bezirk die Tatsache, dass dort zuvor „Taxi Orange“ gedreht worden sei, ein netter Zusatzfaktor gewesen, oder auch alle Geschichten rund um das Arsenal machten eine Immobilie spannend.

Wie hilfreich eine spannende Historie sein kann, hat auch Thomas Belina, Managing Director Colliers International, erfahren, als er im Vorjahr noch im Auftrag der Estrella in die Vermarktung der generalsanierten Mietwohnungen in den Palais Trauttmansdorff und Batthyány-Strattmann involviert war. „Dabei haben wir stark auf die besondere Historie der beiden Häuser gesetzt, denn es hilft sehr in der Vermarktung, wenn der Kunde sich mit einem Objekt identifiziert“, ist Belina überzeugt. Was sich auch daran zeige, dass das Thema Immobilienbranding immer stärker werde. „Es ist wichtig, das Haus mit den geeigneten Inhalten aufzuladen“, erklärt Belina, wobei nicht alles, was sich in der wechselvollen Geschichte der Wiener Wohnstätten zugetragen hat, auch den Weg in die Verkaufsfolder findet. „Im Palais Batthyány hat sich ja der Oberst Redl erschossen, aber damit sind wir natürlich nicht nach außen gegangen“, verdeutlicht er die Grenzen verkaufsfördernder Geschichte. „Grundsätzlich ist der Verkauf einer Immobilie viel emotionaler als der eines Autos“, betont er, und diesen Emotionen gelte es, Rechnung zu tragen.

Davon ist auch Richard Buxbaum, Prokurist von Otto Immobilien, überzeugt. „Jeder hat seine Gründe, warum das eine oder andere positive oder negative Emotionen in Verbindung mit einer Wohnung oder einem Haus auslöst“, ist er überzeugt. „Und eine positive Geschichte schafft dann einfach eine Höherwertigkeit.“ Wobei diese Geschichte gar nicht zwingend in der Immobilie liegen muss, wie Buxbaum an einem Beispiel erklärt: „Ein Brauereibesitzer, der seine Malzfabrik verkauft und sich zur Ruhe setzt, wird für eine Liegenschaft in der Malzgasse eher bereit sein, einen Liebhaberpreis zu zahlen“, so der Makler; andere Anknüpfungspunkte könnten sein, dass es dort einst einen besonderen Betrieb oder Bewohner gab.

Allerdings müsse man auch potenzielle negative Schwingungen, die aus der Historie eines Hauses stammen können, ernst nehmen und etwas unternehmen, um diese zu eliminieren.

 

Positive Schwingungen

Und das sei nicht nur ein Thema für Feng-Shui-begeisterte private Häuslbauer, verrät Buxbaum: „Auch große Entwickler investieren in entsprechende Maßnahmen. Da gibt es Profis, die dafür sorgen können, solche Geschichten, die beispielsweise aus Kriegszeiten stammen, zu begraben.“ Einer dieser Profis ist Manfred Kovacs, Geschäftsführer von Vital Projekte, der sich seit über 20 Jahren mit dem Thema Geomantie beschäftigt und erklärt, was dabei passiert: „So wie Informationen auf Computerchips mithilfe von Silizium gespeichert werden, sind auch im Erdreich Informationen und Schwingungen gespeichert“, erklärt er. Die sich durch die Verwendung spezieller Steine oder Edelmetalle sowie Symbole neu lenken lassen – eine Erkenntnis, die keineswegs neu ist, wie der Baubiologe erklärt: „Das haben schon die Erbauer von Pyramiden und Tempeln so gemacht, und auch die Kirche hat diese Techniken, etwa bei der Altarplatzwahl, angewandt.“ Was auch heute noch zu funktionieren scheint, wie Buxbaum bestätigt: „Alle Projekte, bei denen meines Wissens nach so etwas angewandt worden ist, waren besonders erfolgreich“, so der Makler. Denn es gebe einfach Menschen, die auf solche Schwingungen beim Betreten eines Hauses reagierten – und wenn das Bauchgefühl nicht passt, kann auch die schönste Wohnung nichts ausrichten. (SMA)

Objekte mit Vorleben

Es kann helfen, muss aber nicht: Wenn Luxusobjekte ein prominentes Vorleben aufzuweisen haben, kann das für besonderes Interesse sorgen − solange es sich um eine positive Historie handelt oder noch Zeugnisse der einstigen Pracht vorhanden sind. Schwere, dunkle und denkmalgeschützte Kassettendecken können aber eher ein Minuspunkt sein, genau wie schaurige Geschichten oder negative Energien und Ereignisse.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2017)