Arbeitswelten reloaded: Die Plätze wechseln, Inseln ansteuern
17.09.2012 | 16:36 | Von Christian Lenoble (Die Presse)
Raumkonzepte. Kommunikative Zonen gewinnen an Bedeutung, während traditionelle Arbeitsplätze verlieren.

Smartphones, Tablets und Notebooks machen's möglich: Der Trend geht in Richtung mobiles Büro. Doch rund zwei Drittel der Österreicher arbeiten noch immer in traditionellen, starren Zellen. „Den modernen Arbeitsprozessen entspricht das nicht mehr“, meint dazu Franz Gurtner vom Spezialisten für Office Architecture, Wiesner-Hager. Zunehmend werden die Menschen in dezentralen Business-Centern, zu Hause oder einfach unterwegs für ihr Unternehmen tätig sein.
Die Arbeitsformen selbst unterliegen einem rasanten Strukturwandel. Klassische Hierarchien werden abgelöst von dezentralen Netzwerken, in die jeder seine Leistung einbringt – im Team und trotzdem unabhängig von Ort und Zeit. Die herkömmliche Büroarbeit verliert dadurch an Bedeutung, an ihre Stelle treten flexiblere Arbeitsformen. Dies stellt laut Experten auch immer höhere Ansprüche an die Qualität der Zusammenarbeit. Moderne virtuelle Kommunikation via Internet funktioniert zwar rasch, ist aber kaum imstande, komplexe Fragen zu klären. Gefordert sind daher geeignete Raumkonzepte, die Kommunikation fördern.
Von Angesicht zu Angesicht
„Wenn es unter diesen neuen Rahmenbedingungen darum geht, die Effizienz der Arbeit zu steigern und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen, ist eine gute Büroarchitektur unabdingbar“, ist Gurtner überzeugt. Effizienzsteigerung bedeute Bürolayouts zu planen, die optimal auf die Arbeitsprozesse abgestimmt sind; Layouts, die den Workflow also auch räumlich spiegeln. Im Fokus sollten dabei die Möglichkeiten für Face-to-face-Kommunikation stehen. „Kommunikation in all ihren ,persönlichen‘ Ausprägungen ist der größte Wachstumsfaktor im Büro. Aus diesem Grund gewinnen Bereiche abseits der klassischen Büroarbeitsplätze stark an Bedeutung“, spricht Gurtner die wachsende Rolle von Foyerbereichen, Working Cafés oder Lounges an. Der Trend geht zu mehr Raum für kommunikative Zonen bei gleichzeitiger Verringerung der Fläche für Büroarbeitsplätze.
„Je mehr Abwechslung ein Arbeitsplatz bietet, desto zufriedener sind die Mitarbeiter“, meint Helmut Sattler, CEO der Neudoerfler Office Systems. Besprechungsinseln und Rückzugsbereiche in Kombination mit Konzentrationsarbeitsplätzen wirken anregend und bieten je nach Aufgabe vielfältige Zonen für Einzel- oder Teamarbeit. „Im Büro der Zukunft gehen Mitarbeiter für ein kreatives Brainstorming in einen ,Quiet Room‘, nutzen für die Strukturierung der Ergebnisse einen Einzelarbeitsplatz und setzen sich danach an Kombi-Arbeitsplätzen für die Ausarbeitung der Details zusammen“, so Sattler. Moderne Open-Office-Lösungen bringen Bewegung in den Arbeitsalltag. Sie laden zu Platzwechsel je nach Tätigkeit ein, die Bewegung mobilisiert dabei die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. „Das Ziel der Büroarchitektur ist es insgesamt, Menschen, Arbeitsgeräte und den Raum in Einklang zu bringen“, spielt Sattler auf ein möglichst störungsfreies Mit- und Nebeneinander im Betrieb an. Dazu gehören neben der Raumumgestaltung die richtige Planung und Berücksichtigung der Faktoren Ergonomie, Farbe und Licht sowie Akustiklösungen, die den Lärm im Büro reduzieren. Dadurch können Besprechungs- und Konzentrationszonen parallel bestehen.
Ein Fauteuil für zwischendurch
Mit der Gestaltung abwechslungsreicher Bürolandschaften gehen neue funktionale Möbellösungen einher. Lounge- oder Cafeteria-Fauteuils werden mit einfachen Sitz- und Stehplätzen kombiniert. Kurze „Besprechungen im Stehen – mit Unterstützung von Stehtischen und Barstühlen – erweisen sich nicht nur aus ergonomischer Sicht sinnvoll, sondern wirken sich auch positiv auf die Effizienz der Kommunikation aus, weil sie meist zielgerichteter sind als normale Besprechungen im Sitzen“, erläutert Gurtner. Häufiger zum Einsatz kommen zudem höhenverstellbare Arbeitsplätze.
Auch, was das Bürodesign betrifft, stehen die Zeichen auf Wandel. Im Sinn des Wohlfühlaspekts wird die puristisch-funktionale Innenarchitektur der letzten Jahre immer häufiger durch emotional besetzte Elemente gelockert. „Formen, Farben, Materialien, Kunst und nicht zuletzt auch die Visualisierung der Corporate Identity werden zu Schwerpunkten der Innenarchitektur. Dabei rücken erneut die Zonen für informelle Kommunikation und Rückzug in den Vordergrund“, so Gurtner.
Die „Bürourlaubswelt“ von morgen
„Das Büro entwickelt sich immer mehr zu einem Ort, an dem die Begegnungsqualität das Maß der Dinge ist. Das Büro der Zukunft wird Plattform und Drehscheibe für Kommunikation, Wissensaustausch und Kreativität“, prophezeit auch Ewald Stückler, Geschäftsführer Tecno Office Consult. Die Vision der Arbeit im Unternehmen gehe in Richtung „Bürourlaubswelt“, wobei der fließende Übergang zwischen Arbeit, Wochenende und Urlaub mehr und mehr zu einer Auflösung regulärer Arbeitszeiten führt. Für die Unternehmen stellt sich dabei die Herausforderung, Plattformen zur Verfügung zu stellen, die die Arbeit der Zukunft ideal unterstützen. „Mitarbeiter werden sich ihre Firmen und Büros nach diesen Kriterien aussuchen“, meint Stückler.
WEITERE INFORMATIONEN UNTER
www.wiesner-hager.com; www.neudoerfler.com; www.tecno.at
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2012)
Erfahrung aus der Praxis
Uns wurde dieser Unsinn aufgezwungen.Jetzt haben meine Leute Großraumbüros anstatt der 4er Zimmer, darin sollen sie komplizierte SW entwickeln.
Bis zu 64 Pers pro Büro, darunter gemischt auch Projektleiter, Sales, etc, also auch MA die den ganzen Tag telephonieren.
5 Pers für 4 Arbeitsplätze (bei gleicher zu bezahlender Grundfläche, wozu also) führte zu massiver Unzufriedenheit bis hin zur Sabotage. Leute wurden zu Teleworking gezwungen obwohls nicht geht (kleine Wohnung mit Frau und 2 Kinder zuhause)
Nach 2 Jahren Erfahrung:
- Fluktuation um 50% gestiegen (gerade die guten MA)
- Krankenstände verdoppelt
- Fehlleistungkosten verdoppelt
- MA Zufriedenheitsumfrage hat nur mehr 30% Beteiligung
Wir schaffen es nicht mehr ein Projet termingerecht abzuschließen!
Jene, die das angeordnet haben, die sitzen in holzgetäfelten 30m2 Einzelbüros im 1. Bez.
Arbeitssuchende! Wenn ihr einen Job in so einem Stall angeboten bekommt, dann GEHT, GEHT!





