Rund um Wien wird Wohnen teurer
28.09.2012 | 16:51 | Von patrick baldia (DiePresse.com)
Für Nachschub am Wohnungsmarkt im Speckgürtel sorgen überwiegend frei finanzierte Projekte. Bezirke Mödling und Baden werden besonders nachgefragt.

Die starke Nachfrage nach Immobilien in den Bezirken Baden, Mödling, Korneuburg und Wien-Umgebung ist ungebrochen. Der sogenannte Speckgürtel rund um Wien punktet mit hoher Lebensqualität dank dem vielen Grün, der guten Infrastruktur und nicht zuletzt der Nähe zur Stadt. Diese Faktoren schlagen sich naturgemäß in den Preisen nieder, die im Wesentlichen dem Niveau der Bundeshauptstadt entsprechen – mitunter sogar darüber liegen.
Für Bernhard Reikersdorfer, Geschäftsführer von Remax Österreich ist einer der Hauptgründe für die starke Nachfrage rund um Wien die Sehnsucht nach dem Grünen, speziell am Wochenende. „Gleichzeitig ist in diesen Bezirken die Entfernung zur Stadt kein Thema“, sagt er. Im gesamten Niederösterreich wurden seinen Angaben zufolge im ersten Halbjahr 2012 knapp 10.000 Immobilien verbüchert, der Transaktionswert liegt bei 1,2 Milliarden Euro. Allein in Baden, Mödling, Gänserndorf, Korneuburg und Wien-Umgebung – und allein im Wohnungssegment – wurden 1100 Objekte im Wert von rund 170 Millionen Euro verbüchert.
„Die Nähe zu einer Metropole und eine gute Infrastruktur bestimmen wesentlich die Preisentwicklung am Wohnungsmarkt in Niederösterreich mit“, bestätigt auch Alexander Ertler, Geschäftsführer der Immobilienplattform Immobilien.net. Schnäppchen darf man sich also in den Gemeinden rund um Wien nicht mehr erwarten, denn die durchschnittlichen Preise liegen durchaus auf Augenhöhe mit jenen in der Bundeshauptstadt, wenn nicht sogar darüber.
Mödling und Korneuburg teurer geworden
So wurde etwa in Korneuburg für Wohnungseigentum (gebraucht und neu) ein durchschnittlicher Quadratmeterpreis von 2500 Euro verlangt, in Wien dagegen nur 2200 Euro, wie aus Transaktionen im ersten Halbjahr 2012 hervorgeht. Gleich viel wie in Wien kostet der Quadratmeter in Wien-Umgebung sowie Mödling, wo im ersten Halbjahr insgesamt 600 Immobilien im Gesamtwert von rund 100 Millionen Euro verbüchert wurden. Der durchschnittliche Immobilienpreis lag in Mödling bei 170.000 Euro, in Wien-Umgebung bei 140.000 Euro.
Wie Reikersdorfer berichtet, seien die Preise für Eigentumswohnungen vor allem in Mödling und Korneuburg im ersten Halbjahr um zehn Prozent gestiegen. Eine nicht unwesentliche Rolle spiele in diesem Zusammenhang die Investitionsnachfrage: Mangels sicherer und zugleich rentabler Alternativen werden Ersparnisse in Immobilien geparkt, begehrte Anlageobjekte sind Eigentumswohnungen. „Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei Weiten“, sagt Wilhelm Fetscher vom Remax-Büro Mödling und hat den Eindruck, dass derzeit selbst Grundstücke aus Investmentmotiven gekauft werden.
Frei finanziert, weniger gefördert
Laut Fetscher ist der geförderte Wohnbau in Niederösterreich stark zurückgegangen. „Die Lücke, die dadurch entstanden ist, muss der frei finanzierte Bereich füllen“, sagt er. Leistbare Objekte seien dennoch nicht leicht zu finden, vor allem angesichts der Tatsache, dass es für die Bauträger immer schwieriger werde, vernünftige Margen zu erzielen. Rege Bautätigkeit gebe es dafür in höherpreisigen Segmenten, wo auch für alle Beteiligten gutes Geld zu verdienen ist.
Wolfgang Amann, Geschäftsführer des Instituts für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW) begrüßt den starken Anstieg an privat finanziertem Wohnbau. Die Österreicher, die – so die Österreichische Nationalbank (OeNB) – über ein Netto-Finanzvermögen von mehr als 300 Milliarden Euro verfügen, seien in der Lage, Wohnbau zu finanzieren. Allerdings berge diese Entwicklung auch Risiken wie hohe Marktschwankungen und steigende Wohnkosten. „Es muss die Aufgabe der Wohnungspolitik sein, den geförderten und frei finanzierten Wohnungsneubau so auszutarieren, dass die kontinuierliche Produktion von Wohnungen nahe am Bedarf sichergestellt ist“, meint er. Die Wohnbauförderung sei in diesem Zusammenhang ein „unverzichtbares Instrument“. Der Rückgang bei den Förderzusicherungen in Österreich ist Teil seiner aktuellen Studie „Effizienzpotenziale in der österreichischen Wohnungspolitik“.
Möglicher Wandel im Waldviertel?
Die starke Nachfrage nach den an Wien angrenzenden Bezirken kann man auch auf der Immobilienplattform Immobilien.net sehen. Besonders beliebt ist Mödling – neun Prozent aller Suchanfragen in Niederösterreich entfielen in den ersten sechs Monaten des Jahres auf diesen Bezirk, gefolgt von Baden und Korneuburg mit sieben beziehungsweise fünf Prozent. Zum Vergleich: Nur ein Prozent der Immobiliensuchenden interessierte sich für ein Objekt in der Landeshauptstadt St. Pölten. Laut Ertler ist vor allem die Nachfrage nach dem nördlichen Waldviertel schwach ausgeprägt. „Hier könnten die Image- und Infrastrukturprojekte einen Wandel herbeiführen“, sagt er. Denn hier gebe es durchaus noch Immobilien zu günstigen Preisen. Das könnte wiederum Interessenten auf den Plan rufen.
Die Presse, Print-Ausgabe, 29.09.2012






