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Verkaufe Finanzamt: BIG sucht neue Nutzer für acht Häuser

10.10.2012 | 13:13 |  HEDI SCHNEID (Die Presse)

Mit dem Finanzzentrum Wien Mitte werden 60.000 Quadratmeter frei: Mitte Dezember beginnt die Übersiedlung von 1900 Wiener Finanzbediensteten aus sieben Finanzämtern in das neue Finanzzentrum Wien Mitte (FZWM).

Finanzzentrum Wien Mitte

Wien. Noch wird gehämmert, gebohrt und geschweißt – aber Mitte Dezember beginnt die Übersiedlung von 1900 Wiener Finanzbediensteten aus sieben Finanzämtern in das neue Finanzzentrum Wien Mitte (FZWM). Für die alten, in ganz Wien verteilten Standorte arbeitet die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) an einem Nachnutzungsplan. Denn jeder Tag Leerstand der rund 60.000 Quadratmeter kostet die BIG und damit den Staat Geld in Form von Mietausfällen.

Fix ist: Alle freien Gebäude (Josefstädter Straße, Nußdorfer Straße, Schottenfeldgasse, Seidengasse, Ullmannstraße, Kriehubergasse, Radetzkystraße und Erdbergstraße) werden in die neue BIG-Tochter Austrian Real Estate (ARE) eingebracht. Das bestätigte BIG-Sprecher Ernst Eichinger der „Presse“.

 

Büros oder Hotels

Diese seit 1. Oktober aktive Gesellschaft soll jene 600 unter ihrem Dach gebündelten Liegenschaften der BIG (25 Prozent aller Bundesimmobilien) mit einem Gesamtwert von rund zwei Mrd. Euro optimal vermarkten. Die in der BIG verbleibenden 75 Prozent sind Schul- und Universitätsgebäude sowie Strafanstalten. „Die ARE verschafft uns Chancengleichheit mit privaten Anbietern“, so Eichinger.

Zurück zu den alten Finanzämtern: Die zwei Standorte Kriehubergasse und Ullmannstraße sollen verkauft werden. In die Nußdorfer Straße dürften Büros oder ein Hotel kommen. An dem modernen Komplex Erdbergstraße zeigen der Republik nahestehende Institutionen Interesse.

Für das Barockpalais in der Josefstädter Straße gibt es mit dem Institut für Höhere Studien (IHS) einen prominenten Interessenten. Das IHS will aus seinem teilweise baufälligen Gebäude nahe dem Westbahnhof ausziehen. Das schmucke Palais Strozzi, das zwischen 1699 und 1702 für Gräfin Maria Katharina Strozzi, geborene Khevenhüller, errichtet worden ist, wäre dem IHS gerade recht. Das Finanzamt für den 8., 16. und 17. Bezirk residiert dort seit 1940.

Die Konzentration der Wiener Finanzämter im FZWM, das den letzten Baustein des Großprojekts „Finanz-City“ bildet, geht auf die Initiative von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser zurück. Auf sein Betreiben erfolgte auch die Übersiedlung des Handelsgerichts und des Bezirksgerichts Wien in den benachbarten „Justiz-Tower“. Überdies siedelte das Finanzministerium interimistisch (während der nun abgeschlossenen Generalsanierung der Gebäude in der Himmelpfortgasse) in die ebenfalls benachbarte Hintere Zollamtsstraße. „Justiz-Tower“ und Zollamtsstraße waren auch Thema im Korruptionsausschuss. Es ging um die Rolle von Grasser, dem Immobilienmakler Ernst Karl Plech und dem ehemaligen Porr-Generaldirektor Horst Pöchhacker bei der Vergabe und um Provisionen.

 

Kritik an den Mietkosten

Auch bei der Konzentration der Finanzämter, die mit Einsparungen argumentiert wird, gibt es Kritik. Und zwar nicht nur von den Mitarbeitern, die jetzt in Großraumbüros sitzen. Es geht einmal mehr um die Kosten, die das Finanzministerium unter Verschluss hält. Dem Vernehmen nach soll die Miete für die Hälfte der bisherigen Fläche gleich hoch sein. Überdies fließt sie nicht mehr an die BIG, sondern die „Wien Mitte Immobilien GmbH“, die der Bank Austria und der ihr nahestehenden BAI gehört.

Auf einen Blick

Im Finanzzentrum Wien Mitte werden fast alle Wiener Finanzämter auf einen Standort konzentriert. Damit werden rund 60.000 Quadratmeter Fläche frei, für die die Bundesimmobiliengesellschaft dringend neue Mieter oder Käufer sucht. Kritik gibt es an den hohen Mietkosten des neuen Finanzzentrums.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2012)