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Flughafen baut neues Hotel

30.10.2012 | 10:50 |  HEDI SCHNEID (Die Presse)

Der Flughafen Wien hat neben einer dritten Piste gleich mehrere Großprojekte im Visier: In Schwechat soll ein zweites Hotel entstehen. Auch ein Gewerbepark ist geplant.

Flughafen baut neues Hotel

Wien. Noch sind die Adaptierungsarbeiten an dem im Juni eröffneten Terminal Check-in-3 (Skylink) nicht abgeschlossen. Aber die Kräne werden das Bild der „Großbaustelle Flughafen“ noch viele Jahre prägen. Denn der Flughafen Wien plant – abseits des Megaprojekts der dritten Piste – noch einige neue Großprojekte. Dazu gehört in erster Linie ein neues Hotel auf dem Airport-Areal. „Wir prüfen gerade, ob wir das Hotel selbst bauen und dann einen Betreiber suchen oder auch das Baurecht vergeben – demnächst wollen wir die Ausschreibung starten“, kündigt Flughafenvorstand Günther Ofner im Gespräch mit der „Presse“ an.

Ofner ist überzeugt, dass der Flughafen ein zweites Hotel verträgt. Zumal man heuer trotz der sich eintrübenden Wirtschaftslage von einem Anstieg der Passagierzahlen von rund fünf Prozent auf 22,3 Millionen Reisende ausgeht. Das derzeit einzige Hotel, das NH Vienna Airport, verfügt über 500 Zimmer.

Ein weiteres Vorhaben betrifft einen Gewerbepark. Der Flughafen besitzt in der Nachbarschaft bei Fischamend eine 14 Hektar große Liegenschaft. „Diese würde sich für die Ansiedlung vor allem von Logistikunternehmen ideal eignen“, sagt Ofner.

Der dritte große Brocken ist der im Zuge der Skylink-Verzögerung auf Eis gelegte Fernzüge-Bahnhof. Er entsteht unter der alten Ankunftshalle und soll 2014 in Betrieb gehen. Die Kosten, deren Höhe nicht bekannt gegeben wird, teilt sich der Flughafen mit den ÖBB. Damit erhält der Flughafen Wien die seit Langem ausstehende Bahnanbindung nach Westen. Nach Süden (Graz) und Osten (Budapest) wird man jedoch weiterhin über die Stadt reisen müssen. Denn die sogenannte Götzendorfer Spange (Verbindung zwischen dem Flughafen und der Ostbahn) wurde wegen Budgetknappheit schubladisiert.

Viel Geld steckt der Flughafen auch in die Renovierung der alten Gate- und Check-in-Bereiche. Die Adaptierung des Terminals 1 um rund sechs Mio. Euro ist schon im Gang, das Ergebnis steht ab 2013 Air Berlin und Niki zur Verfügung. Der provisorische Terminal 1A bleibt jedoch noch in Betrieb. Dorthin übersiedeln die Airlines, die derzeit im Terminal 2 untergebracht sind. Ob dieser älteste Teil des Flughafens neu gebaut oder generalsaniert wird, soll im Frühjahr 2013 entschieden werden. Je nach Variante schätzt Ofner die Kosten auf einen zwei- bis dreistelligen Millionenbetrag. Deutlich zweistellig schlägt auch die Sanierung der beiden alten Pisten zu Buche, die 2013 abgeschlossen sein soll.

Ofner ist dennoch überzeugt, dass der im Zuge des Sparkurses von 650 auf 590 Mio. Euro reduzierte Investitionsrahmen bis 2015 hält. Denn die Kosten würden ja auf mehrere Jahre verteilt. Der Überlegung, durch Immobilienverkäufe Geld hereinzuspielen, erteilt Ofner eine Absage. Der Flughafen-Aktionär Petrus Advisers (Hauptaktionär bei Conwert) hat dem Flughafen vor Monaten ein Kaufangebot für Parkhäuser und Büros gemacht und dieses Ansinnen wiederholt. Das gehe schon aus rechtlichen Gründen nicht, weil der Flughafen über Flächen innerhalb der Zivilflugplatz-Grenze die Verfügungsgewalt haben müsse, sagt Ofner. Außerdem wolle man Parkhäuser aus strategischen Überlegungen selbst betreiben.

 

Verzögerung bei dritter Piste?

Was die Kosten für die dritte Piste betrifft, glühen gerade die Rechenstifte. Bis Jahresende soll eine detaillierte Bewertung vorliegen. Die Benchmark ist München: Dort wurden 1,5 Mrd. Euro veranschlagt (die Piste wird vorerst nicht gebaut). „Wir haben die Ambition, darunter zu bleiben“, sagt Ofner. Noch ist die endgültige Entscheidung zum Bau aber lange nicht gefallen. Und sie könnte sich auch über 2014/15 hinaus verzögern. Denn der Umweltsenat, der bei den 25 Berufungen gegen den positiven UVP-Bescheid nun am Wort ist, wird am 31. Dezember 2013 aufgelöst. Die Aufgaben übernehmen Höchstgerichte. „Wenn bis dahin keine Entscheidung vorliegt, müssen sich die neuen Behörden erst einarbeiten und das kostet Zeit“, fürchtet Ofner.

Auf einen Blick

Der Flughafen Wien möchte ein zweites Hotel am Airport-Areal errichten, weil von steigenden Passagierzahlen ausgegangen wird. Weitere Großprojekte, die derzeit in Planung sind: ein Gewerbepark, der für Logistikunternehmen interessant sein dürfte, sowie eine Bahnanbindung nach Westen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2012)