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Mieten in Österreich stiegen seit Jahr 2000 stärker als die Löhne

14.11.2012 | 18:16 |   (Die Presse)

Zwei Studien der Arbeiterkammer über Probleme auf dem Wohnungsmarkt. Die Wiener AK fordert eine Totalreform des Mietrechts. Die Mieten belasten besonders junge Familien.

Wien/Stu. Nach dem Vorstoß der grünen Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou, Nettomieten in Wien gesetzlich auf maximal sieben Euro pro Quadratmeter zu begrenzen, stieg am Mittwoch auch die Arbeiterkammer Wien (AK) in den Ring. Weitergehend als Vassilakou wird eine Totalreform des Mietrechtes gefordert: „Die hohen Mieten belasten die Mieter und Wohnungssuchenden schon jetzt enorm, besonders junge Familien“, erklärt Gabriele Zgubic, Leiterin der AK Konsumentenpolitik.

„Sie werden für das Wohnen immer stärker zur Kasse gebeten – so kann es nicht weitergehen“, so Zgubic, die ihre Aussagen mit zwei Studien untermauert, die vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und der TU Wien erstellt wurden. Die Kernaussagen der beiden Studien:

• Mieten steigen stark. In elf Jahren (von 2000 bis 2011) sind die Mieten, hauptsächlich auf dem privaten Sektor, um 40 Prozent gestiegen. Die allgemeine Teuerungsrate lag in diesem Zeitraum allerdings nur bei 25 Prozent, die Lohnerhöhungen bewegten sich ebenfalls im Bereich der Inflation. Damit sind die Mieten um rund zwei Drittel stärker gestiegen als die Inflationsrate oder die Löhne. Noch deutlicher ist der Vergleich der Jahre 2005 bis 2011 nach Mietobjekten. In dieser Zeit stiegen die Mieten auf dem privaten Markt um 28 Prozent, während Mieter in Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen nur 13 Prozent mehr zahlen mussten.

Kritik kommt von der SP-dominierte AK auch an der Höhe der Betriebskosten. Pikant: Gerade in Wien hat die rot-grüne Stadtregierung die Betriebskosten durch massive Gebührensteigerungen deutlich in die Höhe getrieben und das Wohnen verteuert.

• Befristete Wohnungen teuer. Die Studien registrierten den klaren Trend, dass auf dem privaten Markt (im Gegensatz zu Gemeinde-/Genossenschaftswohnungen) immer mehr Wohnungen nur befristet vergeben werden: Im Vorjahr wurden fast zwei Drittel der Neuvermietungen im privaten Sektor nur mehr mit einem befristeten Mietvertrag vergeben. Auch hier werden (ungerechtfertigte) Höchstpreise verlangt – obwohl sie billiger als unbefristete Wohnungen sein sollten. Die Wifo-Studie hält fest: „Den Abschlag für befristet vergebene Wohnungen, wie das im Mietrechtsgesetz vorgesehen ist, gibt es in der Praxis nicht.“ In Zahlen: Befristete Wohnungen kosten in Wien 9,50 Euro/m2 während unbefristete Wohnungen mit 8,70 Euro/m2 laut Studie sogar billiger sind. In Österreich (ohne Wien) sind beide Mietformen mit 7,90 Euro/m2 gleich. Auch sind die Mieten in Österreich in den vergangenen elf Jahren stärker gestiegen als im EU-Durchschnitt. Deshalb fordert Zgubic, dass mit dem Zulagendschungel, also den schwammig definierten Aufschlägen für Lage, Stockwerk etc. (siehe auch unten), aufgeräumt wird – in Form einer neuen gesetzlichen Regelung.

• Ausgaben für Wohnbau sinken. Die Studien haben auch festgestellt, dass die gesamten Wohnbauausgaben in Österreich zwischen 2010 und 2011 von 2,95 auf 2,66 Milliarden Euro gesunken sind. In anderen Worten: Es wird weniger gebaut, was die Nachfrage (und damit die Preise) in die Höhe treibt.

• Hohe Grundstückspreise. Gleichzeitig sind die Grundstückspreise in Wien massiv gestiegen, womit Wohnungen deutlich teurer wurden. Kostete im Jahr 2000 ein Quadratmeter Boden durchschnittlich noch 575 Euro, waren es 2010 knapp 1000 Euro. Damit haben es gemeinnützige Wohnbauträger besonders schwer. Sie dürfen pro Quadratmeter höchstens 235 Euro investieren, um noch niedrige Mieten anbieten zu können.

(c) DiePresse

„Billigere Miete ohne Parkplatz“

Der VCÖ forderte in diesem Zusammenhang am Mittwoch, dass die Stellplatzverpflichtung aufgehoben wird. Derzeit muss bei einem Neubau pro Wohnung ein Pkw-Parkplatz gebaut werden. Bei einem Fallen dieser Verpflichtung würden Wohnungen billiger werden, so der VCÖ. Wo das Auto geparkt werden kann, bleibt offen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.11.2012)