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Kleiner und städtischer

21.12.2012 | 16:56 |  von Tanja Rudolf (Die Presse)

Österreichischer Verband für Immobilienwirtschaft sieht starke Nachfrage bei Wohnungen mit „stimmigem Gesamtpaket“.

Altbau

Niedrige Zinsen und die Angst vor einer Geldentwertung machten Wohnimmobilien auch 2012 zu einer der beliebtesten Veranlagungsformen: „Sie werden in Ermangelung anderer sicherer Alternativen sowohl bei Privaten als auch bei Institutionellen weiterhin eine wichtige Rolle spielen“, meinte Margret Funk, Vorstandsmitglied im Österreichischen Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI) bei der Jahrespressekonferenz vor Kurzem in Wien. Wohnungen bleiben weiterhin im Trend, da in Städten wie Wien, Salzburg oder Graz von einer wachsenden Nachfrage auszugehen ist. Funk rechnet mit einem geringeren Preisanstieg als zuvor – einem Plus von etwa fünf Prozent. „Die Menschen wollen ihr Geld sicher in Immobilien parken“, konstatiert Andreas Wollein, Immobilienexperte und Geschäftsführer von Realpartners. „Auch wenn die Preisdynamik beachtlich war, sehen wir keine Gefahr einer Blasenbildung.“

Aktuell kostet in Wien eine neu errichtete Eigentumswohnung im Schnitt 3802 Euro/m2, eine gebrauchte 2700 Euro; im ersten Bezirk liegt der Durchschnitt bei 8189 Euro, Luxusobjekte reißen mit 25.000 Euro nach oben aus. Künftig sehen Experten aber etwas ruhigeren Zeiten entgegen: „Wir rechnen nicht mit einem Fallen der Preise, aber mit einem Abflachen der Preiskurve“, so Wollein. „Das Interesse an Immobilien ist ungebrochen, der große Ansturm der letzten Jahre dürfte jedoch vorbei sein“, blickte Funk voraus.

Mieten um 25 Prozent teurer


Vergleicht man Eigentumspreise mit Mieten bei Neuabschlüssen, tut sich eine große Schere auf: Eigentumswohnungen legten in Wien in den letzten zwölf Jahren um 80 Prozent zu, Angebotsmieten jedoch nur um 25 Prozent im selben Zeitraum. Letzteres sei auf eine starke Zunahme an Mietwohnungen außerhalb der Mietrechtsgesetzpreisbindung und auf eine sukzessive Verschiebung zu Wohnungen mit höherem Wohnwert zurückzuführen, erläuterte Anton Holzapfel, ÖVI-Geschäftsführer. Gestiegene Ansprüche bringen umfangreiche Investitionen in Ausstattung und Qualität der Objekte mit sich. „Um einen entsprechenden Mietpreis zu erzielen, muss das Gesamtpaket stimmig sein: vom Grundriss, Zustand und Ausstattung der Wohnung und des Gebäudes bis zur Umgebung und der Bewohnerstruktur des Hauses“, erklärte Elisabeth Rohr vom gleichnamigen Immobilienunternehmen. Eine Kategorie-A-Wohnung sei heute Standard, der Mietermarkt müsse sich am Prinzip von Leistung und Gegenleistung orientieren.
Vor allem innerstädtische Bezirke und kleinere Wohneinheiten seien sehr begehrt, bei denen liegen die Nettomieten zwischen sechs und 25 Euro/m2.
Was die Preisentwicklung bei den Richtwertmieten betrifft – wie sie etwa in den Wiener Jahrhundertwendehäusern zum Tragen kommen – verlaufen Neuvermietungen sogar unterhalb des Inflationsniveaus, meinte Holzapfel. Wobei sich der Richtwert (5,16 Euro/m2) zwischen den neuen Vermietungen laufend der Inflation anpasst. Die Mieten hätten sich von 2005 bis 2011 jährlich um 1,8 Prozent erhöht, während der Verbraucherpreisindex um 2,6 Prozent zugelegt habe. Eine Obergrenze, wie sie Vizebürgermeistern Maria Vassilakou fordert, lehnt der ÖVI ab: „Eine Deckelung darf es einfach nicht geben“, so Holzapfel, denn 50 Prozent aller Mietwohnungen in Wien seien ohnedies im sozialen Wohnbau verankert.