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Zentrales Wohnen wird noch teurer

03.01.2013 | 16:24 | Von Beate Lammer (Die Presse)

Die Mieten bei Neuvermietung sind 2012 in die Höhe geschnellt. Heuer sollen die Preise moderater steigen. Altmieter wohnen deutlich günstiger.

[Wien] Wer kürzlich eine Wohnung bezogen hat oder noch auf der Suche ist, den dürfte der folgende Satz kaum überraschen: Wohnen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verteuert. Das trifft vor allem auf die Eigentumspreise, aber auch auf die Mieten zu. Laut dem Immobilienportal FindMyHome.at müssen sich potenzielle Wiener Mieter, wie berichtet, derzeit auf 14,45 Euro pro Monat und Quadratmeter einstellen, um 30 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Der Österreichische Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI) geht von geringeren Zahlen aus: Neue Wiener Mieter zahlten demnach im Jahr 2011 im Schnitt 8,2 Euro pro Monat und Quadratmeter. „Die Presse" erklärt, wer wie viel zahlt, wie es mit den Preisen heuer weitergeht und warum zentrales Wohnen noch teurer wird.

Wie hoch ist die Miete eines durchschnittlichen Haushalts?

Laut Statistik Austria betrug der durchschnittliche Wohnungsaufwand pro Mieterhaushalt (Miete und Betriebskosten) im dritten Quartal des Vorjahres 6,63 Euro pro Monat und Quadratmeter. Burgenländer zahlten mit 4,92 Euro am wenigsten, Salzburger mit 8,18 Euro am meisten. Wiener Haushalte liegen mit 6,76 Euro im Mittelfeld. Der Wert wird jedoch von günstigen Altmieten nach unten gedrückt. Wer neu mieten will, muss tiefer in die Tasche greifen.

Was zahlt man, wenn man neu eine Wohnung mietet?

Der Österreichische Verband der Immobilienwirtschaft hat kürzlich Zahlen vorgelegt, die auf Berechnungen von Wifo und Statistik Austria basieren. Demnach zahlten neue Wiener Mieter im Jahr 2011 durchschnittlich 8,2 Euro brutto pro Monat und Quadratmeter. Am wenigsten mussten Genossenschaftsmieter mit 6,6 Euro berappen, gefolgt von neuen Gemeindebaumietern (6,7 Euro) und Altbaumietern (8,6 Euro). Wer auf dem freien Markt eine Wohnung anmieten musste, für die keine gesetzlichen Mietobergrenzen gelten, zahlte 10,3 Euro. Bei solchen Wohnungen gab es auch die stärksten Steigerungen: Zwischen 2005 und 2011 kletterten dort die neuen Mieten um 46,7 Prozent.

Warum schnellen die Angebotspreise auf Onlineplattformen so steil in die Höhe?

Laut dem Immobilienportal FindMyHome.at müssen sich potenzielle Mieter in Wien im Schnitt auf 14,45 Euro brutto pro Monat und Quadratmeter einstellen. Das liegt deutlich über den Wifo-Berechnungen, was mit der höheren Qualität der Objekte zusammenhänge, meint man bei FindMyHome.at. Bei den Anbietern handle es sich überdurchschnittlich oft um Bauträger, die neue Objekte feilbieten. Zudem sind die inserierten Preise Angebotspreise.

Kann man die Angebotspreise herunterverhandeln?

Handelt es sich um kleinere, zentral gelegene Wohnungen, dürfte das schwierig werden, heißt es bei FindMyHome.at. Bei sehr großen Wohnungen gab es zuletzt allerdings oft Leerstände. Wer eine solche Wohnung anmieten will, sollte versuchen, die Miete herunterzuverhandeln.

Unter welchen Umständen kann man die Miethöhe beeinspruchen?

Das kann man im geschützten Bereich tun, wenn die Wohnung in den Vollanwendungsbereich des Mietrechtsgesetzes fällt, also im Altbau. (Bei anderen Objekten kann man theoretisch die Angemessenheit der Miete oder das Vorliegen von Wucher überprüfen lassen, in der Praxis sind solche Nachweise schwierig.) Im Altbau zahlt man meist den Richtwert, der je nach Bundesland unterschiedlich hoch ist und in Wien 5,16 Euro pro Monat und Quadratmeter beträgt. Dazu kommen Zuschläge für Lage und Ausstattung. Einen Überblick, ob die verlangte Miete gerechtfertigt ist, bekommt man auf www.wien.gv.at/richtwert/anfrage. Hat ein Mieter den Eindruck, dass er zu viel bezahlt, kann er sich an die Schlichtungsstelle wenden und die Höhe beeinspruchen. Bei einem befristeten Mietvertrag hat man dafür bis zu einem halben Jahr nach Beendigung des Mietverhältnisses Zeit. Bei einem unbefristeten Mietvertrag muss man die Miethöhe binnen drei Jahren nach Abschluss des Mietvertrags anfechten. Sonst gilt sie als akzeptiert.

Wie werden sich Mieten und Preise heuer entwickeln?

Der Immobilienmakler-Verbund Remax rechnet heuer mit einem weiteren Preisanstieg, der aber nicht mehr so steil ausfallen dürfte. Im Schnitt sollen Immobilien in Österreich um 2,8 Prozent teurer werden. Im Detail dürften sich zentrale Eigentumswohnungen um 5,9 und zentrale Mietwohnungen um 4,7 Prozent verteuern, gefolgt von Grundstücken (3,9) und Eigentumswohnungen am Stadtrand (2,3 Prozent). Billiger werden Eigentums- und Mietwohnungen auf dem Land sowie Gewerbeobjekte.

Warum steigen die Gewerbemieten nicht so stark?

Das Angebot an Büros ist groß, die Unternehmen halten sich angesichts der schwachen Konjunktur mit Neuanmietungen zurück. Alois Reikersdorfer von Remax rät Mietern, nachzuverhandeln. „Vielen Vermietern ist die Problematik, einen guten Mieter zu finden, durchaus bewusst."

 


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