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Damit der Zweitwohnsitz nicht zur Belastung wird

29.03.2013 | 18:35 |  von Elke Jauk (Die Presse)

Im Vorfeld sollten laufende Kosten kalkuliert und Vor-Ort-Recherchen gemacht werden – in Österreich und anderswo.

Kein Platz fuer rosarote

Wenn der Traum vom Haus mit Meer- oder Bergblick in Erfüllung geht, das Refugium für ausgedehnte Mußestunden gefunden ist, dann mag man nur ungern an etwaige Unannehmlichkeiten denken. „Viele sind beim Kauf eines Zweitwohnsitzes in Urlaubsstimmung und haben die rosarote Brille auf. Der Traum kann jedoch schnell zur Last werden, wenn man nicht vorausschauend handelt“, gibt Immobilienexperte Peter Marschall zu bedenken. Zuallererst sollte man sich eingehend selbst befragen, ob man ein vernünftiges Maß an Zeit für das Objekt der Begierde aufbringen kann: „Schafft man es nur zwei, drei Wochen im Jahr, ist eine Anschaffung nicht wirklich sinnvoll. Man darf die laufenden Kosten nicht unterschätzen.“

 

Kostspieliges „Hobby“

Nicht nur, aber vor allem im Ausland gilt die Empfehlung, Experten für Details zu Ankaufsmodalitäten, Nebenkosten und steuerlichen Fragen zurate zu ziehen. Außerdem verursachen Pflege und Erhaltung des Besitzes oft ein größeres Loch in der Geldbörse als gemeinhin angenommen. Bei größeren Wohnungen sind durchaus 1000 bis 1500 Euro pro Monat an laufenden Kosten zu kalkulieren, im Fall von Villen auch Beträge von mehreren tausend Euro.

Was das bedeutet, weiß Raimund Kogler am besten, der im oststeirischen Burgau ein historisches Herrenhaus mit 1200 Quadratmetern Wohnfläche und 2,6 Hektar großem Park erworben hat. Allein der Frühjahrsputz im Haus umfasse mehrere Tage, Dachziegel wollen erneuert, Baumschnitt und Rosenpflege erledigt werden, erzählt er. „Wenn man Dinge besitzt, muss man sich darum kümmern – je größer der Besitz, desto größer ist das Kümmern.“

 

Eine Frage der Infrastruktur

In entlegenen Gegenden am anderen Ende des Erdballs sollten romantisch verklärte Vorstellungen vom perfekten Robinson-Refugium zudem vermeintlich banalen, aber essenziellen Fragen nach der Infrastruktur weichen. Ist im Fall des Falles beispielsweise ein Installateur greifbar, der einen etwaigen Wasserrohrbruch schnell reparieren kann? Findet sich das Objekt in einer Ferienanlage, sind dem Käufer einige Sorgen abgenommen. Leistungen wie Reinigung, Concierge-Services und Annehmlichkeiten eines Hotels können vor Ort genutzt werden. Allerdings ist der Resortcharakter nicht jedermanns Sache.

Bewohnt man lieber eine Villa mit Garten, will auch Personal angeheuert werden – gerade in High-End-Destinationen wie Südfrankreich sind Arbeitskräfte entsprechend teuer, so Marschall. Elisabeth Rauscher von Finest Homes Immobilien verweist auf eine Besonderheit im heimischen Ferienimmobiliensegment: Zweitwohnsitze mit Vermietungsverpflichtung, die sich in attraktiven Sportregionen befinden. „Objekte mit Vermietungsverpflichtung müssen abhängig von der Auflage der jeweiligen Gemeinde für einen gewissen Zeitraum vermietet werden. Damit stellt die Gemeinde sicher, dass die Ortschaft belebt bleibt und regelmäßige Einnahmen erzielt werden.“

International wird von der österreichischen Interessentenschar der Süden Europas von Spanien über Frankreich bis Italien bevorzugt und wegen seiner klimatischen Verhältnisse geschätzt. Sollte die Anreise kürzer ausfallen, fällt die Wahl oft auf die Seengebiete in Salzburg und Kärnten. Auch der Neusiedler See boomt, Spitzenpreise von 7000 bis 8000 Euro pro Quadratmeter zeugen davon. Individualisten suchen im Schneeberg-Semmering-Rax-Gebiet, im Waldviertel und Kamptal.

 

Von der Provinz in die Stadt

In Wien umfasst die Zweitwohnsitzklientel gut situierte Menschen im besten Alter aus den Bundesländern. „Sie haben ihr Unternehmen verkauft, sind in Pension, aber sehr agil und möchten das kulturelle Leben in der Bundeshauptstadt genießen“, berichtet Martin Müller von JP Immobilien. Ein Hotel sei da nicht mit der Intimität der eigenen vier Wände zu vergleichen. Gesucht werden vorrangig Zwei- oder Drei-Zimmer-Wohnungen im Altbau in innerstädtischer Lage, wobei es nicht unbedingt die City sein muss.

Die internationale Klientel aus dem arabischen und osteuropäischen Raum, die einen Zweit- oder Drittwohnsitz erwerben will, setzt dagegen fast ausschließlich auf den ersten Bezirk und Wohnungen jenseits von 100 Quadratmetern.

Die Checkliste

Fragen von Relevanz:

Wie viel Zeit kann und will man am Zweitwohnsitz verbringen – und wie aufwendig darf die Anreise sein?

Laufende Kosten im Vorfeld kalkulieren.

Im internationalen Umfeld ist es ratsam, für Ankaufsmodalitäten und steuerliche Fragen Experten zurate zu ziehen.

Wie ist die Infrastruktur vor Ort? Gibt es Handwerker, Nahversorger, Nachbarn?

Vertrauenspersonen, die ab und zu nach dem Rechten sehen, sind empfehlenswert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.03.2013)