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Österreicher bauen immer weniger Häuser

24.04.2013 | 12:46 |   (DiePresse.com)

Das Land stehe aber international noch gut da, sagen die Wirtschaftsforscher. Eine Initiative fordert eine zusätzliche Milliarde Euro für den Wohnbau.

In den kommenden Jahren erwartet das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) rückläufige Baubewilligungen für neue Wohnungen. Vom kurzfristigen Höchststand 2011 mit 43.200 Einheiten habe es 2012 schon ein Minus von gut acht Prozent auf 39600 gegeben. Heuer werde es noch einmal um fünf Prozent bergab gehen auf 37.400 Bewilligungen. 2014 sagt das Wifo nur mehr 36.900 Bewilligungen voraus. Der Rückgang 2012 habe vor allem Einfamilienhäuser betroffen.

Das Wifo hebt auch ein deutliches Ost-West-Gefälle bei den Wohnbauten innerhalb Österreichs hervor. Zwischen 2006 und 2011 wurden im Westen mit knapp sechs Einheiten je 1.000 Einwohnern die meisten neuen Wohneinheiten bewilligt. "Das hängt mit der guten Einkommensposition, der soliden Arbeitsmarktsituation und dem dynamischen Haushaltswachstum zusammen" analysiert Wifo-Expertin Andrea Kunnert. In Ostösterreich gab es nur 4,5 Baubewilligungen je 1.000 Einwohner - hier ist allerdings das Burgenland die sprichwörtliche Ausnahme zu dieser Regel: 2011 gab es 7,1 Baubewilligungen je 1.000 Einwohner.

(c) APA Rueckgang Wohnungsneubau setzt sich

(c) APA Rueckgang Wohnungsneubau setzt sich

Dabei stehe Österreich aber in internationalen Vergleich gut da, relativiert ein am Mittwoch veröffentlichter Wifo-Bericht. Denn pro 1.000 Einwohnern sind das auch 2014 immer noch 4,3 Wohneinheiten, in den 19 Euroconstruct-Ländern werden hingegen voraussichtlich 2012 bis 2014 jährlich nur 3,2 Wohneinheiten je 1.000 Einwohner gebaut.

Zusätzliche Milliarde gefordert

Dennoch fordert die "Initiative Umwelt und Bauen", dass eine Milliarde Euro zusätzlich für den Wohnbau aktiviert werden. Josef Muchitsch, SPÖ-Abgeordneter und Chef der Gewerkschaft Bau/Holz, stellt sich in seiner Funktion als Sprecher der Initiative vor, dass 800 Millionen Euro in den Neubau und 200 Millionen Euro in die Sanierung gesteckt werden sollen. Auch will er die Zweckwidmung der Wohnbaugelder wieder einführen, davon erhofft er sich die Aktivierung von drei Milliarden Euro, hieß es im "Morgenjournal".

Die dafür nötigen Mittel sollen zur Hälfte als Kredite der Europäischen Investitionsbank (EIB) fließen, 300 Millionen Euro sollen von Pensionskassen investiert werden und 200 Millionen Euro sollen aus dem Budget über eine Aufstockung des Bundessanierungsschecks kommen, sagte Muchitsch.

Dabei will er ausschließlich österreichische Firmen mit in Österreich angemeldeten Arbeitern bei Aufträgen mit öffentlichen Geldern zum Zuge kommen lassen. Er geht davon aus, dass das EU-rechtlich zulässig ist, weil es eine Entscheidung des EU-Gerichts gebe, wonach die regionale Arbeitsvergabe bei überdurchschnittlich hoher Arbeitslosigkeit zulässig ist. Und Anfang des Monats sei die Arbeitslosigkeit am Bau um 27,2 Prozent höher gewesen als vor einem Jahr.

(APA)