Idealbild: Was ein Makler können sollte

17.03.2015 | 10:42 |  Patrick Baldia (Die Presse)

Der moderne Makler ist kein Vermittler, sondern ein Berater. Er ist sozial kompetent, informiert seriös und betreut den Kunden auch dann noch, wenn der Vertrag unterzeichnet ist.

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Trotz großer Anstrengungen seitens des Gesetzgebers und der Standesvertretungen gibt es unter den heimischen Immobilienmaklern nach wie vor Akteure, die nicht seriös arbeiten und dadurch dem Ruf der ganzen Branche Schaden zufügen. Laut Experten reicht die Palette an schwarzen Schafen vom Einzelkämpfer bis hin zum großen Maklerbüro. Angehenden Immobilienkäufern oder -mietern empfehlen die Fachleute, sich daher an einer Reihe von Kriterien zu orientieren, um die Seriosität eines Maklers richtig einschätzen zu können. Aussagekräftige Indizien für Qualität und Sicherheit gibt es nämlich genügend.

Vertrauen auf den ersten Blick

Bevor man sich in die Hände eines Maklers begibt, tut man gut daran, sich in seinem Umfeld über gute und schlechte Erfahrungen schlauzumachen. Ein positiver erster Eindruck lässt sich über den Webauftritt eines Branchenplayers gewinnen. Der sollte möglichst professionell gestaltet sein und vor allem Informationen über die Firmengeschichte und Referenzen enthalten.
Auch die Mitgliedschaft in einer Standesvertretung wie dem Österreichischen Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI) ist ein taugliches erstes Indiz für die Qualität eines Maklers. Wie ÖVI-Präsident Georg Flödl erklärt, haben sich die rund 500 Mitgliedunternehmen nicht nur einem Ehrenkodex unterworfen, der „über die gesetzlichen Standesregeln hinausreicht“, sondern sich auch dazu verpflichtet, im Fall von Problemen an einem Clearing-Verfahren teilzunehmen.

Informationspflichten

„Das rechtliche Korsett für Makler kann als eng bezeichnet werden“, sagt Flödl, der auch als geschäftsführender Partner bei Dr. Funk Immobilien tätig ist. Tatsächlich sind Makler seit dem 13. Juli des Vorjahres gemäß dem Fernabsatz- und Auswärtsgeschäfte-Gesetz (FAGG) dazu angehalten, ihre Kunden bei einem Geschäft außerhalb der Büroräumlichkeiten schriftlich darüber zu informieren, dass sie innerhalb einer Frist von 14 Tagen vom Maklervertrag zurücktreten können. Ein entsprechendes Formular muss zur Verfügung gestellt werden. Weiters muss darauf hingewiesen werden, dass der Makler nur auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden tätig werden kann, und Letzterer bei Erfüllung der Maklervereinbarung vor Ablauf der Rücktrittspflicht sein Rücktrittsrecht verliert. „Ein Makler, der diese Informationspflichten nicht wahrnimmt, ist nicht seriös“, sagt Stephan Pasquali, Geschäftsführer Immo-Contract.
Neben den rechtlichen Vorschriften sollte man bei einem Makler auch gewisse Soft Skills voraussetzen können. „In einem Erstgespräch muss eine genaue Bedarfsanalyse durchgeführt werden“, sagt Bernhard Reikersdorfer, Geschäftsführer von Re/Max Austria. Schließlich handle es sich beim Kauf oder Anmieten einer Immobilie um eine sehr wichtige und vor allem persönliche Entscheidung.
„Ein guter Makler sollte in der Lage sein, sich sehr schnell in den Kunden hineinversetzen zu können“, betont Flödl. Findet sich eine passende Liegenschaft, so gilt es über diese so umfangreich und transparent wie nur irgendwie möglich zu informieren – nicht zuletzt mit Hinblick auf Kosten und Provisionen.

Beraten statt vermitteln

„Ein moderner Makler sollte sich als Berater und nicht als Vermittler verstehen“, hält Pasquali fest. Voraussetzung für eine hoch qualitative Beratungsleistung sei die umfangreiche Aufbereitung der betreffenden Immobilie. Dazu gehört es, alle relevanten Unterlagen zusammenzutragen.
Bei einer Wohnung zählen dazu unter anderem der Grundbuchauszug samt Aufarbeitung von Lasten oder Dienstbarkeiten, Wohnungseigentumsvertrag und Nutzwertgutachten. Auch Einreichpläne, letzte Betriebskostenabrechnungen, Dotierungen der Reparaturrücklage sowie Protokolle der letzten Eigentümerversammlungen sind von Bedeutung. Von einer genauen Dokumentation der Wohnung sowie ansprechenden Fotos ganz zu schweigen.
Eine zusätzliche Aufgabe des Maklers ist es laut Pasquali, auf etwaige Probleme hinzuweisen – etwa wann es sinnvoll ist, einen Steuerberater beizuziehen, damit der Kunde in Bezug auf die Immobilienertragssteuer keine unvorhergesehenen und nicht berücksichtigten Mehrausgaben hat. Gleichzeitig gehört es auch zu einer professionellen Dienstleistung, über Finanzierungsmöglichkeiten zu informieren. „Wer vernünftig arbeitet, wird seine Dienstleistung nach der Erfüllung des Maklervertrags nicht als erledigt sehen und den Kunden unter anderem bei der Koordination von Treuhändern und Notar unterstützen. Und er wird bei der Übergabe dabei sein“, so Pasquali.

Was Sie beachten sollten bei der . . . Maklerauswahl

Tipp 1


Vertrauensbildung. Eine gute Einstiegshilfe ist es, Informationen über den Makler im Bekanntenkreis und beruflichen Umfeld einzuholen. Auf der Website der Wirtschaftskammer kann zudem überprüft werden, ob der Makler überhaupt die rechtlichen Voraussetzungen für die Berufsausübung erfüllt. Vertrauen ist gut, Kontrolle in heiklen Angelegenheiten besser.

Tipp 2


Infos per Klick. Ein tauglicher erster Eindruck lässt sich auch über den Internetauftritt des Maklers gewinnen. Unter die Lupe zu nehmen sind die Firmengeschichte, etwaige Referenzen und insbesondere der Hinweis auf die Mitgliedschaft in einer Standesvertretung wie zum Beispiel dem Österreichischen Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI).

Tipp 3


Dokumentencheck. Die Qualität der Maklerdienstleistung lässt sich unter anderem daran ablesen, wie umfangreich er über die betreffende Immobilie informiert. Die Palette der relevanten Unterlagen, die vom Makler vorgelegt werden sollten, reicht vom Grundbuchauszug über Nutzwertgutachten bis hin zu Protokollen von Eigentümerversammlungen.

 

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www.diepresse.com/meingeld

 

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