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Großformatig bis ins Detail

25.03.2016 | 18:27 |  MADELEINE NAPETSCHNIG (Die Presse)

Hausgeschichte. Die k. k. Telegraphen Centrale am Börseplatz 1 wird zum exklusiven Wohnhaus: mit Sälen und extrahohen Räumen, versteckten Treppenhäusern und einem prächtigen Vestibül.

Das Vestibül der k. k. Telegraphen Centrale, künftig das Entree zu einem Wohnhaus.
Das Vestibül der k. k. Telegraphen Centrale, künftig das Entree zu einem Wohnhaus. / Bild: (c) Dimo Dimov 

Ursprünglich funktionierte das Gebäude wie eine moderne Kommunikationsmaschine. Unzählige Telegrafie-Apparate standen in den über sieben Meter hohen Sälen. Kabel durchzogen den riesigen Rangierraum. Ein Seilschlittenbahn transportierte die Telegramme zur Rohrpost. Kassen und Sprechzellen füllten später das Erdgeschoß. Und damit die vielen Mitarbeiter immer ein gutes, staubfreies Klima an ihrem Arbeitsplatz hatten, war in dem Gebäude eine moderne Heiz- und Ventilationsanlage installiert, die je nach Bedarf kühle oder gewärmte Frischluft ins Gebäude brachte. Heute ist bloß noch der Funkturm in Betrieb, der in den Sechzigern auf das Gebäude gesetzt wurde – und der soll alsbald entfernt werden. Dann werden nur mehr die riesigen Lettern am Sims an die Vergangenheit als k. k. Telegraphen Centrale erinnern.

Ein neues Kapitel schlagen Entwickler Immovate und HBI auf: Das allein stehende, monumentale Objekt am Börseplatz 1 soll sich in ein Wohnhaus (namens Imperial Living) verwandeln, schon wegen der Lage im ersten Bezirk eine exklusive Adresse. Nach etlichen Jahren des Leerstands und der Phase diverser künstlerischer Zwischennutzungen (Paulus Manker etwa führte hier mehrmals seine „Alma“ auf) planen Immovate und HBI gemeinsam mit einem renommierten Team aus Architektur-, Interior- und Denkmalschutzexperten an die 40 Wohnungen in der Größenordnung von 80 bis 500 m. Zusätzlich soll es im Hochparterre noch zwei Büros geben, zu denen der später überdachte Innenhof gehören wird. Im Vorfeld hatte man mehrere Nutzungen, auch für universitäre Zwecke überlegt, bis man sich doch zu Wohnungen entschloss.

In Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt wird in den nächsten Monaten (Baufinale soll Sommer 2018 sein) mit einem baukünstlerisch interessanten und gut erhaltenen Bestand gearbeitet: einem imposanten Vestibül im Mittelrisalit, mit viertelkreisförmigen Treppenspindeln, mit großformatigen, überhohen Räumen und Sälen, in denen gleich mehrere Apartments Platz hätten, würde man sie denn aufteilen. So bleiben aber diese Einheiten als Lofts erhalten: Ein Saal ist besonders schön, hier ist die gewölbte Decke noch intakt. Monumental ist dieses damals so moderne Industriebauwerk bis ins Detail, selbst der Keller erstreckt sich über etliche Geschoße. 1870 wurde die k. k. Telegraphen Centrale von Architekt Josef Winterhalder und Baumeister Edmund Kaiser dreigeschoßig errichtet. Ab 1902 fügte Architekt Eugen Fassbender ein Stockwerk hinzu und versah das Gebäude mit charakteristischer Neorenaissance-Optik. Zubauten erfolgen im Innenhof in Form von Terrassen. Ganz oben soll das Dach etwas angehoben, sollen Lichtbänder eingezogen und innenhofseitig Terrassen eingeschnitten werden. Was das Erscheinungsbild des Baudenkmals aber nicht beeinflussen soll.

ZUM ORT

Die Lage am Börseplatz 1 ist ruhig und liegt abseits desTouristenstroms im ersten Bezirk – umringt von Börsepark, Börsegebäude und Juridicum. Geprägt wird das Börseviertel traditionell von Bürostandorten, Kanzleien, aber auch von einer wachsenden Zahl an Möbel- und Interieurdesignern. Die Preise für Wohnungen in der von Immovate und HBI entwickelten k. k. Telegraphen Centrale beginnen bei 9000 Euro/m2. Die Vermittlung der Wohnungen liegt exklusiv bei Otto Immobilien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2016)