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Erdung fürs private Luftschloss

10.03.2017 | 18:25 |  Von Ursula Rischanek (Die Presse)

Damit der Traum vom Eigenheim kein Albtraum wird: Es hilft, durch gute Vorbereitung viele Stolpersteine zu vermeiden – und sich Rat von Profis zu holen.

Vom Wunschtraum zum realen Projekt braucht es viel Planung, Know-how und Informationen – und einen Check, ob das Gewünschte tatsächlich machbar ist.
Vom Wunschtraum zum realen Projekt braucht es viel Planung, Know-how und Informationen – und einen Check, ob das Gewünschte tatsächlich machbar ist. / Bild: imago 

Rund 60 Prozent der Österreicher sind laut Österreichischer Notariatskammer Eigentümer eines Grundstücks, Hauses oder einer Wohnung. Der Wunsch, die eigenen vier Wände tatsächlich zu besitzen ist erwartbarerweise mit 71Prozent das Hauptmotiv. Aber nur in den seltensten Fällen werden die eigenen vier Wände, die in der Regel die größte Investition im Leben darstellen, aus der Portokasse finanziert, vielmehr müssen dazu etwa 80Prozent der Österreicher auf eine Fremdfinanzierung zurückgreifen.

1. Welches sind die wichtigsten Schritte auf dem Weg zur Eigenheimfinanzierung?

„Als Erstes sollte man sich über seine eigenen Wünsche klar werden – und danach davon die Hälfte abziehen“, rät Gerhard Wagner, Prokurist KSV1870. Viele Haus- oder Wohnungskäufer übernehmen sich, weil sie zu große und zu teure Immobilien kaufen oder bei der Sanierung zu viel vorhaben. Danach sollte man die finanzielle Situation ganz genau durchleuchten. Wagner: „Man sollte sich klar darüber werden, wie viel verfügbares Einkommen man tatsächlich hat, in welcher Höhe Eigenkapital vorhanden ist, welche laufenden Belastungen sonst noch vorhanden sind und ob sich die Einkommenssituation in den nächsten Jahren, etwa durch eine Karenz, verändern wird.“ Wichtig sind auch die Nebenkosten, von der Grunderwerbsteuer über Maklerkosten bis zur Einrichtung. Wer sich für ein gebrauchtes Objekt entscheidet, muss Sanierungskosten berücksichtigen. Wagner: „Dabei sollte man bedenken, dass diese in der Regel höher ausfallen als gedacht – und sollte vorsichtshalber auf die geplanten Sanierungskosten noch einmal ein Drittel draufschlagen.“

Christian Noisternig, Leiter des Bereichs Privatkunden, Geschäftskunden und Freie Berufe in der Bank Austria, sieht „eine genaue Einnahmen- und Ausgabenrechnung als wesentlichsten Vorbereitungsschritt“. Wichtig sei darüber hinaus, dass man sich auch der Risken bewusst ist und dafür sorgt, dass man im Notfall – etwa bei vorübergehendem Jobverlust – abgesichert ist.

2. Wie viel an Eigenmitteln ist sinnvoll beziehungsweise unbedingt erforderlich?

„Je mehr Eigenkapital eingebracht werden kann, desto sicherer und günstiger ist es für denjenigen, der ein Haus oder eine Wohnung erwerben will“, weiß Martin Korntheuer, Referat für Finanzdienstleistungen der AK Wien. „Wir empfehlen zwischen 20 und 30 Prozent an Eigenmitteln.“

3. Welche Form ist derzeit die bessere Variante: Kredit oder Bauspardarlehen?

„Die wichtigere Entscheidung als Bauspardarlehen oder Hypothekarkredit ist jetzt, ob man eine variable oder eine fixe Verzinsung wählt“, erklärt Noisternig. Die aktuell tiefe Zinslandschaft ist auf alle Fälle ein Anreiz, Eigentum zu schaffen. Dabei sollte sich die Finanzierungsform an der individuellen Situation des Kunden orientieren. Dies hängt stark auch von der persönlichen Einschätzung des Kunden ab. „Wir haben im aktuellen Niedrigzinsumfeld günstige Konditionen: Bei variablen Krediten beginnen sie bei einem Prozent und bei Fixzinskrediten mit 15Jahren Laufzeit bei 1,875 Prozent“, so Noisternig. Da falle die Zinsobergrenze von sechs Prozent bei Bauspardarlehen bei dieser Entscheidungsfindung nicht wirklich ins Gewicht.

Korntheuer hält ein Bauspardarlehen für eine eher konservative Finanzierung: „Die Obergrenze für Finanzierungen durch die Bausparkasse beträgt 180.000 Euro, allerdings pro Person.“ Derzeit sind die Zinsen für neue Hypothekarkredite sehr niedrig. In der Regel wird bei Wohnbaukrediten mit variabler Verzinsung der reine Zinsaufschlag (Marge) als wichtigster Vergleichsparameter herangezogen. Die Zinsspanne ist verhandelbar – dabei gilt: Je besser die Bonität, desto günstiger die Zinsspanne.

4. Gibt es noch andere Finanzierungsmöglichkeiten als die genannten?

Laut Wagner können auch Wohnbauförderungsmittel einen Baustein im Finanzierungspuzzle darstellen. Wie genau diese aussehen, ist jedoch in jedem Bundesland unterschiedlich. Informationen dazu geben Wohnbauförderungsstellen oder Banken. Noisternig rät, die Wohnbauförderung nicht außer Acht zu lassen. Derzeit geht sie stark in die Themen Sanierung und Nachhaltigkeitsmaßnahmen.

AUF EINEN BLICK

Rund 71 Prozent der Österreicher wünschen sich Wohneigentum, 80 Prozent greifen bei Wohnungs- oder Hauskauf auf Fremdfinanzierung wie Kredit oder Bauspardarlehen zurück. Das Eigenkapital, so die Expertenempfehlung, sollte dabei mindestens 20, besser noch 30 Prozent betragen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2017)