Artikel drucken Drucken Artikel kommentieren Kommentare Artikel senden Senden

Signa startet digitalen Wohnungsverkauf

30.03.2017 | 13:44 |   (DiePresse.com)

Erster Test bei Parkapartments am Belvedere.

Bild: (c) dpa-Zentralbild/Hendrik Schmidt (Hendrik Schmidt) 

Die Signa-Immobiliengruppe rund um Rene Benko betätigt sich als Vorreiter im digitalen Wohnungsverkauf und setzt in der Vermarktung ab sofort stark auf Virtual-Reality- und andere Visualisierungs-Lösungen. Gestartet wird mit den Parkapartments am Belvedere nahe dem Wiener Hauptbahnhof. Die 346 Wohnungen dort sollen im Herbst 2018 übergeben werden, knapp die Hälfte davon ist bereits verkauft.

Signa hat durchaus weitere Wohnungsambitionen: "Der Wiener Wohnungsmarkt ist gut", verwies Signa-Geschäftsführer Christoph Stadlhuber am Donnerstag auf die Bevölkerungsprognosen, die einen Zuzug von 40.000 Menschen pro Jahr sehen. Das sei eine "Riesenherausforderung", und da liege "auch sozialer Sprengstoff drin", meinte der Manager vor Journalisten. Berlin habe einen ungefähr gleich hohen Zuzug, sei aber doppelt so groß. Die Baubranche dürfe jedenfalls nicht jammern, dass sie Auslastungsprobleme habe.

Die Wohnungsambitionen will Signa auch mit dem BAI-Deal umsetzen - man übernimmt ja gemeinsam mit der Krause/Kollitsch-Gruppe über ein 50:50-Joint-Venture die BAI Bauträger Austria Immobilien GmbH. Bei der BAI "liegt der ganz große Schwerpunkt klarerweise im Wohnen", so Stadlhuber. Mit dem BAI-Zukauf würde das Signa-Investvolumen nach früheren Angaben um 1,7 Mrd. auf 2,7 Mrd. Euro steigen.

Wohnen am Schweizer Garten

Die BAI-Gruppe verfügt über fast eineinhalb Dutzend Projekte und 440.000 m2 Projektentwicklungsvolumen, geschätzte 8.000 bis 9.000 Wohnungen bzw. Büroräume. Ein Nachbargrundstück am Belvedere hat Signa schon für das Vorhaben "Wohnen am Schweizer Garten" herausgekauft. Dort sei ein erheblicher Wohnanteil geplant, so Stadlhuber, "wir wollen aber auch Büros errichten".

Zum BAI-Kauf befinde man sich "mitten im Finale für das Closing in der ersten April-Hälfte, und wir sind in einem aufrechten Joint-Venture", betonte Stadlhuber. Zu den jüngsten Gerüchten, wonach die Signa den Partner auskaufen und damit die BAI allein übernehmen könnte, hielt er sich bedeckt. Erst nach dem Closing wolle man Kommentare abgeben.

3D-Brille, App, Chatbots

Die Parkapartments sind das erste Projekt, bei dem Signa in der Vermarktung in einem Testlauf voll auf die Online-Schiene setzt. Neben der Möglichkeit von Virtual-Reality-Rundgängen für Interessenten entweder mit dafür geeigneten 3D-Brillen oder am PC-Bildschirmen sind dabei auch Bluetooth-Aktivitäten für Vorbeifahrende vorgesehen sowie Kontakte über eine auf Smartphones downloadbare App.

Der nächste Schritt sollen Chatbots sein, also rund um die Uhr und auch am Wochenende verfügbare Online-Dialogsysteme, über die sich potenzielle Käufer informieren können und die Interessenten die wichtigsten Fragen beantwortet bekommen, womit auch der Vertrieb entlastet werden könnte. Die Präsentation ist für Oktober geplant, sagte Stadlhuber.

Die Vermarktung der Parkapartments-Eigentumswohnungen laufe sehr zufriedenstellend, so der Signa-Geschäftsführer. Von den 346 Wohnungen, die ab etwa 53 bis 55 m2 groß sind, entfallen 26 Einheiten auf "Selection"-Wohnungen im Top-Segment. Die befinden sich ganz oben in den Gebäuden und verfügen über Penthouse-Terrassen. Diese Luxus-Einheiten kosten bis zu 9.000 Euro pro m2. Im Schnitt kommen die Wohnungen auf 5.000 Euro/m2, die Preise beginnen bei knapp 4.000 Euro. Die Käufer seien nach Alter, Geschlecht und Nationalität (Inländer/Ausländer) gemischt, es würden Eigennutzer und auch Vermieter zugreifen. Bei der internationalen Klientel zähle besonders der Name des Architekten - Renzo Piano. Durch Piano sei das Gebäude zwar "einen Tick teurer, das zahlt sich aber aus bei der Vermarktung".

Rundgang mit verschiedenen Badezimmer-Fliesen

Die Wohnungsvermarktung gehe in Richtung digital, die Neuerungen - seit Oktober werden Virtual-Reality-Brillen eingesetzt - kämen in allen Altersklassen extrem gut an. Mit der Umsetzung der Visualisierung beauftragt wurde eine Düsseldorfer Agentur, die auf Videos bzw. Animationsfilme spezialisiert ist. Grundlage sei das 3D-Modell der Architekten, ergänzt um Features wie eine Auswahlmöglichkeit von Fußboden- oder Badezimmer-Fliesen, die beim virtuellen Rundgang nach Größe oder Farbe variiert werden können. Die Umgebung ist durch Aufnahmen von Drohnen-Flügen bei Tag und Nacht dargestellt. In dieser Genauigkeit und Qualität könne das noch niemand, sagte Stadlhuber, das habe man weltweit recherchiert, auch in den USA; nur in China habe man der Schriftzeichen wegen passen müssen. (APA)