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Sicherheit: „Der Täter muss unter Zeitdruck geraten“

10.11.2017 | 16:29 |  Von Michael Loibner (Die Presse)

Worauf es bei Alarmanlagen und deren Apps, Fenstern und Türen zu achten gilt.

Was in zwei Minuten zu knacken ist, kommt Dieben sehr entgegen.
Was in zwei Minuten zu knacken ist, kommt Dieben sehr entgegen. / Bild: (c) imago/Kickner  

„Ich war nur eine Viertelstunde zum Einkaufen weg!“ Der Fall einer Wienerin, die für die kurze Zeit eines Einkaufs ihre Haustür nur einfach versperrt hatte, bei ihrer Rückkehr vor der aufgebrochenen Tür stand und aus dem Haus wertvoller Schmuck fehlte, ist für Robert Goliasch ein „Klassiker“. „Einbrecher brauchen in der Regel maximal fünf Minuten, um einzudringen und mit ihrer Beute zu verschwinden“, weiß der Berufsdetektiv, zu dessen Aufgaben unter anderem Tatortbesichtigungen im Auftrag von Versicherungsunternehmen zählen. „Viele Leute unterschätzen das und sind zu sorglos, machen es den Einbrechern leicht.“ Durchschnittlich 18 solche Straftaten täglich wurden in Wien laut Kriminalstatistik im ersten Halbjahr 2017 zur Anzeige gebracht – und ab November, wenn es draußen früh finster wird, nimmt erfahrungsgemäß die Zahl der „Dämmerungseinbrüche“ zu.

 

E-Hilfen und -Stolperfallen

Eine elektronische Alarmanlage ist der sicherste Schutz vor ungebetenem Besuch. Allerdings sind nur rund fünf Prozent aller Häuser und Wohnungen in Österreich damit ausgerüstet. Thomas Forstner, Generalsekretär des „Verbandes der Sicherheitsunternehmen Österreichs“ (VSÖ), weiß um die technischen Möglichkeiten: Neben Bewegungsmeldern gehören Magnetkontakte an Fenstern und Türen, die ein Öffnen erkennen, sowie spezielle Gläser, die beim Zersplittern Alarm auslösen, zum Standard. „Eine Anlage nur mit Sirene, ohne App fürs Handy, ist aber heutzutage kaum zu verkaufen“, kennt Forstner die Wünsche der Kunden. Über die App erfährt das Opfer unterwegs, wenn daheim Eindringlinge am Werk sind, und kann sofort reagieren. Die Sicherheitsexperten sehen allerdings auch Gefahren: Gelangt das Mobiltelefon in unbefugte Hände, lässt sich die Alarmanlage still legen. Dreiste Täter rufen sogar am Handy an und bitten unter einem Vorwand, die Anlage vorübergehend auszuschalten. „Bei besonders zu schützenden Objekten sind solche Apps daher ein No-Go“, kennt Forstner die Vorschriften.

Experten warnen auch davor, Alarmanlagen in Smart-Home-Systeme zu integrieren. Christoph Zeuner vom Sicherheitstechnik-Hersteller Telenot: „Solche Systeme sind in erster Linie für Komfortlösungen und Energie-Management entwickelt, Sicherheitskomponenten verlassen jedoch diese Bereiche.“ Der Fachmann bezweifelt die Zuverlässigkeit, wenn es um Sicherheit geht. Wesentliche Faktoren dabei sind die Widerstandsfähigkeit gegen Sabotage und Manipulationsversuche, die Sicherstellung der Signalübertragung (Internet oder Funk) sowie das Vermeiden von Fehlalarmen.

 

Mechanischer Schutz

Goliasch weiß, dass Einbruchsziele für Täter uninteressant sind, wenn das Eindringen voraussichtlich länger als zwei Minuten dauert. Das Aufhebeln von ungenügend gesicherten Türen oder Fenstern lässt sich mit geeignetem Werkzeug innerhalb weniger Sekunden geräuschlos durchführen, weshalb rund 70 Prozent aller Eindringlinge auf diese Weise in Einfamilienhäuer gelangen, wie der Grazer Verein „Sicher leben“ in einer Broschüre auflistet. „Beliebt“ sind vor allem Terrassentüren, da diese zudem meist durch Hecken blickgeschützt sind. Rund 15 Prozent der Täter öffnen gekippte Fenster, andere finden den an einem vermeintlich sicheren Ort versteckten Schlüssel. „Ziel der Maßnahmen muss sein, das Eindringen so zu verzögern, dass der Täter unter Zeitdruck gerät und aufgibt“, sagt Goliasch. Wichtig: Garagentore, Kellerfenster, Dachfenster nicht vergessen und keine Gegenstände wie Leitern im Außenbereich verwahren, die einem Einbrecher als Aufstiegshilfe zu einem Dachfenster dienen könnten.

Schwachstellen im Haus sind alte, oft witterungsgeschädigte Türen. Diese sollten laut Goliasch durch Zusatzsicherungen geschützt oder ausgetauscht werden. Die Plattform „Sicher Daheim“ kritisiert, dass in Wien nur der Einbau zertifizierter Sicherheitstüren unter bestimmten Voraussetzungen mit maximal 400 Euro gefördert wird, elektronischer Einbruchschutz nicht. Alarmanlagen sollten übrigens nur von Fachleuten installiert werden. „Es müssen nicht die teuersten Geräte sein“, erklärt Forstner. „Auch im mittleren Preissegment erzielt man ausreichenden Schutz, wenn die Anlage richtig konzipiert ist.“

Was Sie beachten sollten beim. . . Einbruchsschutz

Tipp 1

Do's & Do'nts. „Zehn Prozent der Einbrecher wissen aus Social Media, dass Hausbesitzer nicht da sind“, warnt Detektiv Robert Goliasch, Urlaubsfotos zu posten, etwa mit „Sind zwei Wochen auf Mallorca.“ Lichtzeitschalter täuschen Anwesenheit vor. Heruntergelassene Rollläden mögen ein Hinweis auf Urlaub sein, verzögern aber das Eindringen. Gekippte Fenster sind offene Fenster.

Tipp 2

Internet-Hilfe. Ist das Haus einbruchssicher? Auf www.bewusst-sicher-zuhause.at sieht man das aus Tätersicht. Infos zu Einbruchsschutz geben Kriminalpolizeilicher Beratungsdienst (Wien: 01/31310-44938), Plattformen wie „Sicher daheim“ (01-51450-2210), Verband für Sicherheitsunternehmen (01/3194132), Kuratorium für Verkehrssicherheit (05-77077).

Tipp 3

Alarmanlage. Die elektronische Sicherung eines Hauses gibt es inklusive Einbau ab rund 4000 Euro, die einer Wohnung ab 1500 Euro. Ein Attest zeigt, welche Elemente der Alarmanlage wo und wie verbaut wurden. Die darauf aufgeklebte Vignette des VSÖ (oder Kuratoriums für Elektrotechnik) gilt als Qualitätszertifikat. Einige Versicherungen gewähren dafür eine Prämienreduktion.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2017)