Zertifikate: Nicht nur für Gebäude, auch für Bau- und Immobilienunternehmen

20.09.2011 | 16:11 |   (DiePresse.com)

Die ÖGNI ruft ihre 250 Mitglieder ab 2012 dazu auf, zehn Gebote in Hinblick auf ethisches Handeln zu unterzeichnen. Im Zuge eines freiwilligen Zertifizierungsprozesses sollen international anerkannte und überprüfbare Standards bei der Unternehmensführung von Bau- und Immobilienunternehmen in Österreich Einzug halten.

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Warum auf den Staat warten, wenn man sich auch selbst kontrollieren kann? Hinter dieser Frage steht laut Philipp Kaufmann, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI) kein Gutmenschendenken, sondern wirtschaftliche Logik: „Mit der Initiative geben wir der Branche ein ethisches Instrumentarium in Sachen Professionalität, Transparenz, Integrität, Vertraulichkeit und Fairness. Manager müssen Sorge tragen, dass die Prozesse und die Personen des Unternehmens stimmen, sonst ziehen Gewitterwolken auf.“ In Zusammenarbeit mit der 2002 in Deutschland gegründeten Initiative Corporate Governance (ICG) wurden zehn Gebote formuliert und ein darauf aufbauender Zertifizierungsprozess entwickelt. Die Bekenntnis zu den zehn Geboten ist ab 2012 für alle ÖGNI-Mitglieder vorgesehen, die Zertifizierung ist freiwillig.

Zertifikat als Messlatte

Am 20. September wurden Gebote und Zertifizierungsprozess bei einem Pressegespräch vorgestellt. „Ziel ist es, die Reputation der Immobilienwirtschaft zu stärken und Sensibilität für das Thema Corporate Governance (CG) zu gewinnen“, so Kaufmann. Unter CG versteht man die Gesamtheit aller Regeln und Verhaltensstandards, die in einem Unternehmen gelten, die von allen Mitarbeitern gelebt werden, nach denen das Management führt und nach denen es kontrolliert wird. Ab 2012 sind die derzeit 250 ÖGNI-Mitglieder aufgerufen, sich zertifizieren zu lassen. Im Zuge des Prozesses werden sie von einem Wirtschaftsprüfungsinstitut begleitet. Die Zertifizierungsgebühr beträgt 5000 Euro pro Unternehmen, die sechs Pilotunternehmen – darunter EHL, CA Immo und die Rhomberg Gruppe – bezahlen 3000 Euro. „Wir legen eine Messlatte und sagen: Da wollen wir hin. Den Anreiz bieten wir mit diesem Zertifikat“, so Kaufmann. Doch mit dem Bezahlen der Zertifizierungsgebühr soll es bei weitem nicht getan sein: „Alle, die dabei sind, werden sich stark verändern müssen. Es gibt dann eben auch Geschäfte, die nicht gemacht werden können“, stellt der ÖGNI-Gründungspräsident in Aussicht. Von der Möglichkeit, dass einige Mitglieder selbst bei den zehn Geboten nicht mitziehen und lieber aussteigen, will er sich nicht beirren lassen.

Weiße Weste statt weißer Flecken

„Unternehmen haben eine Sorgfaltspflicht und haften für das Verhalten ihrer Beauftragten. Nur Ethik kann dafür sorgen, dass ihre Systeme effektiv sind, sonst sind sie reine Bürokratie. Der Diskussion rund um integre Geschäfte kann sich niemand entziehen“, bestärkt der Corporate Governance Experte Josef Wieland, Compliance Monitor der European Bank for Reconstruction and Development und der Weltbank die Initiative der ÖGNI. „Vertrauen und Reputation ist das Fundament der Bau- und Immobilienbranche“, so die ICG-Vorstandsvorsitzende Bärbel Schomberg.

Werner Knips, Gründer und Vorstand der ICG, sieht viele vergangene Skandale in dem Mangel von Compliance Systemen verwurzelt: „Nur seriöses und vernünftiges Handeln sichert den wirtschaftlichen Erfolg.“ Ziel sei, ausgehend von einem Erfolg in Österreich und Deutschland, auch die „weißen Flecken in der CEE-Region anzugehen.“ Schließlich seien jene Unternehmen, die bereits zertifiziert sind oder sich am Weg dorthin befinden, auch in diesen Ländern vertreten.

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