Immobilienforum: Green, blue oder nachhaltig bauen

27.10.2011 | 13:12 |   (DiePresse.com)

Fragen wie "Was bringen Zertifikate"? oder die Möglichkeiten des energieeffizienten Bauens wurden vor einem Publikum aus der Bau-, Immobilien- und Planerszene diskutiert.

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Die rasante Entwicklung energieeffizienten Bauens hat bisher vor allem Bauträger, Planer und Facility Management beschäftigt. Neue EU-Vorgaben werden künftig auch die Verwertung von Wohn- und Bürobauten intensiv beeinflussen. Der Mensch als Nutzer des Gebäudes im Alltag wird in der Planung oft vernachlässigt. Die österreichische Zementindustrie und der Immobilienring IR waren die Sponsoren des zweiten Immobilienforums, das kürzlich im News Mediatower stattfand. Rund 60 Gäste folgten der Einladung zum Thema „Im Zeichen der Energiewende: green, blue oder nachhaltig Bauen, der Weisheit letzter Schluss?“ Die Vortragenden stellten sich dem Publikum aus der Bau-, Immobilien- und Planerszene.

Gebäude-Zukunft

Brian Cody, Universität Graz, Institut für Gebäude und Energie, plädierte dafür, die natürlichen Kräfte mehr zu nutzen. Für ihn gibt es kein Energieproblem – sondern einen massiven Qualitätsverlust in der Nutzung von Energie. Nach einigen Vorzeigebeispielen wie der RZB Frankfurt oder der Wirtschaftsuniversität Shanghai, skizzierte er die Zukunft: Gebäude, die auch geben und nicht nur nehmen.

Energieeffizientes Bauen

Gregor Rauhs, Wirtschaftsagentur Wien, beschrieb mit dem Technologiezentrum Aspern IQ des Stadtentwicklungsgebietes „Aspern: Die Seestadt Wiens“ die derzeitigen Möglichkeiten des energieeffizienten Bauens. Völlige Energieautarkie konnte nicht erreicht werden. Von der Österreichischen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen, ÖGNB, erhielt das Technologiezentrum jedoch bereits in der Vorbewertung 944 von erreichbaren 1000 Punkten. 2012 soll das Gebäude in Betrieb gehen. Insgesamt gibt es in Wien bereits 42 Projekte, die laut den Standards der ÖGNB als nachhaltig zertifiziert sind.

Gebäudezertifikate als Modeerscheinung?

Doch was bringen die Zertifizierungen – für Architekt Fritz Oettl von pos architekten sind die sogenannten Gebäudezertifikate vor allem eine Modeerscheinung. Die Qualität der Gebäudehülle bleibt das Thema und in welchem Standard Gebäude errichtet werden, entscheidet sich mit der Offenheit des Bauherren. Michael Ehlmaier, Geschäftsführer Ehl Immobilien, sieht das anders. 70 Prozent der rasch verwerteten Immobilien sind zwar zertifizierte Gebäude. Aber  noch lasse sich Nachhaltigkeit in Österreich, im Gegensatz zum internationalen Trend, nicht zu so guten Preisen verkaufen. Dennoch, so Ehlmaier überzeugt, beeinflussen Zertifizierungen die Investitionsentscheidung auf der Basis von Lebenszykluskosten.

Projekte vergleichbar machen

Harald Deinsberger-Deinsweger beleuchtete den Einfluss der Wohnpsychologie als wesentlichen Faktor für erfolgreiche Nachhaltigkeit. Klaus Lugger, Geschäftsführer Neue Heimat Tirol: Bewohnern sei die Gebäudehülle ganz egal – wenn die Betriebskosten sinken, seien diese jedoch begeistert. Ob sie in einem Passiv- oder Niedrigenergiehaus wohnen, ist dabei kein Thema. Jedoch machen Energieausweise Projekte vergleichbar, so sein positives Fazit.

Frank Huber, Geschäftsführer von Zement+Beton, referierte über Beton in seiner Eigenschaft als idealer Wärme- bzw. Kältespeicher. Die Kombination mit einer intelligenten Bauwerksplanung und der Einsatz von alternativen Energieformen helfen Betriebskosten für Gebäude zu senken, weitere CO2-Emissionen zu vermeiden und Energie zu sparen. Die Nutzung von Beton als Energiespeicher bedeute einen wichtigen Schritt zum energieautarken Haus.

 

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