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Dachstein: Luxusurlaub im Sperrgebiet

04.02.2012 | 18:02 |  von Eva Winroither (Die Presse)

Das Österreichische Bundesheer verkauft seinen Truppenübungsplatz auf dem Dachstein. In 2000 Meter Höhe sollen künftig nicht mehr Soldaten schießen üben, sondern Touristen in exklusiver Lage Urlaub machen.

Früher wurden hier Schießübungen durchgeführt, bald sollen Touristen über die Wiesen in 2000 Meter Höhe laufen. Das Österreichische Bundesheer hat seinen Alpinübungsplatz Dachstein/Oberfeld an den Industriellen Gerald Schweighofer verkauft. „Wir haben hier ein Tourismusprojekt im Auge“, bestätigt Johannes Marek von der Firma Schweighofer. Was genau geplant sei, wolle er nicht sagen, „aber wegen der Lage muss es etwas Exklusives sein“.

Tatsächlich hat das Bundesheer sechs Jahre lang gebraucht, um das 53.000 Quadratmeter große Gelände, auf dem eine dreistöckige Kaserne mit Großküche und Speisesaal steht, zu verkaufen. Denn der Truppenübungsplatz gilt mit seinen Naturschutzauflagen als schwer bebaubar, außerdem ist er nur über eine Seilbahn zu erreichen. Nun hat Unternehmer Schweighofer trotzdem zugegriffen. Er bekommt das Stück sowie die Seilbahn zu einem Spottpreis von nur 173.000 Euro – und er darf es zurückgeben, sollte seine geplante Weiternutzung innerhalb eines Jahres nicht zustande kommen.

Heer verleiht Mitarbeiter. Auch die 27 Heeresangstellten, die das Anwesen instandhalten, werden in Zukunft – sofern sie zustimmen – für Schweighofer arbeiten. „Die neun Experten, die die Seilbahn betreiben, werden wir weiterhin bezahlen, die anderen 18 bekommen ihr Geld zwar von uns, aber die Firma Schweighofer wird den gleichen Betrag an uns überweisen“, sagt Michael Bauer, Sprecher des Verteidigungsministeriums. „Die Männer sind Beamte. Wir hätten sie sonst umschulen und bei gleichem Gehalt auf Positionen setzen müssen, auf denen wir sie nicht gebraucht hätten“, sagt Bauer. Mit dem Verkauf des Grundstücks spart sich das Bundesheer bis zu fünf Millionen Euro Abbaukosten. Denn: „Es ist gesetzlich vorgesehen, dass wir nach Einstellung des Betriebes den ursprünglichen Zustand des Ortes wiederherstellen.“

Egon Höll, Bürgermeister von Obertraun (SP), freut sich über das Projekt. Auch wenn er zweifelt, dass es tatsächlich umgesetzt wird. „Wegen der Naturschutzauflagen in der Region werden wir den Willen von hochrangigen Politikern wie dem Landeshauptmann brauchen“, meint er. Nötig hätte der Ort ein innovatives Projekt allemal. „Wir sind eine sehr strukturarme Region. 99 Prozent der Leute leben bei uns vom Tourismus. Die anderen wandern ab.“ Ein neues Hotel im Premium-Bereich, hofft der Bürgermeister, würde die Region beleben. Und in jedem Fall mehr abwerfen als ein paar Schießübungen am Berg.