Artikel drucken Drucken Artikel kommentieren Kommentare Artikel senden Senden

Kontrollamt kritisiert Wiener Wohnen

01.03.2012 | 12:17 |  MARTIN STUHLPFARRER (Die Presse)

Bei der städtischen Wohnhausverwaltung, die 220.000 Wohnungen betreut, gibt es einige Missstände. Das hat das Kontrollamt in seinen jüngsten Berichten aufgedeckt.

Wien. Die kritischen Prüfer des Kontrollamts haben sich die städtische Hausverwaltung Wiener Wohnen vorgenommen – sie betreut in Wien rund 220.000 Wohnungen. Dabei fanden die Prüfer einige Missstände. Die Details:

• Probleme im Callcenter. „Die Effizienz der Leistungen des Callcenters, der von der Wiener Wohnen Kundenservice GmbH beauftragten Arbeitsgemeinschaft, ließ Verbesserungspotenziale erkennen.“ So euphemistisch umschreibt das Kontrollamt drei untersuchte Fälle, die Mieter zur Verzweiflung brachten. Ein Fall, bei dem es um ein Gasgebrechen ging, zeigt die Probleme innerhalb von Wiener Wohnen. Mehrere betroffene Mieter urgierten beim Callcenter, dass die Gasversorgung unterbrochen sei – eine ganze Stiege konnte nicht heizen und auch nicht duschen. Durch interne Kommunikationsprobleme wurde das Problem tagelang nicht behoben. Auch bei dem Wunsch von Mietern nach mobilen Heizgeräten gab es Abstimmungsprobleme. Hier fordert das Kontrollamt, dass die internen Prozesse optimiert werden, damit Derartiges nicht mehr vorkommt. Denn auch mit dem Notdienst, der diese Probleme beheben sollte, gab es Schwierigkeiten. Fazit der internen Probleme: Sogar drei Tage nach dem Gasgebrechen langten noch Anrufe ein, dass die Mieter trotz der Kälte keine Heizmöglichkeit hatten. Nebenbei: Ein Mieter, der die Erhöhung seines Mietzinses nicht nachvollziehen konnte und sich daher bei Wiener Wohnen beschwerte, konnte die Antwort erst vom Kontrollamt bekommen.

Probleme beim Kundencenter. „Die Gebarungsprüfung der Wiener Wohnen Kundenservice GmbH zeigte vor allem bei der Ablauf- und Aufbauorganisation des instrumentellen Rechnungswesens erhebliche Mängel auf“, heißt es in dem Kontrollamtsbericht trocken.

• Gasanlagen nicht kontrolliert. Das Kontrollamt ging der Frage nach, ob die Gasanlagen in den Wiener Gemeindebauten regelmäßig sicherheitstechnisch überprüft werden. Immerhin gibt es in Wien immer wieder Unfälle mit Gasanlagen, bei denen Menschen verletzt oder sogar getötet werden. Das Ergebnis des Kontrollamtes fällt ernüchternd aus: „Es war festzustellen, dass Überprüfungen von Gasanlagen nur bei Gebrechen oder gemeldetem Gasgeruch durchgeführt wurden.“ In anderen Worten: Es gibt keine regelmäßigen Sicherheitskontrollen. Deshalb empfiehlt das Kontrollamt, „die Überprüfungen der Gasanlagen entsprechend dem Stand der Technik durchzuführen“.

• Schlampige Sanierungen. „Einzelne Sanierungsmaßnahmen entsprachen nicht dem Stand der Technik bzw. waren nicht geeignet, die bestehenden Baugebrechen nachhaltig zu beseitigen, da sie den gesamten Umfang bzw. die Ursachen der Baugebrechen nicht erfassten“, hält das Kontrollamt fest. Diese Kritik richtet sich an die MA25 (Stadterneuerung und Prüfstelle für Wohnhäuser), die zum Wohnbauressort gehört.

• Rückstau bei Aufträgen. Nochmals Kritik an der MA25. Im Zusammenhang mit sogenannten Ersatzvornahmeverfahren (die Behörde regelt einen Schaden etc. sofort anstelle des Verursachers, weil der sich weigert, und holt das Geld später von ihm zurück) stellt das Kontrollamt einen beträchtlichen Rückstand an unerledigten Verfahren fest.

• Unklare Mietzinsabrechnung.Wie Wiener Wohnen mit der Mietzinsabrechnung umgeht, wurde vom Kontrollamt anhand der Per-Albin-Hansson-Siedlung geprüft. Fazit: Die Bildung des Hauptmietzinses ist völlig undurchschaubar. Selbst für Wiener Wohnen, geht aus dem Bericht hervor.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.03.2012)