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Blase oder Ausverkauf: Markt in Österreich

20.03.2012 | 13:06 |   (DiePresse.com)

Österreichweit verteuerten sich Einfamilienhäuser um 6,4 Prozent. In den westlichen Bundesländern legten die Preise sogar zweistellig zu. Besonders stark legten die Preise in den innerstädtischen Regionen zu, die "kaum noch leistbar" sind.

Österreichweit verteuerten sich die Preise für Einfamilienhäuser um 6,4 Prozent.

Der "Run" auf Immobilien hielt auch 2011 an. Aus Sorge um die weitere Geldwertentwicklung infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise greifen die Österreicher auf handfeste Investitionen in Form von Immobilien zurück. Der Preis für neue Eigentumswohnungen erhöhte sich im Jahresabstand österreichweit um durchschnittlich 1,2 Prozent. Gebrauchte Wohnungen kosten um durchschnittlich 2,7 Prozent mehr. "Der Markt ist ausverkauft", so der Geschäftsführer der Immobilienplattform Immobilien.net, Alexander Ertler.

Angesichts dieser Zahlen und auch weil Wissenschaftler in Hinblick auf die Zukunft immer viel vorsichtiger formulieren als bei der Vergangenheit, müsste ein Satz von Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung, in ganz Österreich die Alarmglocken schrillen lassen. „Österreich befindet sich möglicherweise an der Schwelle zu einer Immobilienblase. Es gibt aber keinen Politiker, der bereit wäre, eine sich aufbauende Blase zu stoppen.“

Innenstädte und Speckgürtel gefragt

Vor allem in den innerstädtischen Regionen und in den Speckgürteln von Ballungszentren verteuerte sich der Wohnraum - besonders stark legten die Preise in Vorarlberg und Tirol zu. Für Häuser waren dort beispielsweise um mehr als zehn und 13 Prozent mehr zu berappen. In Salzburg und der Steiermark kam es zu einem Anstieg um mehr als zehn Prozent. Österreichweit verteuerten sich Einfamilienhäuser um 6,4 Prozent. Etwa 80 Prozent der Hauskäufer suchen eine stadtnahe Lage. Bei entsprechender Infrastruktur wird im Umkreis von 20 Kilometern gesucht.

Die Nachfrage nach Grundstücken erhöhte sich in den vergangenen zwei Jahren um mehr als 40 Prozent - die Preise zogen im Jahresvergleich 2010/11 österreichweit um 3,5 Prozent an.

Wohnungspreise in Wien steigen weiter

Neuwertige Eigentumswohnungen kosteten im Vorjahr in Oberösterreich und in Tirol um 5,4 oder 3,9 Prozent mehr Stabil war die Entwicklung in Oberösterreich und im Burgenland. Generell waren für Eigentumswohnungen in den westlichen Bundesländern mehr zu bezahlen als im Osten - mit Ausnahme von Wien. In Wien zogen die Kaufpreise vor allem in den Bezirken Margareten, Neubau, Simmering und Hernals im zweistelligen Bereich an. Innerhalb des Gürtels (ohne Innere Stadt) kosten Wohnungen im Schnitt bereits 3.979 Euro pro Quadratmeter.

Infolge der dynamischen Nachfrage musste im Vorjahr selbst für eine gebrauchte Eigentumswohnung deutlich mehr hingelegt werden als 2010. In den Städten stiegen die Preise trotz ihres ohnehin bereits hohen Niveaus. Besonders massiv war der Preisanstieg in der Stadt Linz mit einem Plus von 13,1 Prozent auf einen Medianpreis von 2.236 Euro. In Wien verteuerten sich gebrauchte Eigentumswohnungen um 2,8 Prozent auf 2.555 Euro.

Innenstädte "kaum noch leistbar"

Innerstädtische Bereiche sind laut Ertler "kaum noch leistbar". Im ersten Wiener Gemeindebezirk kostet eine neue Eigentumswohnung laut Medianwert 9.919 Euro je Quadratmeter, eine gebrauchte 7.250 Euro. Die Nachfrage verlagert sich in Richtung Randzonen der Städte oder bisher weniger beliebte Bezirke und Stadtregionen.

Grund für die Preisentwicklung ist das sich verknappende Angebot am Markt: In den vergangenen zwei Jahren nahm die Menge an angebotenen Kaufobjekten laut Immobilien.net um knapp 30 Prozent kontinuierlich ab. Österreichweit betrug der Rückgang 18,2 Prozent - in Wien allein 27,2 Prozent. Lediglich in Tirol und im Burgenland sei das Angebot leicht gestiegen.

 

(APA)