Artikel drucken Drucken Artikel kommentieren Kommentare Artikel senden Senden

Muss man Wohnungsbesichtigungen dulden?

29.03.2013 | 12:47 |  Christine Kary (Die Presse)

Der Vermieter hat nur unter bestimmten Umständen das Recht, die gemietete Wohnung in Augenschein zu nehmen.

Die letzten Wochen vor einer Übersiedlung sind meistens ohnehin schon hektisch. Und wenn man Pech hat, stehen dann auch noch ständig fremde Leute vor der Tür: potenzielle Nachmieter, die – allein oder in Begleitung des Vermieters – die Wohnung besichtigen wollen. Und die dann zwischen Übersiedlungskartons und offenen Schränken herumspazieren, die Habseligkeiten des derzeitigen Mieters mehr oder weniger neugierig in Augenschein nehmen und ungeniert bis ins Schlafzimmer und Bad vordringen.

Muss man das überhaupt dulden? Ja und nein. Grundsätzlich hat der Vermieter, solange der Mietvertrag läuft, nur aus wichtigen Gründen das Recht, die Wohnung zu betreten. Ein Mieterwechsel ist aber ein solcher wichtiger Grund. Der Vermieter darf dann nachsehen, in welchem Zustand die Wohnung ist, und in einem zumutbaren Ausmaß kann er auch verlangen, dass man Wohnungsbesichtigungen zulässt. Denn es ist sein berechtigtes Interesse, dass die Wohnung nur möglichst kurz oder am besten gar nicht leer steht.

Aber: Überraschungsbesuche sind trotzdem tabu. Besichtigungstermine müssen rechtzeitig vereinbart werden, 48 Stunden vorher sollte man jedenfalls Bescheid wissen. Man muss auch nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit Besucher willkommen heißen und kann zum Beispiel darauf bestehen, dass man an Sonn- und Feiertragen seine Ruhe hat. Grundsätzlich kann man verlangen, dass sich die Interessenten danach richten, wie man selbst Zeit hat – nie Zeit zu haben, geht allerdings auch wieder nicht.

Es gibt jedoch auch Situationen, in denen sich Besichtigungstermine erübrigen müssten, vor allem, wenn der Vermieter wegen angeblichen Eigenbedarfs den Mietvertrag gekündigt hat. Schickt er dann trotzdem Wohnungsinteressenten, sollte man sie freundlich hereinbitten und sich von ihnen den Besuch bestätigen lassen – jedenfalls dann, wenn man die Kündigung bekämpfen will.

Wichtig: Damit es überhaupt zu einer Gerichtsverhandlung kommt, in der geprüft wird, ob wirklich ein Kündigungsgrund vorliegt – zum Beispiel, ob der Vermieter wirklich Eigenbedarf für die Wohnung hat –, muss man innerhalb von vier Wochen ab Zustellung der Kündigung Einwendungen erheben. Begründen muss man die Einwendungen nicht.