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Teil Drei: Großer Traum, kleines Grundstück

24.08.2012 | 15:23 |  Von STEPHANIE DIRNBACHER (Die Presse)

Teil 3: Die Preise für Liegenschaften haben kräftig angezogen – wer ein Haus bauen will, muss oft seine Ansprüche an die Größe zurückschrauben.

Hausbau Grosser Traum kleines

Wer in Wien und Umgebung ein Fleckchen sucht, um darauf sein eigenes Traumhaus zu bauen, muss sich über eins im Klaren sein: Auf dem Markt sieht es derzeit nicht rosig aus. „Es ist relativ schwierig, ein gutes Grundstück zu finden, egal, ob der Grund frei oder bebaut ist“, erklärt der Immobilienmakler Georg Spiegelfeld. Peter Weinberger, Geschäftsführer der Raiffeisen Immobilien Vermittlung, beschreibt die Lage folgendermaßen: „Es gibt Liegenschaften, aber es ist eine Frage des Preises.“ Wer sich also derzeit einen Grund kaufen möchte, muss tief in die Tasche greifen. „In den letzten Jahren sind die Preise in Wien und Umgebung massiv gestiegen“, schildert Martin Müller von JP Immobilien. Als Hauptgrund gibt der Immobilienexperte den Investitionsboom in Immobilien als Reaktion auf die Unsicherheit des Aktienmarkts an.

Reine Liebhaberei?

Besonders in Toplagen in Währing, Döbling oder Hietzing seien die Kosten in die Höhe geschossen. „Für ein Grundstück und ein neues Haus braucht man in diesen Bezirken mindestens ein sechsstelliges Budget“, stellt Müller klar. Für Weinberger sind das „keine realen Marktwerte mehr, sondern reine Liebhaberei“. Wer vor den hohen Summen – laut Immobilienpreisspiegel der WKO liegt in Döbling der Durchschnitt bei 1090 Euro pro Quadratmeter Grund – nicht zurückschreckt, wird es dennoch nicht leicht haben, einen Grund in diesen begehrten Gegenden zu finden. „Es gibt nicht viele, die dort verkaufen wollen“, sagt Weinberger. Chancen auf eine Liegenschaft in diesen Vierteln ergeben sich laut Müller am ehesten im Zuge eines Generationenwechsels. Hier muss man schnell sein. Denn oft stürzen sich große Bauträger auf solche Grundstücke, erläutert Michael Pisecky, Geschäftsführer der S Real Immobilienvermittlung.

Schnäppchen in Randbezirken

Mehr Erfolg sagt Müller denjenigen voraus, die ihr Glück im 16. und 17. Bezirk probieren. „Hier gibt es manchmal Schnäppchen.“ Im Schnitt muss man aber auch mit 500 bis 600 Euro pro Quadratmeter rechnen. In diesen Lagen kann es sich lohnen, einen Blick auf die Schrebergärten zu werfen, die möglicherweise umgewidmet wurden und nun – wenn auch nicht allzu groß – bebaut werden dürfen. Ebenso im 22. und 23. Bezirk kann man noch um vernünftige Preise eine Liegenschaft finden.

Wer am äußeren Rand der Bundeshauptstadt einen Grund sucht, kann laut Weinberger aber auch gleich die Wiener Umgebung ins Auge fassen. Denn von der Verkehrsanbindung her gibt es kaum Unterschiede, meint er. „Im 21. und 22. Bezirk hat man genauso eine Busanbindung wie in Korneuburg“, so Weinberger. Verkehrstechnisch seien die Verbindungen in die Bundeshauptstadt mittlerweile überall in der näheren Umgebung Wiens in Ordnung. Fahrtzeiten von bis zu 45 Minuten würden üblicherweise in Kauf genommen. Pisecky hingegen hält die Infrastruktur südlich von Wien für wesentlich besser als etwa im Westen – mitunter auch ein Grund für ihn, weshalb Gegenden wie Perchtoldsdorf oder Mödling so beliebt sind. Dementsprechend gesalzen können dort auch die Grundstückspreise sein. „In Perchtoldsdorf gibt es Preise von 1000 Euro pro Quadratmeter“, erzählt Pisecky. Weinberger meint, dass im Süden von Wien der preisliche Zenit für Liegenschaften erreicht ist. Am ehesten würde man im Süden günstige Grundstücke noch in Schwechat finden.

Einen extremen Preisanstieg prophezeit er für den Norden. „Das Gebiet rund um Korneuburg wird in den nächsten zehn Jahren eine Zuwanderrate von 25 Prozent haben“, schätzt Weinberger. Sowohl in Korneuburg als auch in Klosterneuburg und Bisamberg sieht er aber derzeit noch ein Potenzial an schönen und gleichzeitig leistbaren Grundstücken, besonders im Hinterland, „weil das nicht so dicht verbaut ist wie im Süden“. Laut Müller von JP Immobilien stößt auch Kierling seit der Verbesserung der Verkehrsanbindung auf immer mehr Nachfrage.

Erste Ernüchterung

Die erste Phase der Grundstückssuche verläuft für die meisten Interessenten sehr ernüchternd. „Wunschvorstellungen und Markt driften oft auseinander. Da gibt es einen Lernprozess“, erklärt Müller. Denn eine Topliegenschaft in grüner Ruhelage mit bester Verkehrsanbindung um einen Schnäppchenpreis existiert in der Regel in der Realität nicht.

Was die Prioritäten von Grundstückssuchenden angeht, herrscht unter den Experten Uneinigkeit. „Ruhe geht vor Verkehrsanbindung“, behauptet Müller. Pisecky hingegen hält die Infrastruktur für den wichtigsten Punkt. „Die Leute suchen nicht mehr große Gärten, weil die meisten nur mehr wenig Zeit haben. Die Anbindung an wichtige Straßen und den öffentlichen Verkehr bestimmt die Attraktivität“, sagt er. Wer in Wien ein Einfamilienhaus bauen möchte, würde eher Zentrumsnähe suchen und nur notfalls über die Donau oder in den 10. oder 11. Bezirk ausweichen – in Simmering zahlt man übrigens mit durchschnittlich 290 Euro pro Quadratmeter innerhalb Wiens am wenigsten. Infrastruktur allein reicht den Interessenten aber nicht aus, meint Pisecky: „Auch die Qualität steht ganz oben in der Prioritätenliste.“ Weinberger erkennt einen Trend zu kleineren Grundstücken um die 500 Quadratmeter.

("Die Presse" Printausgabe vom 25.8.2012)

1 Kommentare
Albtraum
25.08.2012 08:45
0 0

Was die Makler nicht gerne sagen...

...im Umkreis von einer Stunde öffentlich, bzw. 45 Autominuten um Wien gibt es im Weinviertel genug Gemeinden, die den Zuzug von Familien fördern, indem sie Gemeindegrund ganz günstig an zukünftige Hauptwohnsitzbezieher hergeben. Einfach direkt bei der Gemeinde nachfragen (oder Gemeindehomepage), dann sind Preise im ein- bis zweistelligen Bereich möglich, trotz guter Verkehrsanbindung und Infrastruktur.

Man muss auch da ein bisschen suchen, aber es lohnt sich wirklich.