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Berlin: Luxus ist kein Tabu mehr

24.08.2012 | 18:31 |  CHRISTIAN LENOBLE (Die Presse)

Kreative Szene trifft auf Finanzstärke – die deutsche Bundeshauptstadt lockt nicht mehr nur Künstler & Co., sondern auch Wohnungssuchende mit entsprechendem Bankkonto.

Auf einem der letzten unbebauten Grundstücke der Friedrich-Wilhelm-Stadt in Berlin am Spreeufer steht ein terrassenförmiges, zehngeschoßiges Gebäude mit futuristischer Glasfassade kurz vor seiner Fertigstellung. 140 Millionen Euro wurden für den mondänen Stadtpalast vom Schweizer Unternehmen Peach Property budgetiert. Bis Anfang nächsten Jahres sollen hier unter dem Namen „Yoo Berlin“ 87 Wohnungen mit Größen bis zu 230 Quadratmetern bezugsfertig sein. Der Entwurf stammt vom Berliner Architekten Eike Becker, für die Innenarchitektur zeichnet der Stardesigner Philippe Starck verantwortlich. Das spiegelt sich in den Preisen wider: Für ein Penthouse im neuen Berliner Luxuswohntempel werden 12.500 Euro pro Quadratmeter veranschlagt.

 

Im Herzen der Stadt

„Bei Immobilien mit einem Standort wie Yoo Berlin übertrifft die Nachfrage das limitierte Angebot bei Weitem“, meint Bernd Hasse, Geschäftsführer der Peach Property Group Deutschland. Adäquate Wohnmöglichkeiten im Gebiet der Friedrich-Wilhelm-Stadt, einem von 13 Stadtvierteln im Bezirk Berlin-Mitte, seien rar. Der Stadtteil gilt als das kulturelle, politische und architektonische Herz der Stadt, das insbesondere mit einer pulsierenden Kunst- und Unterhaltungsszene punktet.

In Mitte befinden sich auch die teuersten Eigentumswohnungen. Der City-Bezirk nimmt mit durchschnittlich 2813 Euro pro Quadratmeter Eigentum den Spitzenplatz ein, so der von GSW Immobilien herausgegebene Wohnmarktreport 2012. Der Markt konzentriert sich auf hochwertige Neu- oder aufwendig sanierte Altbauten. Bei den Spitzenobjekten liegt Berlin-Mitte mit noch größerem Abstand vorn: Auf dem Teilmarkt der zehn Prozent der teuersten Wohnungen betrug der mittlere Angebotspreis laut Wohnmarktreport 5320 Euro pro Quadratmeter.

Am Neustädtischen Kirchplatz in Mitte hat der spanische Bauträger Triple-A-Immobilien einen der letzten freien Baugründe im Quartier nördlich des Brandenburger Tors ergattert. Entstehen wird hier, umgeben von Gebäuden des Bundestags und der Regierung, eine Luxuswohnanlage mit Appartements für bis zu 10.500 Euro pro Quadratmeter.

Den zweiten Platz bei den östlichen Bezirken belegt Prenzlauer Berg. Dazwischen liegen die etablierten Stadtteile Pankow, Friedrichshain-Kreuzberg, Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf mit knapp über 2000 Euro pro Quadratmeter. Allesamt begehrte Wohnlagen. „Hier gehen aufgrund der großen Nachfrage interessante Anlageobjekte oftmals unter der Hand weg, ohne je inseriert gewesen zu sein“, berichtet Michael Schlatterer, Teamleiter Abteilung Wohnimmobilienbewertung bei CBRE in Deutschland.

„Citylage schlägt grüne Lage“, so heißt der aktuelle Trend in Berlin. „Wer im gehobenen Segment wohnen will und wer edle Wohnimmobilien lieber kauft als mietet, der strebt tendenziell ins Zentrum der Metropole“, erklärt Jörg Schwagenscheidt, Vorstand GSW Immobilien. Die Ausnahme bildet am ehesten Steglitz-Zehlendorf, das insbesondere für seine prachtvollen Villen bekannt ist. „Mit Dahlem, Nikolassee/Schlachtensee, Wannsee und Zehlendorf-Mitte zählt der Bezirk vier Stadtteile, die auch zu den zehn Gebieten mit der höchsten Kaufkraft in Berlin gehören“, erklärt Schwagenscheidt. In Dahlem und Nikolassee/Schlachtensee findet man zudem die größten Wohnungen der Stadt. Bei Durchschnittsgrößen von knapp 100 Quadratmetern können berlinweit nur noch die Lagen Potsdamer Platz und Unter den Linden im Stadtbezirk Mitte mithalten.

 

Groß, mit Ausblick, auch gerne historisch

Mit einem durchschnittlichen Kaufpreis von 8200 Euro werden wiederum 32 Luxuswohnungen des Projektes Kronprinzengärten angeboten, die neben der Friedrichswerderschen Kirche gelegen sind. Luxus bedeutet für das verantwortliche Unternehmen Bauwert unter anderem Größe (Appartements mit bis zu 560 Quadratmetern) und Ausblick. Schließlich kann man vom Dachpool aus auf die historische Mitte blicken.

Auch beispielsweise das 1911 errichtete, denkmalgeschützte Haus Cumberland am Kurfürstendamm in Charlottenburg geht mit der Zeit – und wird zur Nobelwohnadresse. Das Gebäude, das auch schon als Hotel im Film „Die Bourne-Verschwörung“ zu sehen war, wird künftig ein Zuhause für jene sein, die bereit waren, bis zu 7500 Euro pro Quadratmeter zu bezahlen – „waren“ wohlgemerkt, denn die 210 Wohneinheiten sind bereits vor der Fertigstellung verkauft worden.

„In Berlin ist echter Luxus selten“ titelte noch vor zwei Jahren die „Frankfurter Allgemeine“. Verglichen mit anderen Metropolen war der Markt für Luxusimmobilien in Berlin lange Zeit sehr klein. Doch die Nachfrage und das Angebot sind mittlerweile in Bewegung geraten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2012)