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Serviced Apartments: Feudal in der Stadt einchecken

31.08.2012 | 18:34 |  PATRICK BALDIA (Die Presse)

Serviced Apartments: Das Luxussegment bekommt Zuwachs. Der Gast will wie ein Wiener wohnen. Und sei's nur einen Monat.

Die persönliche Begrüßung durch den Concierge, Rund-um-die-Uhr-Service durch das Hotelpersonal, ein weitreichendes kulinarisches Angebot, vielleicht auch die Möglichkeit großzügige Wellnessanlagen zu besuchen: Wochen- beziehungsweise monatelange Aufenthalte in luxuriösen Hotels klingen für die meisten Menschen wie ein Traum schlechthin. Nichtsdestotrotz ziehen immer mehr Reisende – vor allem jene, die beruflich unterwegs sind – ein Serviced Apartment dem exklusiven Hotelzimmer vor. Auch sie haben, was Einrichtung und Ausstattung betrifft, einiges zu bieten – vor allem aber das Gefühl, zu Hause zu sein. Gegen Aufpreis sind auch Zusatzleistungen möglich.

Im Gegensatz zu anderen internationalen Metropolen fristen diese komfortablen Quartiere auf Zeit in Wien noch immer ein Nischendasein. „Dabei ist der Bedarf an zusätzlichen Serviced Apartments absolut da – auch im Luxusbereich“, bestätigt Manfred Kohl, geschäftsführender Partner der Tourismusberatung Kohl & Partner. „Das liegt auch daran, dass sich Serviced Apartments für luxuriöse Hotelprojekte gut zur Querfinanzierung eignen“, sagt er. Als schillerndes Beispiel nennt er das Palais Hansen Kempinski am Wiener Schottenring, das im Frühjahr 2013 seine Pforten öffnen wird.

Oberhalb des Hotels befinden sich mit den „Grand Residences“ 17 Luxusappartements, die zum Verkauf angeboten werden. Die Kaufpreise werden nicht kommuniziert, Branchenkenner rechnen allerdings mit einer Bandbreite zwischen 15.000 und 20.000 Euro pro Quadratmeter.

Das Prädikat Luxus sieht der Tourismus-Experte Kohl bei Serviced Apartments nur in Verbindung mit Hotels. Schließlich müsse die „Hardware“ der Fünf-Sterne-Kategorie entsprechen. „Es ist auch nur solchen Häusern möglich, entsprechende Serviceleistungen anzubieten“, meint er. Dazu zählt er unter anderem die Anlieferung von Speisen und Getränken, die Mitnutzung der Wellnessbereiche, Reinigungsservice sowie kleinere Wartungsarbeiten. Die Nutzung der Hotelinfrastruktur wird in der Regel über einen Pauschalbetrag abgegolten, für Zusatzleistungen wie etwa regelmäßige Zimmerreinigung muss extra gezahlt werden.

 

Inkognito zwei Monate lang

Den Anbietern von in Wohnhäusern gelegenen Serviced Apartments ist es durchaus bewusst, dass sie mit solchen Serviceleistungen nicht mithalten können. Ihre Immobilien sind so oder so stark nachgefragt. „Unsere Serviced Apartments sind immer voll“, sagt etwa Daniel Jelitzka. „Die Mieter, die im Durchschnitt zwei Monate bleiben, wollen inkognito unter Wienern leben – und das ohne jeglichen Hotelgeruch“, schildert der Geschäftsführer der JP Immobiliengruppe. Dafür würden die temporären Bewohner auch in Kauf nehmen, dass ihnen keine Extraleistungen angeboten werden. Allerdings unterstütze man die Gäste durchaus bei deren Zukauf.

Die JP Immobiliengruppe ist seit mittlerweile fünf Jahren auf diesem Sektor tätig und zählt damit zu den Pionieren in Wien. Die Wohnungen befinden sich ausschließlich in Gründerzeithäusern in der Inneren Stadt oder in den unmittelbar angrenzenden Bezirken. Sie sind, laut Jelitzka, durchwegs dem High-End-Segment zuzurechnen. „Besonders wichtig ist eine ansprechende Architektur“, sagt er. Deshalb wird auch viel Augenmerk auf ein exklusives Interieur und teure Designerlabels gelegt. Die Wohnungen sind mit originellen Stücken wie Kristallleuchten von Moooi, Klassikern von Cassina oder Teppichen von Missoni Casa ausgestattet. Insgesamt würde kein Objekt dem anderen gleichen.

Durch einen hohen Qualitätsstandard versucht sich auch Shirin Akhavan, Geschäftsführerin von „6 Rooms“, von der Konkurrenz abzusetzen. Die insgesamt 13 Wohnungen, die sie mittlerweile zur Vermietung anbietet, wurden wie jene von Jelitzka von Architekten und Designern gestaltet und eingerichtet. „Wir lassen uns die Ausstattung einiges kosten“, bekräftigt sie. So wären etwa Betten und Schränke Maßanfertigungen. Die anderen Einrichtungsgegenstände suche man mit viel Liebe aus. Den Stil, den man hier umzusetzen versucht, umschreibt Akhavan mit zeitlosem Luxus. „Wir wollen, dass sich unsere Kunden wie zu Hause fühlen. Im Gegensatz zu einem Hotelaufenthalt sollen sie eben nicht das Gefühl haben, sich im Urlaub zu befinden.“

Zur Standard-Ausstattung gehören in exklusiven Serviced Apartments hochwertiges Porzellangeschirr und Küchengeräte, Geschirrspüler, Kaffeemaschine, aber auch pragmatische Dinge wie Waschmaschine, Bügeleisen und -brett. Dazu digitales Satelliten-TV mit internationalen Kanälen, Wlan und eine iPod-Station. „Zusätzliche Kleinigkeiten bewirken viel“, sagt Akhavan. Bei „6 Rooms“ im sechsten Wiener Gemeindebezirk bekomme der Gast ein Willkommenspaket mit Weinen, Süßigkeiten und Nespresso-Tabs. Angesichts einer Auslastung von aktuell neunzig Prozent, denkt man darüber nach, das Portfolio um zwei Wohnungen auszuweiten. Gleichzeitig gibt es die Überlegung, doch zusätzliche Serviceleistungen anzubieten – etwa die Gäste, bei denen es sich in der Regel um Geschäftsleute, Künstler oder Diplomaten handelt, am Wochenende mit frischem Gebäck zu versorgen.

 

Die Idee eines medizinischen Umfelds

Wie viel muss man für ein Serviced Apartment im Hochpreis-Segment springen lassen? Laut Jelitzka kostet ein gutes Objekt ungefähr gleich viel in der Woche wie ein gleichwertiges unserviciertes im Monat – eine Faustregel, die sich im Übrigen auch auf weniger exklusive Wohnungen übertragen lasse.

Eine interessante Variante sieht Tourismusberater Kohl auch in Verbindung mit Privatkliniken. Konkret werden in manchen Häusern in den Ober- oder Dachgeschoßen gelegene Wohneinheiten angeboten. Angesprochen werden sollen gut situierte Personen, die eine medizinische Betreuung benötigen oder im Ernstfall schnell versorgt werden möchten. „Dabei handelt es sich allerdings noch um ein absolutes Nischenprodukt“, meint der Experte. Ein erstes Beispiel dafür ist die Privatklinik Maria Hilf in Klagenfurt, die nach einem umfangreichen Umbau zwischen 2009 und 2010 im Dachgeschoß des Neubautraktes über Wohneinheiten für betreutes Wohnen verfügt. Aber in Zukunft werde es mehr solcher Angebote geben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2012)