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Top-Lagen in Wien: Von himmelhoch jauchzenden Preisen

09.11.2012 | 18:40 |  ELKE JAUK-OFFNER (Die Presse)

Wenn bei Käufern von Luxuswohnungen in bester Lage die Emotion entscheidet und nicht das Budget, werden Rekordsummen erzielt. Die Liebe zum Detail spielt dabei auch eine Rolle.

Palais Principe

Der Superlativ ist preistechnisch nicht mit Neubauprojekten zu erreichen, in Wien die Euro-Schallmauern zu durchbrechen, ist praktisch unmöglich: „Die besten Lagen sind einfach schon verbaut, Höchstpreise können nur in historischen Liegenschaften erzielt werden“, bekräftigt Martin Müller, Geschäftsführer von JP Immobilien. Die Symbiose von Alt und Neu gelingt am besten in Dachgeschoßausbauten, und macht im ersten Bezirk Quadratmeterpreise jenseits der 20.000 Euro möglich.

Logieren über einem Louis-Vuitton-Shop? Sündteuer, aber es wirkt. Richard Buxbaum von Otto Immobilien betont, dass Mieter von derart internationalem Renommee ein Projekt elitärer machen und die Kaufmotivation der Interessenten beflügeln. In dieser Liga seien die Käufer „emotional getrieben“. Über die Quadratmeterpreise wird bei den zwölf Luxuswohnungen, die derzeit im goldenen Quartier zwischen Tuchlauben und Am Hof entstehen und so klingende Namen wie „Salon de Jardin“, „Kiss the Sky“ und „Eclectic View“ tragen, der Mantel des Schweigens gebreitet.

Der Verkaufsstart ist noch nicht erfolgt, in der nächsten Woche soll es aber so weit sein. Derzeit hält man bei rund 50 Personen, die ihr Kaufinteresse für Wohnflächen zwischen 150 und 700 Quadratmetern angemeldet haben. Woher die finanzstarken potenziellen Vuitton-Nachbarn stammen? „Zum einen sind es heimische respektive mitteleuropäische Kunden, aber natürlich auch Kunden aus den asiatischen, osteuropäischen und arabischen Ländern“, sagt Christoph Stadlhuber, Vorstand der Signa Holding.

 

14,2 Millionen Euro für ein Penthouse

Die aktuell teuerste Wohnung der Stadt ist nach wie vor zu haben. 27.500 Euro kostet der Quadratmeter im Penthouse des Palais Principe. Macht in Summe 14,2 Millionen für 520 Quadratmeter Wohnfläche und 90 Quadratmeter Terrasse. Was den Preis rechtfertigt? „Das Palais Principe ist ein frei stehendes Haus mitten in der Stadt, eineinhalb Etagen höher als alle anderen Gebäude – bloß der Stephansdom ist noch höher“, konstatiert Müller. Noch zu haben ist hier ein Penthouse mit 380 Quadratmeter Wohnfläche und 70 Quadratmeter Terrasse.

Derzeit werden mehrere Palais für Luxuswohnungen adaptiert. So auch das Palais Wohlleben, in dem sich unter den 19 Wohnungen noch eine freie Dachgeschoßwohnung findet (Fertigstellung im Frühjahr 2013), und das Palais Herzmansky. In Letzterem werden die zehn Appartements durch Terrassen mit Größen über 20 Quadratmeter ergänzt, im obersten Luxussegment sei das ein absolutes Muss, so Müller. Im Herbst 2013 können die ersten Wohnungen bezogen werden, der Verkaufsstart erfolgt Anfang Dezember.

 

Zimmerservice inklusive

Neue Hotelprojekte zielen nicht nur auf temporäres Wohnen ab: Im vierten und fünften Obergeschoß des Hotels Kempinski im Palais Hansen finden sich 17 Residences zwischen 130 und 340 Quadratmetern, die vom Hotel serviciert werden. Der Verkaufsstart ist bereits erfolgt, die Wohnungen werden im ersten Quartal 2013 fertiggestellt. „Es sind derzeit schon über die Hälfte der Wohnungen verkauft und wir stehen mit etlichen Interessenten kurz vor dem Abschluss“, meint Birgit Richter vom Unternehmen Strauss & Partner, das zum Konsortium der Entwickler und Eigentümer gehört.

Ende des Jahres eröffnet das Lifestyle-Hotel Sans Souci an der Schnittstelle von siebentem und erstem Bezirk. Ab dem vierten Obergeschoß finden sich auch hier High-End-Residences. Sechs der insgesamt 14 Wohnungen in der Museumstraße tragen optional auf Käuferwunsch die Handschrift des Designstudios YOO – wie das Hotel selbst, dessen Serviceleistungen für Bewohner künftig zur Verfügung stehen. Die Kosten für einen Quadratmeter liegen zwischen 12.500 und 17.500 Euro.

Preise jenseits der 20.000-Euro-Marke mehren sich, Buxbaum prophezeit den Fall der 30.000-Euro-Schallgrenze bereits für 2013, „zu einem normalen Standard werden diese Größenordnungen für den ersten Bezirk aber nicht“. Da pendeln sich die Preise seiner Ansicht nach auf hohem Niveau ein, während in den angrenzenden Bezirken noch viel Potenzial nach oben ist – derzeit betragen die Kosten für luxuriöses Wohnen dort rund die Hälfte.

Eine stärkere Angleichung an den ersten Bezirk sei vor allem in den fußläufig zu erreichenden Arealen zu erwarten. Doch selbst die Preise im ersten Bezirk können nicht über einen Kamm geschoren werden. Am höchsten im Kurs liegen das „Goldene U“ mit Kärntner Straße, Graben und Kohlmarkt, der Einzugsbereich der Staatsoper und das Börseviertel.

 

Das Detail bestimmt das ganze Bild

Allerdings muss beim Objekt alles bis ins Detail stimmen – vieles ist schon Standard: großzügige Entrees, mehrere sicherheitstechnische Schleusen mit Foyer, ein Dienstbotenbereich und Windfang. Weiters doppelte Stiegenhäuser für den privaten und den öffentlichen Bereich, Barrierefreiheit, direkter Liftzugang von der Wohnung aus und Raumhöhen von mindestens 2,80 Metern sowie Klimatisierung. Mehrere Bäder mit Spa-Charakter sind ebenso ein Muss. Beliebt sind auch eine „Show Kitchen“ im Wohnbereich sowie eine „Dirty Kitchen“, in der das Personal werkt. Darüber hinaus ist auch der Tiefgaragenplatz essenziell.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2012)

1 Kommentare
dadada
12.11.2012 08:01
0 0

katastrophe

die sollten sich um das geld einen ordentlichen architekten oder einrichtungsdesigner leisten.
die im obigen bild dargestellte sitzlandschaft auf der terasse (man sitzt da mit dem rücken zur aussicht) ist eine planerische katastrophe!

aber es fällt immer wieder auf:
je mehr geld die leute haben umso mehr mangelt es am geschmack zur einrichtung usw.....