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Florida: Ein Platz an der Sonne

09.11.2012 | 18:40 |  SABINE MEZLER-ANDELBERG (Die Presse)

Nach der Krise galt der „Sunshine State“ als Dorado für Schnäppchenjäger. Die Zeiten sind vorbei, heute treffen Interessenten auf kaufkräftige Konkurrenz aus Südamerika.

Miami Beach

Die Kombination aus Novembernebel und – vorsichtig ausgedrückt – erhöhter Präsenz der USA in den Medien mag für manchen Investitionswilligen den Gedanken an eine Zweitimmobilie im Sunshine State Florida wieder ins Bewusstsein rücken. Zu schön, um wahr zu sein, klangen direkt nach der Krise die Mythen von Marmorvillen mit Pool und Bootsanleger, die angeblich für wenige Dollar und noch weniger Euro zu haben waren. Auch wenn die Preise damals tatsächlich ordentlich nachgaben – diese Zeiten sind vorbei, die Situation hat sich in den vergangenen zwei Jahren deutlich verändert. Die Zahl der Zwangsverkäufe und -versteigerungen ist stark rückläufig, und in Teilen des südlichsten Bundesstaates wandelt sich der Markt nicht nur wieder vom Käufer- zum Verkäufermarkt, sondern ist schlicht leer gefegt.

 

Ausverkauftes Miami

„Häufig sind Kunden aus Europa ganz enttäuscht, wenn sie herkommen und feststellen müssen, dass die Zeit der Schnäppchen vorbei ist“, weiß Maren Graben, Immobilienmaklerin für century21 in Miami. „An der Ostküste Floridas haben wir bereits einen Verkäufermarkt, Häuser, die beispielsweise in Boca Raton angeboten werden, sind häufig innerhalb eines Tages weg.“ Denn die Europäer haben in der Gegend rund um Miami heftige Konkurrenz bekommen, neben Russen und Kanadiern sind vor allem Käufer aus Südamerika unterwegs. Die Kundschaft aus Brasilien, Argentinien und Venezuela ist zahlungskräftig und fühlt sich hier, wo Spanisch inoffizielle Amtssprache ist, ausgesprochen wohl. „Wir sind quasi ausverkauft, es gibt kaum noch Bestandsimmobilien“, bestätigt Oliver Ruiz, Büroleiter des Engel&Völkers Immobilienshops in Miami. „Kunden aus Venezuela suchen ein neues Zuhause in der Preisklasse zwischen 400.000 und 600.000 Dollar, die Brasilianer und Argentinier kaufen Ferien- und Zweitimmobilien in der Preisklasse zwischen einer und 1,5 Millionen Dollar und die Russen von fünf Millionen aufwärts,“ beschreibt er die Wünsche der neuen Klientel.

Zur weiteren Zuspitzung auf dem ohnehin schon dichten Immobilienmarkt in Südostflorida trägt seit einiger Zeit auch ein Megabauprojekt in Mittelamerika bei: „Mit 2014 soll der Ausbau des Panamakanals fertiggestellt sein“, weiß Graben, „was sich langsam auch auf den Standort Miami auszuwirken beginnt.“ Denn mit der Erweiterung des Kanals wird dieser auch für die ganz großen Kreuzfahrt- und Containerschiffe befahrbar. Für den Hafen Miami ein riesiges Potenzial, auf das erste Investoren schon mit den Kauf von Grundstücken und dem Bau von Eigentumswohnungen reagieren. „Ich habe in Miami noch nie so aufregende Zeiten erlebt wie im Moment, und auch noch nie so viel Geld in die Stadt fließen sehen“, fasst es Ruiz zusammen, der seit 1996 als Makler in Florida tätig ist.

 

Geschäftige Golfküste

Ein bisschen ruhiger und für Käufer aus der Alten Welt noch vielversprechender gestaltet sich die Situation auf der anderen Seite des Staates. Zwar sind auch an der Golfküste die Goldgräberzeiten vorbei, ganz so hitzig wie in Miami geht es aber noch nicht zu. „Hier pendelt sich die Situation ein“, beschreibt es Monika Wilson, seit fast 20 Jahren selbstständige Maklerin in Cape Coral, „Objekte, die 2005 um die 700.000 bis 800.000 Dollar gekostet haben, sind jetzt für 300.000 bis 350.000 auf dem Markt“, skizziert sie die Lage, und schätzt, dass sich Häuser dieser Kategorie mittelfristig bei einer halben Million bewegen werden, also derzeit noch eine sinnvolle Investition darstellen. Was sich aber bereits herumgesprochen hat: „Der Markt ist heiß, ich habe heuer schon 65 Häuser verkauft“, freut sich die deutschstämmige Maklerin, die viel mit österreichischen, deutschen und Schweizer Kunden zu tun hat.

Allerdings sind beim Immobilienkauf im Süden der USA einige Dinge zu beachten, die europäische Kunden nicht immer im Auge haben. So kann grundsätzlich auch ein Ausländer problemlos Haus und Grund in Florida erwerben, eine dauerhafte Aufenthaltsberechtigung verschafft ihm das aber nicht. Zwar sind immer wieder Gesetzesentwürfe im Gespräch, die die Situation für Investoren erleichtern würden – aktuell gibt es einen Entwurf, der beim Kauf einer Immobilie im Wert von über 500.000 Dollar eine Aufenthaltsgenehmigung vorsieht – Fakt ist aber derzeit noch eine Aufenthaltsdauer von maximal 180 Tagen pro Jahr.

 

Unterschätzte Nebenkosten

Und auch die laufenden Kosten werden gern unterschätzt. „Ich empfehle meinen Kunden, mit monatlichen Kosten von 500 bis 1000 Dollar ohne Hypothek zu kalkulieren“, so Wilson, „das können viele kaum glauben.“ Denn im tropischen Florida muss die Klimaanlage auch dann laufen, wenn der Besitzer im kalten Wien weilt, sofern er bei seiner Rückkehr keinen Schimmel vorfinden will. Und die Vorstellung eines romantisch verwilderten Vorgartens trifft hier eher auf wenig Gegenliebe: Wer seinen Rasen nicht wie vorgeschrieben mäht, wird zunächst von der Stadt verwarnt und zahlt nach Ablauf von 30 Tagen 100 Dollar Strafe – pro Tag. „Zu den laufenden Kosten zählen neben Strom und Wasser auch ein Garten- und gegebenenfalls Poolservice sowie die Ungezieferbekämpfung“, erklärt Wilson, „und soll die Immobilie als Ferienobjekt vermietet werden, kommen noch Telefon und Kabel dazu.“ Gern übersehen wird auch die Grundsteuer, die in Florida mit der Wertentwicklung der Immobilie steigt oder fällt und jährlich im Nachhinein fällig ist.

Und natürlich die Versicherung. Die beinhaltet übrigens durchaus den Schutz vor Hurrikanschäden, und zwar zu Preisen, die nicht in die Kategorie Piraterie fallen. Anders lautende Gerüchte haben ungefähr den gleichen Wahrheitsgehalt wie der Mythos von der Marmorvilla mit Pool und Bootsanleger für 80.000 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2012)

1 Kommentare
rabit
28.01.2013 22:31
0 0

Mäßig ...

... ist dieser Text. Ich möchte nicht behaupten, dass ich es besser könnte, aber ich habe stilistisch und inhaltlich schon Besseres in Ihren Publikationen gelesen. Hat die Autorin ernsthaft recherchiert?