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Wohnbau 2013: Urbaner Luxus, smarte Lösungen, soziale Ideen

21.12.2012 | 17:05 | Von Christian Lenoble (Die Presse)

Die Wiener Wohnbauprojekte des kommenden Jahres setzen unter anderem auf Leistbarkeit, Familienfreundlichkeit und Interkulturalität. Der frei finanzierte Sektor lockt hingegen stark mit Luxus.

Wohnraum kann Wien derzeit nicht genug haben, an bestimmten Orten konzentrieren sich die Baustellen. Auf dem Gelände zwischen dem ehemaligen Süd- und Ostbahnhof und dem Südtiroler Platz entsteht derzeit ein neues Stadtquartier mit Wohnungen, einem Schulcampus, einer großen Parkanlage sowie Bürobauten und zahlreichen Geschäften. Südlich vom neuen Hauptbahnhof, im Sonnwendviertel zwischen Sonnwendgasse, Gudrunstraße und dem Bahnkörper wird bereits an der Errichtung der ersten Wohnbauten gearbeitet. 24 Projekte mit insgesamt 1140 geförderten Wohneinheiten, die aus dem ersten Bauträgerwettbewerb im Jahr 2009 als Sieger hervorgegangen sind, werden auf insgesamt sieben Bauplätzen realisiert.

Hauptsache smart


Anfang September 2012 wurde nunmehr der zweite Bauträgerwettbewerb Sonnwendviertel ausgelobt. Auf zwei Bauplätzen – nördlich und südlich der derzeit bereits in Bau befindlichen Projekte – entstehen 450 geförderte Wohneinheiten. Das Motto lautet „smart“. Wie der Begriff, der im allgemeinen Sprachgebrauch für raffiniert, schlau oder pfiffig steht, konkret auf das Wohnen umgelegt werden soll, erläutert Wohnbaustadtrat Michael Ludwig: „Es geht darum, Komplettlösungen anzubieten, die besonders alltagstauglich sind. Intelligente Grundrisse sorgen dafür, dass alle Wohnflächen optimal genutzt werden können. Unnötige Mietkosten für Flächen, die man eigentlich gar nicht brauchen kann, werden auf diese Weise vermieden.“ Das Angebot richtet sich vor allem an Jungfamilien, Paare, Alleinerzieher, Senioren sowie die wachsende Zahl von Singles. Für niedere Kosten soll zudem die Festschreibung von Mietobergrenzen Sorge tragen. „Die Bruttomiete ist mit 7,50 Euro pro Quadratmeter gedeckelt. Auch die Eigenmittel (Baukosten- und Grundkostenbeitrag) sind mit maximal 60 Euro je Quadratmeter vorgeschrieben“, so Ludwig. Bei einer 40-Quadratmeter-Wohnung wird demnach die Bruttomiete maximal 300 Euro betragen, der Eigenmittelbeitrag höchstens 2400 Euro. Der Baubeginn ist mit Herbst 2013 bzw. Frühjahr 2014 projektiert. Die Bezugstermine sind voraussichtlich im Herbst 2015.

Faktor Leistbarkeit


Leistbarkeit steht auch im Mittelpunkt des Bauträgerwettbewerbs „Kostengünstiges Wohnen“. So entstehen in der Podhagskygasse im 22. Bezirk bis Herbst 2014 insgesamt 232 geförderte Mietwohnungen, bei denen die durchschnittlichen Eigenmittel – je nach Bauplatz – zwischen 50 und 100 Euro pro Quadratmeter betragen und die monatliche Belastung bei sechs Euro pro Quadratmeter beginnt. Zu den wichtigsten  infrastrukturellen Einrichtungen in unmittelbarer Nähe zählen drei Schulen, das Spital SMZ Ost sowie die Freizeitanlagen Donaustadt und das Erholungsgebiet Lobau. Gerade recht kommt für die Bewohner die Verlängerung der U2 mit der Station Hausfeldstraße. Dem Grundsatz, Wohnen mit möglichst geringen Eigenmitteln zu ermöglichen, folgen in der Donaustadt weiters die Bauprojekte Mühlgrund II (137 geförderte Wohnungen) und Polgarstraße 30A (393 geförderte Wohnungen). Baubeginn soll jeweils Anfang 2013 sein, der Bezug Anfang 2015.

Bezugstermine 2013


Bereits im kommenden Jahr bezogen werden in Wien zwei Anlagen mit geförderten Einheiten, die sich unterschiedlichen Wohnthemen verschrieben haben. An der Ecke Mühlbergstraße/Hofjägerstraße im Grenzverlauf des 13. und 14. Bezirks soll das autofreie, parkähnliche Areal auf dem ehemaligen Gelände der „Stadt des Kindes“ vor allem Familien mit Kindern ansprechen. In einem Teilbereich des Nordbahnhofgeländes rund um den Rudolf-Bednar-Park wiederum ist interkulturelles Wohnen das Thema. Geht alles nach Plan, werden Ende 2013 an einem der Bauplätze – im Rahmen der selbst verwalteten Baugruppe Wohnprojekt Wien – 56 Erwachsene und 20 Kinder, die 17 Sprachen sprechen und mehr als 40 Berufen nachgehen, leben. Nachhaltigkeit soll sich dabei nicht nur durch ein Haus mit Niedrigenergiestandard, ein intelligentes Mülltrennungssystem und ressourcenschonende Umweltaspekte manifestieren, sondern vor allem auch im sozialen Umgang. „Wir wollen mit dem Wohnprojekt Alternativen aufzeigen und ein Gegenmodell zur oftmals auf Ausgrenzung angelegten Wohnsituation in Wien entwerfen“, erklärt Wohnprojektinitiator Heinz Feldmann.
Einiges tut sich auch auf dem frei finanzierten Sektor. Auf die Marke „Freizeitparadies Alte Donau“ setzt beispielsweise die Wohnbaugesellschaft Buwog mit der Fertigstellung von 80 Eigentumswohnungen in der Stephensongasse 2 und 4. Besonderes Merkmal der meisten zwischen 61 und 149 Quadratmeter großen Wohnungen ist der Blick von Terrasse, Loggia oder aus dem Eigengarten direkt auf das Wasser. Die Cityskyline im Hintergrund vermittelt zugleich urbanes Feeling, wie Buwog-Geschäftsführer Gerhard Schuster gern betont: „Das Ländliche verbindet sich in der Anlage mit dem Städtischen.“

Urbaner Luxus


Gänzlich urban und mit einer mehrheitlich älteren Zielgruppe präsentiert sich im achten Wiener Gemeindebezirk „Das Hamerling“. Direkt am Hamerlingpark gelegen dient ein bis 2007 leer stehendes und mittlerweile revitalisiertes Gebäude aus der k. u. k. Monarchie künftig als Wohnplatz für jene, die sich gern Komfortables mitten in der (Josef-)Stadt leisten wollen. In die planmäßig bis Ende 2014 fertiggestellten Eigentums- und Mietwohnungen mit Concierge-Service sollen Singles, Familien und Senioren einziehen. Ein Kindergarten und ein Pflegestützpunkt stehen für den generationsübergreifenden Charakter, hinzu kommt eine exklusive Seniorenresidenz.


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