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Bauen in den Alpen: Zentrumslage, Gipfelblick

11.01.2013 | 18:27 |  ELKE JAUK-OFFNER (Die Presse)

Serie: Raues Klima und wenig Platz sind kein Hindernis: Ein neuer Hotelbau verbindet mitten in St. Anton geradliniges Design und traditionelle Zitate.

Stadt-Land-Österreich 'Der Arlberg ruft'

In St. Anton am Arlberg gleicht es einem Lottosechser, wenn man mitten im Ortszentrum bauen kann. Und doch entstand dort vor Kurzem das „Anthonys“ – auf einem Grundstück mit Altbestand. „In dieser Größe und Lage gibt es im Ort keine verfügbaren Flächen mehr“, sagt Architekt Jürgen Schauer von der Ofa Group, daher wurde jeder Quadratzentimeter ausgenutzt: Das Gebäude erstreckt sich über neun Geschoße, davon drei unter der Erde. „Allein der Abbruch der Bestandsgebäude und die Errichtung der Baugrube, die über die gesamte Grundstücksfläche bis zu 16 Meter tief war, hat zwei Monate in Anspruch genommen. Die Grundstücksfläche von rund 900 Quadratmetern wurde komplett bebaut.“

Auf beengtem Platz galt es, verschiedenste Nutzungen unterzubringen. Das Areal beherbergt ein Vierstern-Designhotel mit 100 Betten, eine Sauna ganz oben, zwei Lokale (Bar und Steakhouse), zwei Einzelhandelsflächen, eine zweigeschoßige Tiefgarage und Nebenräume inklusive Technikflächen. Zugleich galt es für den Architekten, den eigenen Anspruch einer „klaren, geradlinigen Formensprache mit den Bedürfnissen des Auftraggebers nach einem zeitgemäßen, jedoch auch traditionellen Gebäude zu kombinieren“. Es sollte „ein modernes Gebäude im viel zitierten alpinen Charakter“ entstehen, das sich in die Umgebung einfügt, „kein aufregender oder provozierender Fremdkörper“. Gearbeitet wurde mit regionaltypischen, so weit möglich naturbelassenen Materialien – Lärchenholz, Stein- und Eichenböden sowie Massivholzmöbel aus geölter Eiche, die in Kooperation mit der id-Werkstatt gefertigt wurden. Innen gruppieren sich die Hotelzimmer um ein Atrium, die Erschließungsräume sind lichtdurchflutet.

Bautechnisch herausfordernd erwiesen sich die rauen klimatischen Bedingungen in 1300 Meter Seehöhe, Schnee und Kälte rücken einer Gebäudehülle ordentlich zu Leibe. Die Außenhaut wurde daher besonders gut gedämmt, die Fassadensteinplatten aus hellem Silberquarzit aus einem Südtiroler Steinbruch ließ man extra für das Projekt anfertigen. Dass man es hier mit einem Bau in den Alpen zu tun hat, darauf verweist auch ein Berggipfel als Symbol und Teil der Corporate Identity des „Anthonys“. Man findet ihn an vielen Stellen, bis hin zur Wandverkleidung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.01.2013)