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Das Schaulaufen der Designermöbel

12.01.2013 | 18:03 |  von Norbert Philipp (Die Presse)

Köln wird zum riesigen Wohnraum: Wenn am Montag die MöbelmesseIMM Cologne beginnt.

Schaulaufen Designermoebel

Sie werden nicht müde: An der Typologie des Stuhls versuchen sich noch immer tausende Designer und hunderte Möbelhersteller jährlich. Und sie feilen an den Räumen, dem Komfort, dem Heim, der „dritten Haut“ des Menschen, seiner Wohnung.

Die Menschen werden mehr. Und die Immobilien auch. Städte machen sich breit. Die Häuser ebenso. Da gibt es einen Haufen „Inneres“, das gefüllt und gestaltet werden will. Jeder Mitteleuropäer bewohnt durchschnittlich 40Quadratmeter. Doch bevor die Möbel in den Wohnungen heimisch werden, haben sie Anfang des Jahres traditionell ein viel größeres Zuhause: Die Möbelmesse „IMM Cologne“, die am Montag startet, stellt auf 230.000 Quadratmetern vor, welche Stühle, Sofas, Tische, Betten, Stoffe und Küchen den Lebensraum der Menschen in nächster Zeit gestalten könnten.

Und auch der Raum, der für viele Lebens- und Kommunikationsmittelpunkt ist, wird in Köln-Deutz ausgiebig von Herstellern, Designern und ihren Ideen bedient: bei der Parallelveranstaltung „Living Kitchen“.

Köln geriert sich auch als Möbel-Delphi: Hier tagen das Trendorakel und die Farbpropheten. Lange haben sie die Antennen in den gesellschaftlichen Äther gehalten, Stimmungen, Befindlichkeiten eingefangen. Bis jetzt hat sich ja, wer's bemerkt hat, der gesellschaftliche Zustand in Ziegelrot ausgedrückt. Auch anderen Dingen, vor allem Materialien und Designkonzepten, wird die Zukunft vorausgesagt. Holz natürlich. Und der „Einfachheit“ auf alle Fälle.

Dazu werden Trendreports verfasst, in die Designer und andere Experten ihre Wahrnehmungen hineinsprechen. Auch an dem Projekt „Das Haus – Interiors on Stage 2013“ lassen sich aktuelle und zukünftige Wohnbedürfnisse ablesen. In diesem Jahr übernahm der Designer Luca Nichetto das Einrichten. Und setzte dabei vor allem auch auf Pflanzen als unabdingbare Elemente des Wohnens.

Stadtdesign. Auftritte haben auf dem zweitwichtigsten Möbelevent des Jahres (nach dem Salone del Mobile im April in Mailand) nicht nur Konzepte und Möbelstücke. Sondern vor allem auch ihre Schöpfer. Etwa das Pariser Brüderpaar Ronan und Erwan Bouroullec. Eine Ausstellung in den Räumen des Kölnischen Kunstvereins zeigt ihre Arbeiten. Für Stardesigner wie sie sind Messen wie die IMM Cologne die Showbühne. Vor allem, wenn sie sich wie in diesem Jahr in die prominente Ehrengalerie der „Designer des Jahres“ einreihen. Das Magazin „Architektur & Wohnen“ vergibt tradtionellerweise diesen Titel.

Abseits von Showrooms und -bühnen, Flagship-Stores und Messegeländen versucht die Stadt Köln selbst auch so etwas wie eine Designstadt zu sein. Das Designfestival „Passagen“ überzuckert die Stadtviertel mit Ausstellungen, Installationen und Veranstaltungen und lässt neue Strömungen des Designs durch die Straßen fließen. Vor allem rund um den Kölner Ring und das Belgische Viertel.

Poesie, bitte. Auch die Trendscouts lassen sich davon in die Design-Off-Spaces treiben. Etwa auch zum Hochschulforum, das Ausbildungsstätten aus ganz Deutschland vereinigt, in einer ehemaligen Schiffsschraubenfabrik. Auch das Stadtviertel Ehrenfeld will sich als Kreativquartier profilieren. Dazu installiert es wieder den Design-Parcours, der Design und Urbanismus noch enger zusammenspannt.

Die Bouroullec-Designbrüder sehen sich ja selbst als Designromantiker. Deshalb haben sie auch im Museum für Angewandte Kunst in Köln ab Montag einen temporären Fixplatz: in der Ausstellung „Isn't it romantic“, die die Wienerin Tulga Beyerle, eine der beiden Direktorinnen der Vienna Design Week, kuratiert hat. An Mustern, Materialien und Verarbeitungsmethoden lässt sich eine Sehnsucht im Design ablesen, die jene nach Komfort und Funktion weit hinter sich lässt. Dazu zeigt die Ausstellung, wie Arbeiten von bekannten Designern wie etwa von Hella Jongerius, Jaime Hayon, Doshi Levien oder Philippe Starck diese Sehnsucht aufnehmen.

MöbelMesse

Die IMM Cologne findet vom 14. bis 20.1. statt. Sie zeigt auf über 230.000 Quadratmetern die Produkte, Möbel und Objekte von über 1000 Ausstellern.

Im vergangenen Jahrkamen 116.000 Besucher in die Messehallen in Köln-Deutz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2013)